Pegida und Flüchtlingsandrang Kanada warnt vor Reisen nach Ostdeutschland

Kanada sorgt sich um seine Bürger. Eine Reisewarnung der Regierung sorgt in Sachsen für Empörung.
Update: 30.09.2015 - 13:30 Uhr 196 Kommentare
Montags ist Pegida-Tag: Noch immer demonstrieren Pegida-Anhänger in Dresden. Quelle: AFP
Pegida

Montags ist Pegida-Tag: Noch immer demonstrieren Pegida-Anhänger in Dresden.

(Foto: AFP)

BerlinDie Regierung in Kanada hat eine Reisewarnung für Ostdeutschland herausgegeben. Darin ist die Rede von extremistischen Jugendbanden, die in Teilen Ostdeutschlands eine Bedrohung darstellten. Mitglieder solcher Gangs seien bekannt dafür, Personen wegen ihrer Rasse oder ihres ausländischen Aussehens zu belästigen oder direkt zu attackieren. Auch habe es schon Brandanschläge auf parkende Fahrzeuge gegeben.

In den Hinweisen wird auch vor Demonstrationen gewarnt, die „plötzlich“ in gewalttätige Auseinandersetzungen umschlagen können. „Meiden Sie alle Demonstrationen und Großveranstaltungen, befolgen Sie die Hinweise der Behörden und verfolgen sie die Berichterstattung in lokalen Medien.“

Die Regierung weist zudem auf einen „signifikanten Anstieg“ der Zahl von Migranten und Flüchtlingen in Europa hin. Einige Länder, darunter auch Deutschland, hätten bereits Störungen im Personenzugverkehr gemeldet. Auch Fährhäfen und Bahnhöfe seien betroffen. Große Verzögerungen gebe es auch an den Grenzübergängen.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Die Situation stelle auch ein Nährboden für Demonstrationen dar, die in gewalttätige Auseinandersetzungen münden könnten - vor allem an Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten. „Wenn Sie in der Region unterwegs sind, informieren sie sich in den lokalen Nachrichten und befolgen Sie die Hinweise der lokalen Behörden, und kontaktieren Sie Ihren Reiseveranstalter, um zu klären, ob Ihre Reise beeinträchtigt werden könnte“, heißt es in dem Hinweis der Regierung.

Die Sachsen-CDU reagiert empört auf die Reisewarnung. „Das entspricht nicht der Realität und ist extrem rufschädigend“, sagte der Generalsekretär der sächsischen CDU und Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, dem Handelsblatt. „Deutschland muss dieser Beurteilung entschieden entgegen treten.“

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz kritisierte die Warnung als zu pauschal und undifferenziert. „Aber eines stimmt: Rechtsextreme, Rassisten und Nazis agieren nicht nur verwerflich, sie schaden Deutschland“, sagte von Notz dem Handelsblatt. „Man sieht, dass es für unser Land sehr wichtig ist, sich gesamtgesellschaftlich und mit aller Kraft und Entschiedenheit dem Rassismus und der rechter Gewalt entgegenzustellen, ob sie nun in Ost- oder Westdeutschland auftritt.“

Erst vor zwei Wochen warnten auch die USA ihre Bürger vor Behinderungen bei der Ein- und Ausreise nach Deutschland wegen der Flüchtlingskrise. In einer Mitteilung der US-Botschaft in Berlin wurde darauf verwiesen, dass zusätzliche Kontrollpunkte errichtet und Grenzübergänge auch vorübergehend geschlossen werden könnten. Auf Straßen und Schienen sei auch kurzfristig eine Unterbrechung des Verkehrs möglich. „Dies könnte Verzögerungen und Unannehmlichkeiten für Reisende mit sich bringen, die Deutschland per Bus, Auto oder Zug betreten oder verlassen wollen.“ Die Botschaft empfahl deshalb, die Verkehrsnachrichten aufmerksam zu verfolgen und über Ausweichstrecken oder andere Transportmittel nachzudenken.

Die Warnung aus Kanada konkret für Ostdeutschland kommt nicht von ungefähr. Die ausländerfeindliche Pegida-Bewegung verzeichnet in Dresden in Sachsen weiter Zulauf. Kurz vor dem ersten Jahrestag ihrer Gründung Mitte Oktober brachten die selbst ernannten Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes am Montagabend nach Schätzungen von dpa-Reportern etwa 10.000 Menschen auf die Straße.

Studenten der TU Dresden, die seit Monaten die Teilnehmerzahlen auswerten und bei Twitter unter @durchgezaehlt veröffentlichen, kamen bei ihren Schätzungen auf bis zu 9.000 Menschen. Polizei und Stadtverwaltung geben keine Zahlen bekannt.

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196 Kommentare zu "Pegida und Flüchtlingsandrang: Kanada warnt vor Reisen nach Ostdeutschland"

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  • Die skandinavischen Länder, die Schweiz, sind dass für Sie in Bezug auf deren Bevölkerungszahlen und deren Sozialstandards und Rentenabsicherung alles „Entwicklungsländer“?
    Warum soll dass, was dort bestens funktioniert, hier scheitern?
    Ich verstehe Ihre Denkweise einfach nicht, tut mir leid!
    Ganz ehrlich Herr Albers, wenn ich mich umschaue, ist mir das jetzige Straßenbild schon multkulti genug, ich hätte gerne bedeutend weniger, nicht weil ich ausländerfeindlich eingestellt wäre, sondern weil ich einfach in meinem Land gerne unter weiteren Deutschen leben würde. Was ist daran falsch, in seinem eigenen Land unter (weniger) Landsleuten leben zu wollen, mit eigener gewachsener Kultur, Tradition und unserer deutschen Sprache. Wir sollten uns wieder auf kleinere Strukturen zurückbesinnen, warum nicht wieder zurückkehren zu Nationlstaaten?
    Wir lebten seit 1945 in Europa im tiefsten Frieden und dass ohne Eurowährung und EU, sondern mit der D-Mark und in einer EWG mit jeweiligen Auf -und Abwertungen der Landeswährungen. Was war an diesem System falsch? Warum wandelte man ein gut funktionierendes Konstrukt der Nationalstaaten und Währungen in eine chaotisches Europrojekt mit Einheitswährung um, welches sich nunmehr seit 8 Jahren kontinuierlich von Krise zu Krise hangelt, mit billionenschweren €uro-Summen und niemals realisierbaren Bürgschaftszusagen in seiner Noch-Existenz gehalten wird, obwohl es seit langem zum Scheitern verurteilt ist?


  • Typische Milchmädchenrechnung a la Albers: Bei uns kostet 1 Flüchtling über 100 Euro am Tag, das kostet 1 Flüchtling in der Türkei noch nicht einmal im Monat!

  • Hohe Humanität, vertiefte Ethik und umfassende Religiosität vereinigen sich in diesem neuen Menschen zu einem lebensbejahenden, sinnvollen Dasein.

    -> sieher Herr Albers - die Offenbahrung des neuen Menschen


    :-)

  • ".... wenn andere Länder mit schwächerer Leistungskraft, größere Lasten übernehmen."

    Beispiele bitte.

    Übrigens ist die von Ihnen genannte Zahl Geschichte. Wir sind längst bei 2,5 Mio. laut inoffizieller Zahlen der Bundespolizei.

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Ihre Behauptung ist so unwahr

    Richtig ist das Länder wie die Türkei Fläche für die Lager bereitstellen
    Den Rest übernimmt das UNHCR

    Hier bei uns sollen aber ganz andere Leistungen erbracht werden
    Realistisch betrachtet kostet hier jeder Zuwanderer ca 3-4 T€ pro Monat
    wenn sie alle Nebenleistungen und Verwaltungs- & Rechtskosten einrechnen.
    Es ist einfach Irrsinn

    Wenn sie das Vergleichen wollen ist das zwar möglich Mann kann alles vergleichen, allerdings suggerieren sie das diese Länder das gleiche Leisten und dem ist nicht so von daher ist ihr Beitrag hochgradig polemisch
    Gutmenschen Propaganda!

  • "Sie können faktisch nichts vernünftiges dagegen tun" - das ist ein Armutszeugnis! Sie stellen die Flüchtlingskatastrophe als unabwendbares Ereignis dar. Umso mehr stellt sich die Frage, ob wir tatsächlich die Kosten der Integration auf uns nehmen sollen.
    Übrigens: es sterben täglich Tausende Kinder an Hunger...

  • "Ist schon recht....aber da werden sie keine Analphabeten beschäftigen können."

    Dann bringen wir den Leuten lesen und schreiben bei... das kostet, ist aber billiger als nichts zu tun.

  • "Wer hat die Kinder und illegalen Einwanderer gerufen."

    Niemand. Das Problem ist: Sie sind da. Es ist genauso müßig über eine Sturmflut zu lamentieren, die hat auch keiner gerufen, trotzdem macht man das beste draus.

    Es gibt natürlich Leute die glauben, man könnte so was per Gesetz verbieten: Bringt aber erfahrungsgemäß nichts. Solche Sachen passieren eben.

  • USA und Russland bilden neue Allianz, EU will mehr Flüchtlinge aufnehmen
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    Die USA und Russland kooperieren in Syrien. Das bedeutet: Mehr Bomben auch gegen die Zivilbevölkerung. Die EU verspricht den Kriegsparteien, das Flüchtlingsproblem zu lösen. Danach werde die Welt ein besserer Ort sein.
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    Nach dem Treffen von US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin sprechen sich beide Länder im Syrien-Konflikt wie erwartet militärisch ab. Führende Kräfte im Verteidigungsministerium würden Unterredungen mit den Russen aufnehmen, sagte Sprecher Peter Cook am Dienstag in Washington. Ziel sei, Personal zu schützen sowie «Fehleinschätzungen» zu vermeiden. «Wir wollen nicht, dass ein Unfall passiert», sagte Cook. Auch wenn sich Cook auf Nachfragen bedeckt hielt, so stufen die meisten Beobachter die Entwicklung als Beginn einer projektbezogenen Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA ein.
    ---------------------------------------------------Meinung------------------------------------------------
    Aha. Die EU werde das Problem lösen, indem Deutschland freiwillig 800.000 Flüchtlinge und Polen zwangsweise 2.000 Flüchtlinge aufnimmt.

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