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Persischer Golf USA verstärken Drohungen gegen Iran – Entsendung von 120.000 Soldaten möglich

Das Pentagon erwägt, Truppen an den Persischen Golf zu verlegen. Die Drohung zeigt, wie viel Einfluss Hardliner in der US-Regierung genießen.
Update: 14.05.2019 - 18:02 Uhr 1 Kommentar
Spätestens seit die USA die Verlegung eines Flugzeugträgers und einer Bomberstaffel in den Persischen Golf bekanntgaben, wächst die Furcht vor einer militärischen Eskalation. Quelle: dpa
Flugzeugträger USS Abraham Lincoln

Spätestens seit die USA die Verlegung eines Flugzeugträgers und einer Bomberstaffel in den Persischen Golf bekanntgaben, wächst die Furcht vor einer militärischen Eskalation.

(Foto: dpa)

Washington Die USA bauen eine neue Drohkulisse gegenüber Teheran auf: Nach Berichten der „New York Times“ erwägt das Pentagon, bis zu 120.000 Soldaten in den Nahen Osten zu entsenden.

Dies gelte nicht nur im Fall einer iranischen Attacke auf das in der Region stationierte amerikanische Militär – sondern auch, falls der Iran „seine Arbeit an Atomwaffen beschleunigen“ sollte. Teheran hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich aus dem internationalen Nuklearpakt JCPOA zurückziehen zu wollen.

US-Präsident Donald Trump hat den Bericht inzwischen dementiert. Sollten die USA gegen den Iran in den Krieg ziehen, würden sie „verdammt viel mehr Soldaten“ schicken als 120 000, erklärte er. Auch US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Dienstag nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, die USA strebten keinen Krieg mit dem Iran an.

Tatsächlich würde eine solche Truppenverlegung eine Abkehr von Trumps bisheriger Strategie darstellen, die USA militärisch aus den Brandherden des Nahen Ostens – etwa in Afghanistan und Syrien – abziehen zu wollen. Schon unter der Regierung seines Vorgängers Barack Obama begann der Rückzug der US-Truppen aus dem Irak.

Im Dezember kündigte Trump an, auch das Engagement in Syrien deutlich einschränken zu wollen – doch die Spannungen zwischen Washington und Teheran verstärkten sich zuletzt. Spätestens seit die USA die Verlegung eines Flugzeugträgers und einer Bomberstaffel in den Persischen Golf bekanntgaben, wächst in Washington die Furcht vor einer militärischen Eskalation.

Eine Truppenverlegung in der vom Pentagon erwogenen Größe wäre rein zahlenmäßig vergleichbar mit dem Beginn des US-Einmarsches in den Irak 2003, schrieb die „New York Times“. Ob Trump persönlich in die Pläne involviert sein könnte, ließ der Bericht offen. Doch allein, dass solche Gedankenspiele in der US-Regierung kursieren, zeigt, wie rasant die Iran-Hardliner in der US-Regierung an Einfluss gewinnen.

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Trumps Sicherheitsberater John Bolton, der für die Truppenpläne im Pentagon teilweise verantwortlich sein soll, hat einen Regimewechsel in Teheran gefordert. Sein Vorgänger HR McMaster war gemäßigter in der Iran-Frage, doch er wurde von Trump gefeuert. Und das Verteidigungsministerium wurde in den vergangenen vier Monaten nur kommissarisch geführt, was dem Weißen Haus mehr Spielraum gab, öffentlich radikal aufzutreten.

Der designierte Verteidigungsminister Patrick Shanahan, der vor seinem Amtsantritt 30 Jahre lang in mehreren Führungspositionen für den Flugzeugbauer Boeing gearbeitet hat, hat nicht den Nahen Osten, sondern die Rivalität mit China zur obersten Priorität erklärt. Doch öffentlich stützt er den aggressiven Anti-Iran-Kurs von Trump und US-Außenminister Pompeo.

Pompeo erinnert an Militärschlag gegen Syrien

Das Weiße Haus wirft Teheran vor, es plane konkrete Angriffe auf US-Truppen und andere Verbündete in der Region, unter anderem als Vergeltung für die Iran-Sanktionen. Die US-Regierung spricht von „unmittelbar bevorstehenden“ und „sehr spezifischen“ Angriffsplänen, die „in naher Zukunft“ ausgeführt werden sollten.

Außenminister Pompeo legte am Dienstag in einem Interview mit dem Sender CNBC nach und zog Parallelen zu Trumps Militärschlag gegen Syrien – der Präsident hatte im vergangenen Jahr auf Giftgasattacken des Assad-Regimes reagiert.

„Sie haben doch gesehen, wie entschlossen der Präsident war, als Assad chemische Waffen einsetzte, oder? Wir haben eine rote Linie gezogen, und Präsident Trump hat entsprechend reagiert. Ebenso werden wir die Verantwortlichen für einen Angriff einer iranisch geführten Truppe auf amerikanische Interessen zur Rechenschaft ziehen“, so Pompeo.

Trump hatte am Montag bei einer Veranstaltung im Weißen Haus gedroht, der Iran „werde nicht glücklich sein. Wenn sie etwas anstellen, werden sie sehr leiden.“

Irans Einfluss schmälern

Die Trump-Regierung hat es sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, Irans Einfluss in der Region zurückzudrängen. Doch die Häufigkeit und Intensität der gegenseitigen Drohungen haben in den vergangenen Wochen eine neue Stufe erreicht. Ein Jahr nachdem Trump die USA aus dem Internationalen Nuklearabkommen JCPOA abgezogen und schmerzhafte Sanktionen verhängt hat, ist die Lage angespannter denn je.

Die Situation könnte rasch außer Kontrolle geraten, sollte der Iran etwa die Ölinfrastruktur von Nachbarländern oder Stützpunkte von US-Soldaten attackieren. „Der Iran glaubt wohl, die USA werden aus Angst vor internationaler Kritik nicht mit Nachdruck antworten. Das Regime liegt damit gefährlich falsch und sollte noch einmal nachdenken, bevor es zu spät ist“, twitterte der republikanische Abgeordnete Marco Rubio.

Beobachter betrachten Angriffe auf zwei Öltanker Saudi-Arabiens mit Sorge. Die USA sind an der Untersuchung des Vorfalls beteiligt. Sollte sich herausstellen, dass der Iran etwas damit zu tun hat, könnte das Anlass für eine Zuspitzung liefern.

Pompeo traf sich am Montag in Brüssel mit europäischen Vertretern, um über den Vorfall und die Bedrohung aus dem Iran zu sprechen. Pompeos Besuch fand überraschend statt, er reiste für seinen Zwischenstopp in Brüssel später als geplant nach Moskau.

In Washington wird auch misstrauisch beobachtet, auf welche geheimdienstliche Grundlage sich die Vorwürfe gegen Teheran stützen. Immer wieder betont die Trump-Regierung, man sehe eine „neue Bedrohung aus dem Iran“ – allerdings bleibt sie Details schuldig, was Erinnerungen an fehlerhafte Informationen weckt, die zum Irak-Krieg führten.

Seit Wochen überbieten sich Washington und Teheran mit Drohungen. Im April hatte die US-Regierung die iranischen Revolutionsgarden, eine Eliteeinheit des Militärs, als Terrororganisation eingestuft und damit auf eine Stufe mit dem Islamischen Staat, Boko Haram oder der Hamas gestellt. Irans Präsident erklärte daraufhin alle amerikanischen Truppen im Nahen Osten zu Terroristen und bezeichnete die US-Regierung als „staatlichen Sponsor des Terrorismus“.

Pompeo hatte in der vergangenen Woche spontan seine Reise nach Deutschland abgesagt, um stattdessen in den Irak zu fliegen. Der Kurztrip sollte dem Irak, Jordanien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emirate und anderen arabischen Golfstaaten versichern, dass die USA an ihrer Seite stünden – und gleichzeitig ein Signal der Abschreckung in Richtung Teheran senden.

„Ich hoffe, die Iraner werden jetzt zweimal über den Angriff auf amerikanische Interessen nachdenken“, drohte Pompeo auf dem Rückweg aus Bagdad.
Mit Material von AP und Reuters

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1 Kommentar zu "Persischer Golf: USA verstärken Drohungen gegen Iran – Entsendung von 120.000 Soldaten möglich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Einen Landkrieg gegen den Iran wuerden die USA verlieren. Was sie tun koennen ist angebliche Anlagen zur Anreicherung von Uran bombardieren. Kommt nix dabei raus. Der
    Iran kann das nicht verhindern, aber es tut ihm auch nicht sehr weh. Wozu die 120.000
    Soldaten dienen koennten, erschliesst sich mir nicht.

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