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Persischer Golf Iran: Festgesetzter Tanker als Reaktion auf britische Aktion vor Gibraltar

Der Iran hat einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus festgesetzt. Nun gibt die Islamische Republik an, dass es sich um eine Gegenmaßnahme handelt.
Update: 20.07.2019 - 17:57 Uhr Kommentieren
Ein britischer Öltanker wurde von den iranischen Revolutionsgarden gestoppt. Quelle: dpa
Straße von Hormus

Ein britischer Öltanker wurde von den iranischen Revolutionsgarden gestoppt.

(Foto: dpa)

London/Teheran/Washington/Berlin An der Straße von Hormus droht die Konfrontation mit dem Iran gefährlich außer Kontrolle zu geraten. Als Reaktion auf die Beschlagnahme eines iranischen Schiffes im britischen Überseegebiet Gibraltar hat der Iran einen britischen Tanker festgesetzt. Der britische Außenminister Jeremy Hunt verurteilte den Schritt und drohte mit einer „überlegten, aber robusten“ Reaktion Londons. Deutschland und Frankreich mahnten zur Deeskalation an der wichtigen Schifffahrtsroute, über die ein Fünftel des globalen Rohölbedarfs transportiert wird.

Die britische „Stena Impero“ war am Freitag von bewaffneten Soldaten der Revolutionsgarde geentert und in einen nahe gelegenen Hafen gebracht worden. Ein Video der Eliteeinheit zeigte, wie maskierte Soldaten sich von einem Helikopter auf das Schiff abseilten. Die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt sagte dem Sender Sky News, zu dem Zeitpunkt habe sich der Tanker in omanischen Hoheitsgewässern befunden. Der Vorfall werde deshalb als „feindselige Handlung“ eingestuft.

Die Revolutionsgarde begründete den Schritt damit, dass die „Stena Impero“ ein iranisches Fischerboot gerammt und internationale Schifffahrtsgesetze missachtet habe.

Doch der einflussreiche Wächterrat machte später deutlich, dass es sich auch um eine Retourkutsche für den vor mehr als zwei Wochen festgesetzten iranischen Supertanker „Grace 1“ handelte. „Die Regel der Gegenseitigkeit ist im Völkerrecht bekannt“, sagte ein Sprecher des Gremiums am Samstag nach einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. Der Iran wehre sich auf diese Weise gegen einen „illegitimen Wirtschaftskrieg“ und die Beschlagnahme seiner Öltanker.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bekräftigte auf Twitter, dass die iranische Aktion der Wahrung von internationalen Schifffahrtsregeln gedient habe, warf den Briten aber gleichzeitig wegen der Festsetzung der „Grace 1“ am 4. Juli „Piraterie“ vor. Sarif rief die britische Regierung auf, sich nicht am „Wirtschaftsterrorismus“ der USA zu beteiligen – ein Verweis auf die harten Sanktionen Washingtons gegen Teheran.

Britische Marineinfanteristen hatten das iranische Schiff vor Gibraltar allerdings nicht wegen der US-Sanktionen geentert, sondern unter dem Verdacht, es transportiere iranisches Öl nach Syrien. Das wäre ein Verstoß gegen EU-Sanktionen, die gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad verhängt wurden. Am Freitag, nur wenige Stunden vor der Beschlagnahme der „Stena Impero“ im Golf, entschied das Oberste Gericht im britischen Überseegebiet dann, den iranischen Tanker vier weitere Wochen festzuhalten.

Die Stena Impero scheint nach Norden in Richtung Iran zu fahren. Foto: Marinetraffic.Com/Press Association Images/dpa Quelle: dpa
Karte der Webseite Marine Traffic

Die Stena Impero scheint nach Norden in Richtung Iran zu fahren.

Foto: Marinetraffic.Com/Press Association Images/dpa

(Foto: dpa)

Die Festsetzung des britischen Schiffes beschert dem Iran ein mögliches Faustpfand, um den eigenen Tanker freizubekommen. An Bord sind 23 Besatzungsmitglieder, 18 von ihnen aus Indien, der Rest aus Russland, Lettland und den Philippinen. Brite ist keiner darunter. Neben der „Stena Impero“ wurde am Freitag auch ein zweites Schiff kurzzeitig festgesetzt, durfte dann aber wieder weiterfahren. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete, die unter liberianischer Flagge fahrende „Mesdar“ sei ermahnt worden, Umweltschutzbestimmungen einzuhalten.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin erklärte am Samstag: „Die Bundesregierung verurteilt die Festsetzung von zwei Handelsschiffen im Golf auf das Schärfste. Dies ist ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die zivile Schifffahrt, der eine ohnehin angespannte Lage gefährlich weiter verschärft. Wir fordern den Iran nachdrücklich auf, auch das zweite Schiff und seine Besatzung unverzüglich freizugeben.“ Ähnlich äußerte sich auch das französische Außenministerium.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab unterdessen bekannt, Soldaten nach Saudi-Arabien, dem Erzfeind des Irans, zu verlegen. Nach Informationen von US-Medien geht es um bis zu 500 Soldaten. Die Verlegung dient nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom vom Freitagabend der Abschreckung. Saudi-Arabien hatte die Stationierung zuvor begrüßt. Trump will sich zudem eng mit der britischen Regierung abstimmen. „Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen“, sagte Trump am Freitag (Ortszeit) vor Journalisten.

Das Schiff lag am Samstag nahe dem Hafen von Bandar Abbas vor Anker, wie auf Bildern des iranischen Staatsfernsehens zu sehen war.

Der neue Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte zuletzt um 1,14 US-Dollar auf 63,07 Dollar zu.

Mehr: US-Präsident Trump behauptet, die US-Marine habe eine iranische Drohne abgeschossen. Doch der Iran widerspricht. Der Iran und die USA spielen mit dem Feuer.

Trump verkündet Zerstörung iranischer Drohne – Iran dementiert

  • dpa
  • ap
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