Parteitag der PS Orkan Valls fegt über Frankreichs Sozialisten

Die französischen Sozialisten sind in Katerstimmung. Doch Premier Valls schafft es mit einem bemerkenswerten Auftritt, den Kleinmut wegzublasen. Damit bringt er sich bereits als Hollande-Nachfoger in Stellung.
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Der Premier hat das Feuer seiner Partei wieder entfacht. Quelle: Reuters
Manuel Valls in Poitiers

Der Premier hat das Feuer seiner Partei wieder entfacht.

(Foto: Reuters)

ParisMit einer geschickten und emphatischen Rede hat Frankreichs Premier Manuel Valls am Samstag die Stimmung auf dem Parteitag der Sozialisten (PS) gedreht. Obwohl er in der Partei nicht von allen geliebt wird, erhielt er gleich mehrere stehende Ovationen. Valls wendet sich gegen die von der Rechten geschürte Islamophobie und erinnert an die Geschlossenheit der Franzosen nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo vom Januar, ruft seine Parteifreunde dazu auf, die „Partei der Nation zu sein, die Partei des Volkes im Herzen der Nation“.

Die Herzen der Delegierten gewinnt er damit: Während vorher eine Katerstimmung wegen der Konflikte zwischen Reformern und Linken über dem Parteitag hing, blies der Orkan Valls den Kleinmut weg und gab den Delegierten Gelegenheit, „stolz zu sein auf das, was wir geleistet haben, stolz zu sein darauf, links zu sein und stolz auf unser schönes Land.“

Valls‘ rackert sich auf der Bühne des Kongresses in Poitiers ab wie Gerd Schröder zu seinen besten Zeiten: Er dampft und transpiriert, der Schweiß trieft ihm in Rinnsalen von der Stirn, die Stimme röhrt durch den Saal. Sein Auftritt ist jedoch in Wirklichkeit kühl durchdacht und könnte als ein Beispiel für eine rhetorische Meisterleistung in die Geschichte des Fachs eingehen. Er bringt das Kunststück fertig, seine „völlige Loyalität zu Präsident Franҫois Holande“ zu beschwören und die Delegierten zu einem begeisterten Applaus für ihren Präsidenten anzuregen, zugleich aber so zu reden, als sei er selber schon der Vater der Nation. Nach diesem Auftritt ist klar: Muss Hollande, der 2017 gerne wieder antreten will, wegen Chancenlosigkeit auf die Kandidatur verzichten, dann wird Valls sich nicht erst warm laufen müssen. Sein Motor dreht schon mit hohem Tempo.

Schon als Valls unter den Klängen rhythmischer Musik in den Saal einzieht ist klar, welche Art von Rede er halten würde. Völlig unüblich für einen Parteitag der Sozialisten kommt er mit Krawatte und dunklem Anzug, nicht wie gewöhnlich in Hemdsärmeln. Und so sprach er dann auch: als Staatsmann, der nicht nur die Partei, sondern die Linke, ja das ganze Land einen will. Diese Pose erleichterte es ihm, den Gegenspieler Nicolas Sarkozy in die Schranken zu weisen. Der fällt durch eine übermäßig aggressive, ich-bezogene und parteitaktisch-kleinkarierte Rhetorik auf, eine Steilvorlage für Valls: „Man macht keine Politik, um persönliche Rechnungen zu begleichen, Nicolas Sarkozy schadet schon in der Opposition dem Land genug.“ Ein kurzer, aber harter Schlag, dem im Stillen wohl sogar viele Anhänger der Konservativen applaudieren.

Um was wir die Franzosen beneiden
Die Bardot in Brasilien
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Keine andere schmollt so unvergesslich wie sie: Die Schauspielerin Brigitte Bardot. Immerhin hat Deutschland Claudia Schiffer, der ja häufig nachgesagt wurde, sie sei die neue „Bardot“. Doch nichts geht über das Original. Ein Grund für ein kleines bisschen Neid.

Tour de France
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Ich bin neidisch auf: den Mont Ventoux. Der Berg ist ein Mythos. Weithin sichtbar erhebt er sich über die wunderschöne Provence, knapp 2000 Meter hoch, oben kahl und zerklüftet wie eine Mondlandschaft. Es gibt wohl keine andere Erhebung in Mitteleuropa, auf die man sich so schön mit einem Rad hinaufquälen kann.

Eiffel-Turm
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In Deutschland wird gerne die dunkle Seite des technologischen Fortschritts thematisiert: noch verheerendere Waffen, Umweltrisiken bei der Energiegewinnung oder beim Abbau von Bodenschätzen, Veränderung des globalen Klimas. Ich würde mir mitunter ein etwas ungezwungeneres Verhältnis zum technologischen Fortschritt wünschen, wie es den Franzosen nachgesagt wird. Denn er bedeutet auch: neue Waffen im Kampf gegen Krankheiten, Hunger und Naturkatastrophen oder neue Möglichkeiten zu Informationsaustausch und Wissenserwerb. (Thomas Trösch)

Wein
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Neidisch bin ich auf jeden Fall die französische Weinvielfalt. Den Rotweinen aus dem Bordeaux und dem Rose aus der Provence. Zumal traditionell gekelterte Rotweine aus Frankreich angeblich Wunder bewirken. (Jürgen Röder)

Provence
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Deutschland hat die Lüneburger Heide. Aber nichts ist vergleichbar mit dem Farbenspiel und dem Duft tausender Lavendelstauden der Provence. Hätten wir auch gerne, die Oase.

Surf-Wettbewerb
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Frankreich lockt mit den Stränden und dem milden Klima der Côte d’Azur im Osten. Doch im Westen zeigt sich das Land von seiner raueren Seite. Kilometerlang, versteckt hinter Dünen, zieht sich die Atlantikküste mit ihren breiten Sandstränden entlang. Und das Beste: die Wellen, manchmal mehrere Meter hoch, die zum Wellenreiten und Surfen einladen. Ja, wir haben die Nordsee. Doch das ist nun wirklich nicht vergleichbar. (Maike Freund)

Autounfall
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Ja, auch das Autoressort ist ein bisschen neidisch. Franzosen haben überhaupt kein Problem damit, eine Stoßstange im ursprünglichen Wortsinn zu benutzen. Deshalb sind sie auch meist nicht lackiert. Oder zumindest nicht für lange. Und niemand regt sich auf. Das ist wunderbar unverkrampft im Vergleich zum Gebaren im deutschen Parkraum. Auch das Verhältnis zur Hupe ist deutlich entspannter. (Frank Heide)

Mit seinen parteiinternen Gegnern hat Orkan „Manuel“ leichtes Spiel. Seit sie bei der Abstimmung über die konkurrierenden Leitanträge nur 30 Prozent der Stimmen erhalten haben, während die Motion pro-Reformkurs 60 Prozent bekam, haben die Linken an Energie verloren und beigedreht. Christian Paul, einer ihrer Sprecher, sagte am Samstag, die Partei sei „geeint, es gibt keinen Konflikt zwischen Revolutionären und Reformern, sondern nur eine Diskussion zwischen zwei Reformkräften.“

Modernisierer und zugleich Vater der Nation
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