Pensionsfonds Spanien plündert sein Sparschwein

Um Löcher in der Rentenkasse zu stopfen, greift die spanische Regierung auf das Vermögen ihres Pensionsfonds zurück. Das könnte Folgen haben. Denn der Fonds ist ein wichtiger Käufer spanischer Staatsanleihen.
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Spanien schlachtet sein Sparschwein – und greift auf das Vermögen seines Pensionsfonds zurück. Quelle: dpa

Spanien schlachtet sein Sparschwein – und greift auf das Vermögen seines Pensionsfonds zurück.

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MadridDie hohe Arbeitslosigkeit kommt Spanien in vieler Hinsicht teuer zu stehen. Nicht nur muss der Staat den Arbeitslosen Hilfen zahlen. Auch das umlagefinanzierte Rentensystem leidet darunter, dass die Beitragszahler für die heutigen Rentner wegbrechen: Schon zum zweiten Mal in diesem Monat musste die Regierung den „Reservefonds der Sozialversicherung“ anbrechen, um den finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Pensionären nachkommen zu können. Schon am 1. Juli waren 3,5 Milliarden Euro aus dem Reservefonds entnommen worden, jetzt eine weitere Milliarde.

Das „Sparschwein des Pensionssystems“, wie der Fonds in Spanien genannt wird, wurde im Jahr 2000 eigens dafür geschaffen, um das Rentensystem robuster gegen Konjunkturzyklen zu machen. Seit damals zahlte der Staat die Überschüsse aus den Sozialbeiträgen in den Fonds ein, um in schlechten Zeiten wie diesen davon zu zehren. Während des Wirtschaftsbooms schwoll das Sparschwein von anfänglich 600 Millionen Euro auf 66 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an. 2011 rutschte das Sozialversicherungssystem erstmals ins Minus. Allerdings dürfen erst dann Mittel aus dem Sparschwein entnommen werden, wenn die Sozialversicherung drei Halbjahre hintereinander im Defizit ist. So hat die Regierung erst 2012 erstmals Mittel aus dem Reservefonds entnommen. Derzeit beläuft sich das Vermögen des Fonds noch auf knapp 60 Milliarden Euro, er ist damit einer der größten Pensionsfonds Europas.

Die Fondsmanager dürfen nur in Euro-Staatsanleihen mit guter Bonität (Investment-Grade) investieren, zu mindestens 55 Prozent müssen es spanische Bonds sein. Zuletzt waren sogar mehr als 97 Prozent in spanische Schuldtitel investiert. So war der Fondo de Reserva de la Seguridad Social zunächst ein Krisengewinnler, weil er von den exorbitanten Zinsaufschlägen profitierte, die Spanien für seine Anleihen auf dem Höhepunkt der Eurokrise zahlen musste.

Derzeit zahlt das spanische Schatzamt immerhin noch knapp fünf Prozent Zinsen für eine zehnjährige Anleihe. Doch die Zeiten, in denen der Reservefonds als wichtiger Anleihekäufer auftritt und von den hohen Renditen profitiert, scheinen ohnehin fürs erste vorbei. Die Arbeitslosigkeit von derzeit 27 Prozent wird mehrere Jahre brauchen, bis sie wieder auf ein erträgliches Niveau geschrumpft ist, verkünden die Konjunkturforscher unisono. Zudem sind viele ausländische Arbeitskräfte, die während des Booms nach Spanien kamen, mittlerweile abgewandert, und auch viele junge Spanier haben im Ausland einen Job gefunden.

Die spanische Regierung bereitet gerade eine Rentenreform vor, die das System durch einen Nachhaltigkeitsfaktor stützen soll. Der Nachhaltigkeitsfaktor soll eine automatische Anpassung der Renten und des Rentenalters an die demografische Entwicklung des Landes erlauben.

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32 Kommentare zu "Pensionsfonds: Spanien plündert sein Sparschwein"

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  • Ach ja, die Bundesregierung plündert übrigens ständig ihr als Nebenhaushalt betrachtetes "Sparschwein" namens Rentenversicherung: Die Nachhaltigkeitsrücklage (quasi ein Kapitalstock aus kurzfristigen Finanz- und Geldmarktanlagen) ist auf 0,2 bis 1,5 Monatsausgaben begrenzt. Sobald die 1,5 Monatsausgaben überschritten sind, kürzt der Bund munter seinen Bundeszuschuss für versicherunsfremde Leistungen und im Vorfeld von Bundestagswahlen wird der Beitragssatz gesenkt. Man könnte auch den Beitragssatz gleich lassen und stattdessen die Renten erhöhen sowie die massiven Niveausenkungen inkl. der Rente mit 67 rückgängig machen. Aber das geht ja nicht, weil es so im SGB VI steht. Fragt sich nur, warum die Regierung Kürzungen quasi im Jahrestakt ins SGB VI einbringen darf, Leistungserhöhungen jedoch unter Verweis auf ihre vorangegangenen Kürzungsorgien verweigert.

    Die Rentenversicherung braucht eine Organisations- und Finanzautonomie im Grundgesetz wie die Kirchen in Deutschland. Der Staat hat weder die Einnahmen/Ausgaben noch das Vermögen der Kirchen je angetastet und sie können selbst bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

  • Huch, das klingt aber fatal nach asset meltdown und explodierenden Zinskosten für die spanische Regierung. Ob sowas wohl auch der Bundesregierung droht, wenn ab 2030 unsere ach-so-tollen Riester- und betrieblichen Altersvorsorgefonds ihre Kapitalstöcke auflösen, um die Renten zu bezahlen? Und wer muss in 2030 die höheren staatlichen Zinsausgaben sowie die höheren Hypothekenzinsen womöglich mit Steuererhöhungen bezahlen - nicht etwa die dann arbeitende, junge Generation? Und wer zahlt mögliche Verstaatlichungen von Riesterversicherern, die in eine Schieflage geraten sind? (Stichwort: Soffin & co.)
    Soviel zum Thema Generationengerechtigkeit der kapitalgedeckten Altersvorsorge...

  • @women

    zum Thema Wohnimmobilien in Spanien:
    "Es wurde dann Spanien und da stellte ich fest, daß die Immobilienpreise durchaus dem Niveau deutscher Großstädte entspricht. Das trotz einer geplatzten Immobilienblase. Wunder."

    Das kann ich so nicht ganz stehen lassen. (aber gut dass sie es mal andiskutieren)!
    Für die Kanaren gilt das (2.500 - 3.000 € je m² Wohnfläche ETW).
    Eigene Recherchen ergaben aber für die Costa Blanca deutlich niedrigere Preise (zwar auch Riesenwohnblöcke/ mir aber erstmal egal).

    Madrid und Barcelona dürften wieder ähnlich teuer wie in Dtld. sein.

  • Nein, natürlich nicht, bin dumm geboren und habe nie etwas dazu gelernt.


  • Der kreditfinanzierte Importkonsumwelt bricht halt ab. Wie in Griechenland machen paar Läden zu. Mit Folgen. Die Bauwirtschaft als grosse Antriebsfeder einer wirtschaftlichen Monokultur wird sich , "Zahlenmaterial" hin oder her, nicht mehr erholen.
    Die Baubranche guckt mit all ihren verlorenen Arbeitsplätzen/Konsumenten erst mal dumm aus der Wäsch. Kreditgebende Banken ebenfalls.

    Die Plünderung eigener Pensionskassen ist die "ergreifende Meldung", nicht ihre nette Statistik. Nur ein Momentum.
    Die spanische Grippe steht unverändert aus. Holen Sie sich keinen Schnupfen.

  • Die EZB-Bankenhilfe (bisher wurden 39 Mrd von 100 Mrd abgerufen)hat nichts mit den Schnelltendern zu tun.Das Geld kommt aus dem ESM.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Die hohe Arbeitslosigkeit kommt Spanien in vieler Hinsicht teuer zu stehen. Nicht nur muss der Staat den Arbeitslosen Hilfen zahlen. Auch das umlagefinanzierte Rentensystem leidet darunter, dass die Beitragszahler für die heutigen Rentner wegbrechen:
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    Und so weiter und so fort.

    Anscheinend ist dem Handelsblatt entgangen, daß die Arbeitslosigkeit in Spanien SINKT:

    Reuters berichtet:
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    The dip in the jobless figures - to 26.3 percent in the second quarter from 27.2 percent in the first - nonetheless highlighted how far the country still needs to travel on the road to full recovery.
    ----------------------

    http://www.reuters.com/article/2013/07/25/us-spain-unemployment-idUSBRE96O06S20130725

    Natürlich ist der Arbeitsmarkt meistens ein folgender Indikator - erst wenn die Produktion schon angezogen hat werden Leute eingestellt.

    ...

    Und damit ist zu rechnen - die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Wirtschaft läßt sich an der Leistungsbilanz ablesen:

    Leistungsbilanz der jeweils letzten 12 Monaten Spanien:

    Mär 2011: -23 Mrd
    Jun 2011: -17 Mrd
    Sep 2011: -13 Mrd
    Dez 2011: -8 Mrd
    Mär 2012: -5 Mrd
    Jun 2012: -2 Mrd
    Sep 2012: +3 Mrd
    Dez 2012: +11 Mrd
    Mär 2013: +19 Mrd

  • @ HansBernd
    Zitat : Genau, Spanien ist genauso Pleite wie Deutschland. Verschuldung Spanien 88%, Deutschland 81%.

    - obwohl die Zahlen fast gleich sind, gibt es doch einen sehr gravierenden Unterschied zwischen den 2 Ländern.

    Kennen Sie den ?

  • @ Leser

    Bei den Grünen würde ich auch noch eine PÄDSOPHILEN-UNBEDENKLICHKEITS-BESCHEINIGUNG verlangen !

  • mehrmals jährlich aufgrund meiner Arbeit

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