Parlamentswahl Frust und Resignation destabilisieren Griechenland

Seite 2 von 3:
„Die Politiker sollen sich zum Teufel scheren“

Die gemäßigten Parteien appellieren daher an die Vernunft. Der frühere Finanzminister und Spitzenkandidat der sozialistischen Partei Pasok, Evangelos Venizelos, warnt die Bürger davor, sich bei der Wahl von Wut leiten zu lassen. Das wäre eine „Katastrophe“.

Auch der Chef der konservativen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, mahnt immer wieder, Stimmen für die Protestparteien würden das Land destabilisieren. Konservative und Sozialisten hatten den internationalen Helfern versichert, dass Athen nach dem gelungenen Schuldenschnitt sein Sparprogramm konsequent fortsetzen werde - gleichgültig, wer die Wahlen gewinnt.

Doch es ist zweifelhaft, ob die Botschaft bei den Bürgern noch ankommt. Frust und Resignation machen sich breit. „Die Politiker allesamt sollen sich zum Teufel scheren“, schimpft Theodoros Ioannidis, ein Apotheker im Zentrum Athens. Wer an ihrer Stelle treten soll, sei ihm „egal“.

Die Folgen werden sich bei der Parlamentswahl am 6. Mai zeigen: Griechenlands Parteienlandschaft zersplittert. Nach einer frischen Umfrage der Zeitung „Ethnos“ und des Fernsehsenders Alpha könnten im neuen Parlament zehn Parteien vertreten sein und damit doppelt so viele wie in den vergangenen Jahrzehnten üblich.

Die beiden großen Traditionsparteien, die die Übergangsregierung unter Ministerpräsident Lucas Papademos unterstützen, müssen mit historischen Einbrüchen in der Wählergunst rechnen. Laut Umfrage kämen die Konservativen unter Samaras als stärkste Kraft auf 22,3 Prozent (2009: 34 Prozent). Die Sozialisten unter ihrem neuen Vorsitzenden Evangelos Venizelos kämen auf 17,8 Prozent (2009: 44 Prozent).

Für beide Parteien wäre dies das schlechteste Ergebnis seit Ende der Militärdiktatur 1974. Sie könnten bei diesem Ergebnis eine große Koalition bilden, die eine Mehrheit von 158 Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament hätte.
Laut Umfrage glaubt fast die Hälfte der Griechen (44 Prozent), dass es zu einem solchen Bündnis kommt. Darüber hinaus können der Erhebung zufolge mehrere gemäßigte, aber auch radikale Rechts- und Linksparteien die Drei-Prozent-Hürde nehmen und ins Parlament einziehen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Vertrauenskrise treibt das Kapital aus dem Land
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Parlamentswahl - Frust und Resignation destabilisieren Griechenland

21 Kommentare zu "Parlamentswahl: Frust und Resignation destabilisieren Griechenland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Photovoltaik hat hier keine Arbeitsplätze geschaffen und sie wird auch in GR keine schaffen. Hört mit dem linkischen Quatsch auf.

    Es ist gut, dass GR untergeht. Ihr wolltet nicht hören, jetzt sollt Ihr die krise fühlen. Die GR hatten die Chance aus dem Euro auszutreten. Jetzt sollen sie darben.

  • Von Griechenland wird Unmögliches verlangt, soviel ist klar. Die sollen ihre Wirtschaftsgeschichte 2012 bis 2062 anscheinend bei Münchhausen abschreiben. Ist Ihnen aufge-fallen, dass Sie eine Statistik haben, die mit "BIP-Wachstum" beschriftet ist. Ein solches "Wachstum" auf Kosten der Kreditgeber gab es tatsächlich im Jahre 2007. Im Jahre 2008 bis 2011 lautet die richtige Beschrif-tung "BIP-Schrumpfung". Das Handelsblatt sollte darüber nachdenken, ob es schon durch falsche Beschriftung unreflektiert eine Wachstumsideologie vermittelt, die weder der finanzwirtschaflichen Realität in Griechenland noch in Europa entspricht. Eine saubere Berichterstattung sollte den Ruch vermeiden, unreflektiert einer Wachstumsideologie anzuhängen. Die Perspektive von Deutschland, Griechenland und Europa insgesamt ist : Weniger Menschen. Weniger junge Menschen. Weniger Geld. Erstarken außereuropäischer Volkswirtschaften zu Lasten Europas. Es ist die Perspektive des weniger ! Deutschland und Europa müssen sich JETZT dieser Herausforderung stellen, wenn nicht die geburtenstarken Jahrgänge in Altersarmut versinken sollen. Lebensqualität trotz SCHRUMPFENDER Ressourcen ist die Schicksalsfrage für Deutschland und Europa.

  • Was haben Kohl ,Schröder ,Merkel dem Deutschen Volk nur angetan .
    Das Volk wurde praktisch vergewaltigt .Der normal denkende
    Mensch in DE kann es einfach nicht realisieren , daß deutsche Bürger für Ausländer horrende Beträge zahlen
    müssen bis zum privaten Bankrott (ESM ).
    Hat dies noch etwas mit Demokratie zu tun ,auf keinen Fall.
    Hier wird den Bürgern die Diktatur diktiert .
    Fast alle Politiker von den fundamentalistischen Parteien
    regieren gegen das Volk u. den Kritikern wie Bosbach ,
    Willsch ,Schäffler usw. wollten die Herren Kauder
    u.Altmaier den Maulkorb verpassen mit der ESM Abstimmung .

    Deutschland muß die Schweizer Demokratie in die Verfassung
    verankern .Deutsche Bürger wollen ein aktives politisches
    Mitspracherecht (Volksbegehren )

    Es muß endlich Schluß sein mit EU u. Schulden-Euro !

  • Eine gute, leider aber auch sehr schwierige, Frage. Wenn die Meinungsforscher recht haben, ist die weit überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung der Ansicht, dass diese Art (die Betonung liegt auf „diese Art“) von EU (Subventions- und Tranferunion) schnellstens beendet werden muss. Wie ist diese Meinung aber in politisches Handeln umzusetzen? Auf dem üblichen Weg geht es offenbar nicht. Politik, 90 % der Presse, die Wirtschaft und weitere Profitanten dieses Systems bilden ein Meinungs- und Machtkartell, das eine undurchdringliche Gummiwand bildet. Ein radikaler Umsturz verbietet sich. Er würde uns zudem sicher auch in andere, noch weitaus größere Probleme führen. Wenn es gelingen würde, den Politikern den Geldhahn abzudrehen, wäre m.E. das Spiel schnell beendet. Dies könnte dadurch geschehen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger in einem außerparlamentarischen Votum mehrheitlich erklären, dass sie für die diesbezüglich von den Politikern eingegangenen Verpflichtungen nicht haften werden (die Island-Lösung). Es kommt nun darauf an, dieses Votum zu organisieren.

  • Hetze!!! Das behauptet jemand in dessen Land die "Bild"-Zeitung mehr Macht als die Politik hat! So einseitig legen die "Normalo"-Deutschen halt alles aus. Mit subjektiver Wahrnehmung kennt man sich ja dort gut aus, wie die Geschichte leider gezeigt hat.

  • und ich sage: "Wer ist der größte Betrüger, den die Menschheit gesehen hat und jemals sehen wird?"

  • Sagenhafter Schwachsinn von einem Opportunisten, der mit Halbwissen aus der Ferne urteilt! Armselig!

  • hamp hat doch recht.
    Haben Merkel, Kohl, schröder uns gefragt, ob und was wir wollen ? Nee.
    Die Griechen wurden von ihren Politkern ebensowenig gefragt.
    Ich versteh nur nicht, warum Apotheker Theodoros Ioannidis es so egal ist, wer nach dem Abgang der aktuellen Politiker regiert.
    Ich plädiere ja immer dafür, daß die Bevölkerung mehr Einfluß bekommen und wichtige Entscheidungen absegnen muß. Dann gäbs die ganze Staatsverschwendung nicht ( oder die Bevölkerung weiß wenigstens wer schuld ist und muß rechtzeitig die Notbremse ziehen )
    Man muß aber das System reformieren, solange es reformierbar ist.
    Wenn erst Bewaffnete auf der Straße stehen, ist es zu spät. Das können wir uns für unser eigenes Land schon mal merken. Am besten wär es, wenn das bisherige Regime sich entschließen würde, Reformen einzuleiten und Macht abzugeben. Assad zeigt uns, wie es läuft, wenn man das verpennt.

  • Und Barroso trommelt weiter für die Vergemeinschaftung der Schulden des EURO-Raums...

    Athen/Brüssel (BoerseGo.de) – Die Finanzspritzen für Griechenland zur Abwendung der Staatspleite belaufen sich bis dato auf ein Volumen von 380 Milliarden Euro. Das teilte die EU-Kommission in einem am heutigen Mittwoch veröffentlichten Bericht mit. Das entspricht einer Summe von 33.600 Euro pro Kopf, hieß es aus Brüssel. Die Berechnung berücksichtigt dabei Beihilfen, Kredite und den Schuldenerlass privater Investoren. Von weiteren Finanzhilfen an Griechenland war in dem Bericht nicht die Rede. "Die Krisensituation hat sich stabilisiert", hieß es.

    EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vergleicht die Hilfen für Griechenland mit dem Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Marschallplan hatte ein Volumen von 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Empfängerländer. Die Zahlungen für Griechenland belaufen sich bis dato auf 177 Prozent des BIPs. „Dies zeigt, dass wir handeln. Und dass wir enorme Anstrengungen unternehmen, um Griechenland zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen. Wir werden das fortsetzen“, so Barroso.

    Zugleich sprach sich Barroso erneut für die Vergemeinschaftung von Staatsschulden der Euroländer aus. „Die EU-Kommission und ich sind überzeugt davon, dass wir für wahre Haushaltsdisziplin und Übereinstimmung eine Vergemeinschaftung der öffentlichen Schulden brauchen“, so Barroso.
    Deutschland lehnt dies seit längerem ab. Berlin befürchtet in einem solchen Fall nachlassende Sparbemühungen finanziell angeschlagener Euro-Länder.

  • Haetten wir die Tuerkei in die EU und den Euro aufgenommen,
    haetten wir uns dieses Debakel erspart. Die Lage in GR war
    bekannt, als aus regionalpolitischen Gruenden der Weg zum
    Euro freigemacht wurde. Die Griechen koennen den Euro weiterhin als Referenzwaehrung behalten - das war ja auch
    in Ex-Serbien so mit der DM, aber wer griechischen Anleihen
    vergibt oder kauft, muss wissen, dass das Risiko allein bei
    GR liegt. Es gibt viele Staaten, die Anleihen in Eur oder
    USD ausgeben, aber niemand haftet dafuer ausser den Emittenten.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote