Paul Krugman "Das Euro-Projekt war ein schrecklicher Fehler"

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Nobelpreisträger Paul Krugman will, dass die EZB so viele Italien-Anleihen kauft wie nötig. Die Inflation würde das nicht anheizen, meint der Nobelpreisträger.
Update: 10.11.2011 - 22:40 Uhr 72 Kommentare
Paul Krugman hält eine kompromisslose Politik für unerlässlich. Quelle: Reuters

Paul Krugman hält eine kompromisslose Politik für unerlässlich.

(Foto: Reuters)

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman macht sich für eine Rettung Italiens durch die EZB stark. "Am Ende wird die EZB in den Abgrund blicken und sagen: Vergessen wir alle Regeln, wir müssen die Anleihen kaufen", sagt er dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). Ziel sei dann eine Untergrenze für die Kurse einzuziehen. Der Ansturm der Märkte auf das Land muss seiner Meinung nach gestoppt werden, weil der Preis eines Auseinanderbrechens des Euros zu hoch wäre. "Wenn Italien im Härtefall einen Schuldenschnitt machen müsste, würde der Euro zerbrechen."

Krugman votiert für eine kompromisslose Politik. „Die EZB muss klar machen: Wir kaufen so viel wie eben nötig ist“, sagt er. Die inflationären Gefahren einer solchen hält er für beherrschbar. Krugman glaubt nicht an spürbar steigende Inflation. „Wir stehen nicht vor dem deutschen Hyperinflationsjahr 1923.“

Dass die Aufkaufpolitik einen Bruch der Maastricht-Regeln bedeutet, will er vernachlässigen. „In Extremlagen bricht man eben die Regeln“, sagt er. Schließlich müsse der Worst Case verhindert werden. Das wäre seiner Meinung nach ein Ausstieg Italiens aus dem Euro, ein Bank-Run in dem Land. Dann würde seiner Einschätzung nach Spanien angesteckt. Wahrscheinlich falle dann auch Frankreich. Die Folge wäre: „Der Euro mutiert zu einer erweiterten Deutschen Mark.“

Krugman sieht die gemeinsame Währung in Europa sehr kritisch. "Es gibt keinen gemeinsamen homogenen Wirtschaftsraum", sagte er gegenüber dem Handelsblatt. "Damit fehlte auch die Voraussetzung für eine gemeinsame Währung. Deshalb war das Euro-Projekt ein schrecklicher Fehler."

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72 Kommentare zu "Paul Krugman: "Das Euro-Projekt war ein schrecklicher Fehler""

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  • Dr.Norbert Leineweber:
    Als der Artikel im Handelsblatt stand, war ja schon deutlichst formuliert unter welchen Bedingungen Krugman ein Klugman gewesen wäre. Nun, nachdem man jetzt ernsthafte Auswirkungen der EU-Krise auf die USA befürchtet und das jetzt allmählich in den focus kommt, sieht man dem Grunde nach welchen wissenschaftlichen Anforderungen Krugman genügt und welchen nicht. Wäre der Artikel schon vor dem 10.11. erschienen, wäre mein Urteil nicht anders ausgefallen. Mehr unter Dr.NorbertLeineweberHandelsblatt und Dr.NorbertLeineweber FTD

  • Bist wohl Österreicher?!

  • Hehe! :-)

  • Herr Krugmann soll mir mal eines erklären! Wir in Deutschland sparen, wir kürzen Sozialhilfe, weiten die Job`s mit Leiharbeitern, sprich Billigarbeitern aus, Rente mit 67, sparen beim öffentlichen Dienst, usw. Warum das alles? Unser Staat soll genauso Wohltaten verteilen und wenn wir Geld brauchen soll doch die EZB die Anleihen aufkaufen. Ist das jetzt ein Schmarren oder korrekt gedacht?

  • Natürlñich war die Euro-Einführung - eine künstliche Währung als Dach auf einem nicht vorhandenen Haus - ein schrecklicher Fehler. An Warnungen hat es allerdings auch nicht gefehlt, selbst wenn viele Menschen das gern vergessen möchten.

    Auf der anderen Seite beschleunigt der Euro nur den Zusammenbruch eines untauglichen Systems. Es gibt nichts Schlechtes ohne etwas Gutes.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/10/papademos-und-monti-keine-chance-fur-die-neuen/

  • .
    Einspruch !
    Habe weder einen Kohlkopf gehabt noch gehöre ich zu denen, die sich in diesem Zusammenhang was merkeln müssen.
    .

  • Der Fehler ist nicht eine Gemeinschaftswährung wie der Euro; der Fehler ist ein Leben mit Krediten, die man nicht bedienen kann.

    Auch die USA lernen das gerade - egal was Krugman redet. Die Griechen hätten sich mit der Drachme ebenso ruiniert oder die Italiener mit Lire.

  • Was für eine Logik: Der Euro war ein schrecklicher Fehler, aber nun müssen wir alles tun, um das Produkt dieses Fehlers zu beseitigen. Danach wären die Ursachen der Krise allerdings immer noch dieselben: Kein homogener Wirtschaftsraum, ergo auch keine Basis für eine gemeinsame Währung. Was wirklich passieren muss: Rückabwicklung des Kunstobjekts "Euro" - und wenn man das geordnet und planvoll anstellt, ist das zwar teuer, aber keineswegs unmöglich oder desaströs. Bringt man aber mittels unbegrenzter Untervention der EZB auch noch die letzten Stützpfeiler Europas ins wanken, dann droht wirklich das Chaos - Schluss mit dem Rettungs-Irrsinn!

  • Eigentlich habe ich bei der Beurteilung von Krugman mehr Substanz erwartet. Es ist ein weiter so....d.h. wir sollen das machen, was klar unsinnig ist: Wir werfen gutes Geld dem schlechten hinterher. Schwierig wird sicherlich der Ausstiege aus dem bisherigen Verfahren. Krugman (und die Finanzindustrie) will uns einreden, dass wir den Euro retten müssen. Tatsächlich retten wir nur ein defektes Projekt (Euro) und die Finanzierungslogik der Regierungen. Wir sitzen in einem Sunk-Cost Dilemma. Da kommen wir nur mit Schmerzen heraus, aber jeden Tag, in dem wir das nächste Land retten (wetten - Spanien müssen wir demnächst retten), macht den Ausstieg schwerer.

  • Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere Blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.Uns muss klar sein, dass viele Werte am Finanzmarkt fiktiv sind. Es sind Luftbuchungen, die an den Märkten gehandelt werden, die aber keinen realen Gegenwert besitzen. Wenn das Geld plötzlich weg ist, staunen die Leute: Wer hat denn jetzt mein Geld? Die Antwort ist: niemand. Es war ja nie wirklich da. Das ganze Dilemma, warum die Deutschen soviel Tages-,Festgeld, Bankanleihen, Bundeswertpapiere, Lebensversicherungen etc. halten ist der hartnäckige Glaube, dass die Bank und der Staat "Dein Freund" sind. Das wurde den Deutschen ja auch jahrzehntelang vorgegaukelt. Leider ist es aber so, dass man, wenn man Leute vom Gegenteil überzeugen will, nur müde belächelt, oder gar als gefährlicher Anarchist oder bedauernswerter Spinner dargestellt wird. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!

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