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Paris und Athen im Fokus Die große Angst vor dem Euro-Beben

Der Wahlausgang in Frankreich und Griechenland verheißt nichts Gutes. Ökonomen fürchten, dass sich eine gefährliche Spar- und Reformmüdigkeit breitmacht. Ein Experte sieht gar Merkel mit ihrer Euro-Politik gescheitert.
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Euro-Münze. Quelle: Reuters

Euro-Münze.

(Foto: Reuters)

Berlin Die Zeichen stehen nicht gut für den Euro. In Frankreich hat der künftige Präsident Francois Hollande einen Kurs angekündigt, der stärker auf staatliche Ausgabenprogramme als auf neue Einsparungen setzt. In Griechenland sind die Verfechter des Sparkurses richtig abgestraft worden. Konservative und Sozialdemokraten haben die Mehrheit im Parlament verloren.

In den Niederlanden, wo demnächst ein neues Parlament gewählt, droht ebenfalls ein Abweichen vom Sparkurs. Angesichts plötzlicher Finanzprobleme bei Deutschlands westlichem Nachbarn ist unklar, ob der Bundesregierung nicht einer der wenigen wichtigen Verbündeten beim Pochen auf eine energische Sparpolitik in den EU-Staaten abhandenkommen wird. Und konservative Regierungschefs wie der Spanier Mariano Rajoy oder der parteilose italienische Ministerpräsident Mario Monti haben zuletzt ebenfalls die harten Defizitziele ihrer Länder leicht korrigiert.

Harte Zeiten für den Euro

Diese Entwicklungen werden von führenden Ökonomen in Deutschland äußerst kritisch gesehen. Die Sorge geht dabei sogar so weit, dass auch Rückschläge für die Euro-Rettung nicht ausgeschlossen werden. Die Wahlen zeigten, dass sich im Euro-Raum eine Spar- und Reformmüdigkeit breitmache, obwohl die Staatsschuldenkrise noch lange nicht gelöst sei, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer Handelsblatt Online. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel werde es daher „noch schwieriger, sich mit Frankreich auf eine gemeinsame Linie für eine tragfähige Finanzverfassung des Euro-Raums zu einigen, ohne die die Staatsschuldenkrise nicht zu lösen ist“. Das erhöht nach Ansicht Krämers den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), „die Peripherieländer noch lange de facto mit der Notenpresse zu finanzieren“. Dieser Zwang zum Gelddrucken sei für sein Institut auch der Hauptgrund, warum man mittelfristig einen deutlich niedrigeren Euro/US-Dollar-Wechselkurs erwarte. „Der Euro ist heute Nacht zu recht gefallen“, so Krämer.

Auch Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater hält Marktturbulenzen für möglich. Er begründete dies damit, dass bei demokratischen Regierungswechseln die neuen Akteure zunächst ihre Wahlkampfaussagen abarbeiten müssten. „Zu Beginn der Zusammenarbeit auf Euro-Ebene kann es daher durchaus zu Irritationen kommen, die die Kapitalmärkte in Schwankungen versetzen“, sagte Kater Handelsblatt Online. Am Ende müsse jedoch jede neue Regierung den Umständen und Herausforderungen Tribut zollen. „Unabhängig von neuen Regierungen gäbe es sowieso Handlungsbedarf, wenn sich in den kommenden Monaten herausstellen sollte, dass die südeuropäischen Länder deutlich stärker in die Rezession fallen als bislang erwartet“, gab Kater zu bedenken. „Dann wäre auch Nordeuropa so stark betroffen, dass der Konsolidierungskurs gestreckt werden müsste.“ Dabei sei die fiskalische Konsolidierung aber nicht die einzige Herausforderung. „Entscheidender sind die begonnenen Liberalisierungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte der Dekabank-Ökonom. Hier sei trotz der Diskussionen um einzelne Reformabschnitte bereits einiges passiert.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, wertet die Wahlausgänge als schwere Niederlage für Merkel. „Die Politik der Bundesregierung erleidet gerade ihren absehbaren ökonomischen  und politischen Bankrott“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Ökonomisch, weil Austeritätspolitik zum wirtschaftlichen Absturz führt, politisch weil die hierfür verantwortlichen Regierungen abgewählt werden.“ Daher sei die Bundesregierung gezwungen, ihren Kurs zu ändern. Der Konjunktur im Euro-Raum werde dies helfen, ist sich Horn sicher.“ Denn ohne eine starke gesamtwirtschaftliche Nachfrage ist es unmöglich, die Schuldenlast zu reduzieren und das Vertrauen  der Investoren zurückzugewinnen.“

Frankreich droht mit Hollande weiterer Abstieg
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24 Kommentare zu "Paris und Athen im Fokus: Die große Angst vor dem Euro-Beben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum die EU zum Scheitern verurteilt ist!

    1. Wenn man eine friedliche Gemeinschaft schaffen will, egal in welcher Größe, ist das oberste Gebot die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz.

    2. Nach ca. 40 Jahren Palaver und bevorstehender Einheitswährung sehen die wichtigsten gesetzlichen Tatsachen in den Staaten der EU folgendermaßen aus:

    1. Keine Gleichheit der Mehrwertsteuer!

    2. Keine Gleichheit der Einkommensteuer!

    3. Keine Gleichheit der Rentengesetze!

    4. Keine Gleichheit der Krankenversicherungsgesetze!

    5. Keine Gleichheit der Arbeitnehmergesetze!

    Diese Liste ließe sich beliebig verlängern und müßte jedem mit einem Minimum an politischen Verstand ausgestatteten Menschen klarmachen, daß ein solches Gebilde zum Scheitern verurteilt ist. Mit diesen Argumenten können Sie jeden EU-Befürworter zum Schweigen bringen, weil er absolut nichts dagegensetzen kann.

    Zu der genannten Ungleichbehandlung der Bürger kommt das gigantische Ausmaß von Verschwendung, Betrug und Korruption innerhalb der EU-Behörden, über das bereits dicke Bücher im Umlauf sind, die jedem denkenden Menschen eine Warnung sein müssten. Dabei denke ich besonders an den Titel `Unbestechlich für EuropaA von Paul van Buitenen.

    Hinzu kommt die Tatsache, daß Deutschland der Feindstaatenklausel der UN und dem Besatzungsrecht der Alliierten unterliegt, somit keinerlei Souveränität besitzt. Nach der Genfer Konvention sind Verträge mit Sklavenstaaten aber nichtig, also wurde Deutschland nur durch Erpressung in diese EU eingebunden. Die anderen Staaten der EU gehören alle zu den alliierten Siegerstaaten, die mit Deutschland seit 50 Jahren keinen Frieden schließen wollen. Mit der Abschaffung der DM wird den Deutschen das letzte Werkzeug zur Herstellung der Souveränität aus der Hand genommen. Politische Dummheit kann man lernen, man braucht nur deutsche Schulen zu besuchen.


    Dieter Rüggeberg

  • Nicht nur Politiker setzen auf das falsche Pferd, auch der deutsche Wähler, wenn man die Erfolge der SPD so ansieht. Die Sozialdemokraten schaffen es dann, denn Karren mit einem toten Pferd in den Abgrund zu reiten.

  • @soeinfachnicht
    Sie haben natürlich Recht: Zu DM-Zeiten hatten wir ja immer ein riesiges Handelsbilanzdefizit....
    Glauben Sie den Quatsch, den Sie schreiben eigentlich selbst?? oder ist die Verbreitung von Nebelkerzen Ihr Job?

  • Sie sind aber auch brainwashing-total, hä? Ein in Deutschland sehr angesehener Vermögensverwalter, Dr. Jens Erhardt sagte vor 2 Jahren etwa, dass die Schweiz ja auch bestens mit ihrem Franken in der globalen Welt agiert!! Siehe: Nestle, Novartis...

  • Deutschlands Politiker haben eine merkwürdige Begabung, politisch immer aufs falsche Pferd zu setzen. Und diesmal ist es der alternativlose Endkampf um den schon lange toten Euro und seine damit verbnundenen europäischen Verträge. Im Führerbunker ignorieren sie die Realitäten, wollen nicht sehen, dass Deutschland das Rettungsboot ist, das sich irrlichternd an die Titanic kettet, um deren Untergang aufzuhalten. Alles was wir erreichen können ist ein gemeinsamer Scheitern, ein finanzpolitisches Massenharakiri. Der Euro ist tot. Er kettet Ungleiche aneinander, erdrosselt die Medländer durch seine Stärke und seinen festen Wechselkurs wirtschaftlich, laugt Deutschland und die wenigen halbwegs soliden Nordländer durch Ausgleichsabpressungen aus. Der Weltmarkt wird nicht warten auf unseren aussichtlosen und verlustreichen Verbrüderungskampf. Korea und China werden uns abhängen, wenn wir nicht bald doch noch die Kurve kriegen und den Euro als Gesamtheit abwickeln.

  • Der ganze Saftladen ist am Ende. Und die Anhänger Hollandes die sich jetzt feiern, werden bald in Träne ausbrechen. Aber seis ihen die Freude gegönnt. Frei nach dem Motto. „Besser einmal zu früh gefreut, als gar nicht gefreut.“

    Es bleibt Hollande nämlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Frankreich ist de facto pleite. Entweder macht er wenigstens den Versuch einer franz. Agenda 2010, für die es eigentlich schon längst zu spät ist. Oder Schulden bis der Kapitalmarkt Zinsen wie in GR. aufruft. Beide Varianten führen in Frankreich vor die Wand.

    Und ich muss hier einigen Mitkommentatoren Recht geben.

    Der Zug ist längst abgefahren..

    Die Rating-Agenturen haben Eurobonds schon zerrissen und eine Bonitätsnote, wie die des schlechteste Eurolandes in Aussicht gestellt. Es geht gerade los. Der Euro bricht ein und die Börse folgt.
    Ich weiß nicht wo Hollande lebt oder ob er immer noch von der „Grande Nation“ träumt. Aber wenn er wirklich ein Haufen neue Schulden machen will, bin ich mal gespannt wie lange er dafür Geld vom Kapitalmarkt bekommt.

    Aber viel schwerer wiegt der Eindruck, dass DE jetzt mit seiner Spar-Politik gescheitert ist und ohne den bisherigen Hauptverbündeten dasteht. Und das heißt, DE bleibt also nur die Wahl zu zahlen bis zum eigenem Bankrott oder auszusteigen. So „einfach“ kann die Welt sein.

    Der Euro Laden fliegt uns gerade in Zeitlupe um die Ohren
    Es geht hier nicht mehr um irgendwelche Korrekturen oder Reförmchen und oder Exportmärkte, die demnächst sowieso zusammenbrechen werden, sondern ums nackte Überleben der deutschen Wirtschaft und des deutschen Steuerzahlers.

    Wer das immer noch nicht geschnallt hat, ist mit dem Klammerbeutel gepudert.

  • Wo die Polizei sich WEIGERT Gerichtsentscheidungen durchzusetzen und sich an Folter beteiligt ...

    http://torture.dynip.name/20120503-noetigung-h__r-mainobe-r_k_ta.jpg
    http://www.myup.ir/images/46197536963057137021.jpg
    http://img837.imageshack.us/img837/6968/20120503noetigunghrmain.jpg

    ... das ist übrigens das Revier was DA ...

    http://eurozone.dynip.name/20120507-1345-ecbint-newpremises.jpg
    http://www.myup.ir/images/61441214229192543894.jpg
    http://img213.imageshack.us/img213/2909/201205071345ecbintnewpr.jpg

    ... zuständig ist.

  • Ich glaube das ist definitiv so. Inflation gehört in den Süd-EU Staaten dazu. Wenn wir nicht aufpassen, gehen unsere Ersparnisse dahin. Kann sein, dass die EU mit den unterschieldichen Geschichten nicht in eine Währungsunion gezwängt werden sollte. Mir pers. war die D-Mark auch viel lieber. Kommt sie zurück?

  • Nicht vergessen:
    Hinter der Euro-Katastrophe steht nicht nur die Merkel, sondern geschlossen CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne!

  • @Dr.-Ing.M.R

    "Ich bin kein CDU-Wähler, aber der Kurs der Kanzlerin ist richtig. Wenn die anderen Euro-Nationen eine Inflationswährung wollen, dann müssen wir uns eben trennen. Ich will jednefalls nicht die Ausgaben anderer Nationen bezahlen."

    Mehr Widerspruch geht nicht. Wenn Sie nicht die Ausgaben anderer Nationen zahlen wollen, wieso ist dann der Kurs der Kanzlerin richtig????

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