Paul Krugman „Ich bin sehr beeindruckt von Mario Draghi“

Der neue Hoffnungsträger für Europa ist in den Augen führender amerikanischer Ökonomen EZB-Chef Draghi. Angela Merkel und ihre Sparpolitik sei dagegen das Paradebeispiel für ideologische Verbohrtheit.
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New YorkDie Hoffnungen Amerikas ruhen auf den Schultern der noch relativ neuen EZB-Spitze. „Ich bin sehr beeindruckt von Mario Draghi“, sagte US-Nobelpreisträger Paul Krugman am Freitagabend unter dem zustimmenden Kopfnicken prominenter Kollegen bei einer Podiumsdiskussion in New York.

Draghi habe zwar das Mantra seines Vorgängers aufrechterhalten, das die EZB nicht wie die US-Notenbank Fed Staatsanleihen kaufen könne. „Und dann dreht er sich herum und leiht den Banken enorm viel Geld, damit die die Anleihen kaufen“, sagte der US-Starökonom. Allerdings müsse die EZB noch deutlich mehr tun, um Europa auf die Beine zu helfen, genauso wie die Regierungen entgegen den Ratschlägen aus Berlin mehr zu Ankurbelung der Konjunktur tun müssten.

Der Italiener Mario Draghi hatte im November 2011 die Führung der EZB vom Franzosen Jean-Claude Trichet übernommen. Im Dezember 2011 sorgte er dann dafür, dass die EZB den Banken der Eurozone fast 500 Milliarden Dollar über drei Jahre lieh. Die Institute nutzen dies, um Staatsanleihen der von der Eurokrise getroffenen Staaten wie Italien und Spanien zu kaufen.

Die erhöhte Nachfragte nach den Papieren führte zu niedrigeren Zinskosten für diese Länder und damit zu einer Entspannung der Euro-Schuldenkrise. Krugman war auf dem Panel im altehrwürdigen Metropolitan Museum an der Ostseite des Central Park nicht der Einzige, der Draghi wortreicht lobte. „Draghi hat eine sich abzeichnende Kreditklemme verhindert“, sagte Investorenlegende George Soros. „Mit Draghi hat sich die Stimmung deutlich verbessert“, pflichtete Jeffrey Sachs, Professor an der Columbia Universität bei.

Schlecht kam dagegen die deutsche Bundesregierung und ihre Forderung nach Sparhaushalten in Europa weg. „Deutschland ist dagegen eher ein ökonomisches Problem mit seiner ideologischen Verbohrtheit“, sagte Sachs ebenfalls unter dem zustimmenden Nicken der Podiumsteilnehmer. Die deutsche Bundesregierung macht sich seit langem dafür stark, dass Krisenländer wie Griechenland ihre Haushaltsprobleme durch Sparmaßnahmen in den Griff bekommen, um so das Übel an der Wurzel zu packen.

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50 Kommentare zu "Paul Krugman: „Ich bin sehr beeindruckt von Mario Draghi“"

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  • Ideologie ist immer etwas für Narren, auch im Handelsblatt .-))

  • „Ich bin sehr beeindruckt von Mario Draghi“, sagte US-Nobelpreisträger Paul Krugman am Freitagabend unter dem zustimmenden Kopfnicken prominenter Kollegen....Mit Draghi hat sich die Stimmung deutlich verbessert“, pflichtete Jeffrey Sachs, Professor an der Columbia Universität bei. Schlecht kam dagegen die deutsche Bundesregierung und ihre Forderung nach Sparhaushalten in Europa weg. „Deutschland ist dagegen eher ein ökonomisches Problem mit seiner ideologischen Verbohrtheit“, sagte Sachs ebenfalls unter dem zustimmenden Nicken.(Zitate)

    Da nickten aber etwas zu viele Leute, um unbedacht nun gleich die ganze Welt eine ideologische verbohrte Nickfreude gegen Deutschland jemanden einreden zu können. Zudem verrät sich mit dem Wort "ideologisch " Nobelpreisträger Paul darüber hinaus, dass da Hintergedanken im Programm gewisser USA Finanzkreise vorweg bestanden haben, die eben von Deutschland aus gutem Grund nicht bedient wurden. Sparsamkeit ist nur ein Problem. Wichtiger ist aber die internationale Kontrollbefugnis der angeforderten Mittel für Griechenland. Und genau hier liegt der "Hase im Pfeffer" und die EZB ist nicht die Lösung. Die EZB arbeitet schon lange nicht mehr konform mit den Euro Nationen zusammen. Wenn der Euro sterben sollte, die Schuld fällt vorwiegend dann sowieso auf die EZB.

  • Buerge-r

    Siehe Oberrhein "Gläubiger dritter Klasse".

  • "Die Europäischen Banken sind katastrophal unterfinanziert. Sie haben gerade neues Spielgeld von Herrn Draghi bekommen und werden nochmal Spielgeld bekommen. Er wird die Bilanz der EZB nochmals aufblähen."

    Und Mario Drucki wird weiter behaupten es gibt keine Inflation, weil er das aufblasen von Bankbilanzen mit Luftgeld einfach nicht dazu zählt. Das Dumme ist nur, dass der Bürger bei der nächsten Bankenrettung dann wieder mit seinem echten Geld hinter dem Leistung und nicht heiße Luft steht, die Rechnung bezahlen muss. Alles in allem sind Ursache und Folge dieseleben wie bei der klassischen Brotpreisinflation und deshalb ist auch das Inflation! Wann wird die deutsche Presse Mario Drucki genauso kritisch beleuchten wie Herrn Wulff oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

  • Buerge-r

    Das HB wird bald darüber sprechen müssen, woher das geld für die Bildungspolitik genommen werden soll, siehe mal Oberrhein, er geht in Hab Acht Stellung im engeren Sinn und weiteren Sinn der Bildungspolitik.

  • Der einfache Mann:
    Der Herr Krugman hat keine Ahnung, welche Nation ist denn am besten aus der Krise gekommen? Amerika vieleicht? Diese Leute haben Damals schon über Deutschland geschimpft. Es giebt eine einfache Rechnung die wir in Der Hauptschule schon gelernt haben wenn ich mehr Ausgebe als ich einnehme den bin ich über kurz oder lang Pleite. Fazit ich muss sparen. Das hat Herr Krugman wohl nicht gelernt. Vieles richtig gemacht Frau Merkel
    Sowas regt mich auf.

    MFG. Der einfache Mann

  • Paul Krugman ist sicher ein heller Kopf. Aber in seinem Blog stellt er "die Deutschen" immer wieder als homogene Masse dar, die nur ein Ziel kennt: Austerität unter Schmerzen.
    In seinen Artikeln zur US-amerikanischen Wirtschaftssituation kennt er die feinen Details, jedoch offenbart er in seinen deutsch-feindlichen Artikeln immer wieder eine Hubschrauberperspektive. Er ist kurz gesagt der Meinung, dass es sich bei der Eurozone um ein Gebilde handelt, bei dem man zwischen Geber- und Nehmerländern nicht mehr unterscheiden muss. Dabei blendet er konstant aus, wie berechtigt die Forderungen Deutschlands nach Reformen sind. Das erwähnt er maximal in einem Nebensatz. Danach geht es gleich weiter mit dem Deutschen-Bashing. Im Grunde ist seine Lösung: Geld drauf ohne Ende, dann wächst die Wirtschaft schon wieder (deshalb liebt er Draghi). Die Kollateralschäden blendet er aus, nämlich wer den ganzen Spaß bezahlt und wem die Schulden Anderer aufgehalst werden. Aber er hat schon recht: Kurzfristig läuft es dann wieder (siehe USA). Sein Verständnis für europäische Komplexität ist marginal. Es gibt bspw. keinen Artikel von Krugman zum Thema TARGET2. Aber es gibt einen Artikel, in dem er unterstellt, dass Deutschland fordert, dass alle europ. Staaten einen Handelsbilanzüberschuss erzielen sollen (Stichwort Lake Wobegon). Er deklassiert sich damit.
    Draghi darüber hinaus zu bewundern für das, was und wie er es tut, ist vergleichbar mit der Bewunderung für einen Drogenkartellboss, der offiziell ein bürgerliches Leben führt und alle an der Nase herum führt. Krugman offenbart damit eine massiv auf die Rettung einer Währung fixierte Sicht, ohne nach links und rechts zu schauen. Das relativiert die Relevanz seiner Meinung.

  • @ SabineM

    Aber, aber ... so ein böses Wort für die ach so netten Herren Greenspan, Eichengreen, Blankfein, Beranke, Ackermann... das sind ja alles nur ganz, ganz unberechtigte
    Unterstellungen.

  • Dazu muß man wissen, dass die FTD stramm neoliberal ist.
    Unten nehmen und oben geben, ist bei denen offenb ar das normale Leben

  • @Markus_W.
    Es tut mir leid, aber als Sparer und Anleger haben sie es nicht leicht. Es gibt heute kaum noch langfristig sichere Anlagen.
    Die Riesterrente ist ein Schröder/Maschmeier-Betrug. Sie müssen mindestens 95 Jahre alt werden um nicht betrogen zu werden. Ausnahme Bauriester. Hier wird der Rentenanspruch in Betongold umgewandelt.
    Lebensversicherungen sind lachhaft uninteressant. Die Garantierenditen liegen inzwischen unter Sparbuchniveau. Ausnahme Absicherung von Eigentum, wenn Sie ein Haus gebaut haben.
    Aktien brauchen heute ständige Beobachtung in Information über den Sachstand.
    usw. usw.
    Der big Bang, der von Japan ausgehen könnte, wird die Finanzindustrie extrem hart treffen. Internationale Produkte der Finanzindustrie werden pulverisiert werden.
    Die Europäischen Banken sind katastrophal unterfinanziert. Sie haben gerade neues Spielgeld von Herrn Draghi bekommen und werden nochmal Spielgeld bekommen. Er wird die Bilanz der EZB nochmals aufblähen. Sie ist auch heute schon aufgeblähter als die Federal Reserve in USA.
    Wir profitieren als Safe Haven von der Eurokrise in doppelten Sinne. Unsere Verschuldung ist extrem billig und durch die Krise der südeuropäischen Länder hält den Euro billig.
    An der Hintertür klopft schon das nächste Chos: Die aufgelaufenen Rentenansprüche belaufen sich in Europa auf ca. 40 Billionen Euro. Alleine in der Eurozone sind das ca. 30 Billionen, in Deutschland 8 Billionen. Wer da glaubt, die Renten sind sicher, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Zudem werden unsere Steuern in immer größerem Maße von überhöhten Pensionsansprüchen geplündert, so dass von der Seite auch keine Lösung zu sehen ist.
    Also: vertraue niemanden, mach dich schlau, kümmere dich selbst.

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