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Pariser Kathedrale Der Wiederaufbau der Notre-Dame wird teuer und langwierig

Die Reparatur der Notre-Dame wird laut Präsident Macron eine „neue nationale Leistung“. Einfach wird der Wiederaufbau nicht, denn geeignete Handwerker sind heute kaum noch zu finden.
1 Kommentar

„Das Gebäude ist noch sehr heiß. Es besteht die Gefahr, dass Steine herunterbrechen“

Paris Bis in hundert Meter Entfernung flogen verkohlte Holzstücke und bildeten eine schwarze Masse auf den Bürgersteigen. Der Rauch stieg fast senkrecht in den klaren Himmel, nach Feuer roch es dennoch kaum.

Patrick Chauvet, der Direktor der Kathedrale, sprach ganz leise, sichtlich bewegt, er konnte seine Tränen kaum zurückhalten: „Dreimal am Tag haben wir die Bauarbeiten kontrolliert“, sagte er. „Es schien alles in Ordnung zu sein.“ Der genaue Grund für das Feuer in der Notre-Dame-Kirche in Paris ist noch nicht bekannt. Es soll aber im Teil des Daches ausgebrochen sein, in dem die Bauarbeiten stattfanden. Die Ermittlungen laufen.

„Wir werden diese Kathedrale wieder aufbauen, alle zusammen, schon morgen wird eine Spendensammlung beginnen, weit über unsere Grenzen hinaus, und wir werden Notre-Dame wieder aufbauen, weil es das ist, was die Franzosen erwarten, und weil es unser Schicksal ist“, sagte Staatspräsident Emmanuel Macron kurz vor Mitternacht am Montagabend. Sichtlich bewegt bezeichnete er die Kirche als „Epizentrum unseres Lebens, hier haben wir alle unsere Dramen und unsere Siege erlebt, hier beginnt der Kilometer Null“.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist mit seiner Ehefrau zur Kathedrale gekommen. Macron hatte dafür eine geplante Fernsehansprache abgesagt. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist mit seiner Ehefrau zur Kathedrale gekommen. Macron hatte dafür eine geplante Fernsehansprache abgesagt.

(Foto: Reuters)

Schockiert, im Moment des Entsetzens auch überraschend stark vereint, zeigte sich die politische Klasse, von ganz links bis ganz rechts, fast noch mehr als nach den grausamen Terroranschlägen vom November 2015. „Notre-Dame ist nicht nur die Kirche der Katholiken, Notre-Dame erhebt den Geist aller, die sie sehen“, sagte Jean-Luc Mélenchon, Chef der weit links stehenden „Insoumis“.

Der Wiederaufbau wird nicht nur sehr teuer werden, er wird vor allem lange dauern. Michel Delaluche, Historiker und Chef der Touristenführer von Notre-Dame, sagte vor der noch brennenden Kirche stehend, dass man heute kaum noch die geeigneten Handwerker finde, um einen so gewaltigen hölzernen Dachstuhl zu bauen. Der von Notre-Dame stammte zum großen Teil noch original aus dem 13. Jahrhundert. Er bestand aus dem Holz von 1300 Eichenstämmen.

„Er wurde am Boden komplett zusammengebaut, die einzelnen Teile nummeriert, dann wieder zerlegt und oben auf dem Gewölbe wieder zusammengesetzt“, erläuterte Delaluche. Es geht also nicht nur ums Geld, es geht auch um Wissen und Fertigkeiten, die man erst wiederfinden oder ausbilden muss.

„Wir werden uns an alle Länder wenden, ihre Handwerker bitten, nach Paris zu kommen“, versprach Macron. Der Wiederaufbau werde eine neue nationale Leistung werden, versuchte der Präsident ein wenig Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten. Er bedankte sich bei den Feuerwehrleuten, von denen mindestens einer schwer verletzt wurde. Als nach Mitternacht die ersten Lastwagen der „Pompiers“ abfuhren, brandete Beifall auf in der Menge, die außerhalb des abgesperrten Perimeters ausharrte.

Wer trägt die Verantwortung für den Brand?

In der Nacht wurden aber auch die ersten Fragen nach der Verantwortung für diesen schrecklichen Brand laut. Dabei geht es nicht nur um die noch offene Frage, ob Brandstiftung im Spiel war, sondern auch um den Brandschutz. „Jedermann weiß, wie schwer es ist, einen Dachstuhl zu löschen, wenn er erst einmal Feuer gefangen hat – deshalb hätte es bei den laufenden Bauarbeiten alle Schutzvorrichtungen wie Brandmelder geben müssen, ich frage mich, ob das hier der Fall war“, sagte Didier Rykner, Kunsthistoriker, dem Sender „C News“. Tatsächlich fragt man sich, wie im Herzen der Hauptstadt über Stunden hin ein solches Feuer wüten kann.

Die Erschütterung der Franzosen erklärt sich nicht allein aus dem künstlerischen Wert der Kirche. Es gibt andere Kathedralen, deren Zustand authentischer ist. Während der Revolution wurde das Innere der Kirche zu großen Teilen verwüstet.

Notre-Dame hat einen anderen Wert, sie steht für das Zentrum der Hauptstadt, für einen Zufluchtsort, in dem Menschen sicher waren, die das Kirchenasyl suchten, für ein tausendfach gemaltes und beschriebenes architektonisches Kunstwerk. Und hier hat die französische Nation einige ihrer größten Momente erlebt, wie die Krönung Napoleons oder die Feier zur Befreiung von den Nazis.

Etliche Menschen blicken auf die Notre-Dame-Kathedrale, während Feuerwehrleute versuchen, die Kirche zu retten. Quelle: AFP
Notre-Dame

Etliche Menschen blicken auf die Notre-Dame-Kathedrale, während Feuerwehrleute versuchen, die Kirche zu retten.

(Foto: AFP)

Mit 14 Millionen Gästen pro Jahr ist Notre-Dame nicht nur das am stärksten besuchte Monument Frankreichs, sondern Europas. Trotzdem musste über Jahre Geld gesammelt werden, um die laufenden Renovierungsarbeiten finanzieren zu können. Schwer verständlich in einem Land, das einen der großzügigsten Kulturhaushalte der Welt und steinreiche Sponsoren hat.

Ein schwacher Trost ist, dass der größte Teil der steinernen Struktur erhalten zu sein scheint. Das Gewölbe in 33 Meter Höhe ist nicht eingestürzt, ein begonnenes Feuer in einem der beiden Türme konnte gelöscht werden. Andernfalls hätte der Zusammenbruch des gesamten Gebäudes gedroht. Der wurde abgewendet – doch der Wiederaufbau wird Jahre dauern.

Feuer in Kathedrale Notre-Dame ausgebrochen

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1 Kommentar zu "Pariser Kathedrale: Der Wiederaufbau der Notre-Dame wird teuer und langwierig"

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  • Immerhin scheint inzwischen auch das ARD zu kapieren, daß Notre Dame und der Schaden zumindest vergleichbar wichtig sind wie ihre Tierfilmchen. Sagte doch gestern früh die Sprecherin in den Nachrichten, "der Schaden geht in die Millionen". Immerhin deutlich teurer als ein Tiger,
    Und es handelt sich auch nicht mehr nur um das von ihrem obersten Vorgesetzten, Herrn Becker, verabscheute "Gaffer-Fernsehen". Vielleicht findet sich sogar mit der Zeit irgendwer oder notfalls irgendein Ereignis, das selbst unserem Staatsfernsehen beibringt, daß es neben Geld und Unterhaltungsfirmen auch noch Kultur gibt,
    Wo wir gerade bei Kultur sind: vielleicht erinnern wir uns an den Brecht-Ausspruch,
    "Wäre es nicht besser, die Regierung schaffte das Volk ab und wählte sich stattdessen ein anderes?"
    Hier brauchen wir noch nicht einmal ein anderes öffentlich-rechtliches Fernsehen zu wählen ... es gibt schon genug Fernsehsender. so daß ein fehlendes ARD gar nicht auffallen würde.

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