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Plastikabfall Indonesien macht dicht: Deutsche Müllindustrie bekommt tonnenweise Abfall zurück

Deutschland exportiert tonnenweise teils falsch etikettierte Abfälle ins Ausland, darunter auch immer wieder giftigen Müll. Nicht nur Indonesien will sich dagegen wehren.
Update: 04.07.2019 - 13:42 Uhr 3 Kommentare
Recycling: Indonesien schickt Müll zurück nach Deutschland Quelle: dpa
Plastikmüll in Indonesien

In den Containern mit Plastikmüll finden Zollbeamte immer wieder giftige Abfälle statt nur wiederverwendbare Wertstoffe.

(Foto: dpa)

Bangkok Die unerwünschte Lieferung erreicht Indonesien in Dutzenden Schiffscontainern am Hafen der Insel Batam, nur 20 Kilometer entfernt von der benachbarten Finanzmetropole Singapur. Laut den Importdokumenten sollte es sich eigentlich um sauberen Plastikschrott handeln, der sich in Recyclinganlagen relativ einfach zu neuen Kunststoffen verarbeiten lässt.

Doch was die indonesischen Zollbeamten stattdessen vorfinden, hat mit der Beschreibung wenig zu tun: Von 65 Containern waren nur 16 nicht zu beanstanden. In 38 fanden die Behörden giftige Abfälle. Elf weitere enthielten Müll anstatt wie angegeben wiederverwendbare Wertstoffe.

Die Abfälle, die dem südostasiatischen Schwellenland offenbar untergeschoben werden sollten, stammen nach den Angaben der indonesischen Behörden auch aus Deutschland. Die Beamten wollen gegen die illegalen Müllgeschäfte hart vorgehen. Sie haben diese Woche angeordnet, die Abfalllieferungen wieder in ihre Ursprungsländer zurückzuschicken.

Kurz zuvor hatte das Umweltministerium des Landes mitgeteilt, fünf Container zurück in die USA zu senden. Sie enthielten nicht wie auf den Importpapieren angegebenen Papierschnipsel, sondern Windeln, Stoffe, Holz und große Mengen an Schuhen.

„Zurück an den Absender“ lautet gerade in mehreren Ländern der Region die Strategie, um auf die unter falschen Angaben eingeführten Abfälle aus dem Westen zu reagieren. Die Philippinen schickten vor einem Monat 1500 Tonnen Müll in 69 Schiffscontainern auf die Rückreise nach Kanada.

Auch in diesem Fall war die Lieferung als wiederverwendbares Plastik deklariert, enthielt aber stattdessen unsortierten Hausmüll. Malaysias Regierung kündigte im Mai an, 3000 Tonnen an nicht recycelbarem Plastikmüll in die Herkunftsländer USA, Großbritannien, Kanada und Australien zu verschiffen.

Chinas Importstopp für Müll von 2017 hat jetzt Folgen

Mit fragwürdigen Müllexporten aus den Industrieländern hatte bis vor kurzem vor allem China zu kämpfen. Das Land war lange der weltgrößte Importeur von Plastikabfällen. Angesichts von Umweltskandalen beschloss die Regierung in Peking 2017 einen Importstopp. Dass sich zwischen den wirklich wiederverwendbaren Plastikteilen auch regelmäßig unerlaubt eingeführter Müll befand, war ein Grund für die Entscheidung.

Abfallexportländer suchten sich in der Folge neue Abnehmer. Auch Deutschland musste sich umorientieren. Die Bundesrepublik exportiert nach Angaben der Umweltorganisation Nabu pro Jahr eine Million Tonnen Plastikabfälle ins Ausland – ein Sechstel des gesamten Plastikabfalls, der in Deutschland anfällt.

„Für die deutsche Industrie ist das kein Drama, dadurch werden die Preise nicht steigen“, meint Kerstin Kuchta, Vizepräsidentin der TU Hamburg. Die Expertin für Abfallressourcenwirtschaft sieht die Exportbeschränkungen eher als Segen. „Das bringt Druck auf die Unternehmen, etwas zu verändern, auch was das Produktdesign von Verpackungen betrifft“, glaubt Kuchta. Denn fast 50 Prozent aller Verpackungen seien hierzulande nicht recycelbar, weil sie aus mehreren Stoffen bestehen, die sich schwer voneinander trennen lassen.

Wegen der neuen Importverbote werden die Ausfuhren deutlich sinken, auf etwa 300 000 Tonnen, rechnet Kuchta vor. In den vergangenen Monaten stoppten immer mehr Länder den Import, darunter China, Indien und Malaysia. Der meiste Plastikabfall bleibt daher zwangsweise in Deutschland, drei bis vier Millionen Tonnen wandern in die Thermik: in Zementanlagen, die Müllverbrennung oder zur Co-Feuerung von Kraftwerken.

„Bei uns landet kein Plastikmüll auf der Deponie oder im Meer“, sagt Kuchta. Trotzdem werde viel zu wenig Plastikmüll wieder recycelt. Langsam würden die Unternehmen zwar ihre Kapazitäten erhöhen, aber noch passiere das viel zu langsam, die technische Entwicklung komme nicht hinterher.

Chinas Importstopp für Müll von 2017 hat jetzt Folgen

Während China davon 2017 noch ein Drittel des deutschen Mülls abnahm, ging im vergangenen Jahr nur noch ein Prozent der Exporte in das Land. Stattdessen sind nun die Staaten im Süden Asiens die größten Empfänger geworden: Auf Malaysia, Indien, Indonesien und Vietnam entfielen im vergangenen Jahr 31 Prozent der deutschen Plastikmüllausfuhren.

„Traurigerweise ist Südostasien seit dem Importverbot in China zum Hauptempfänger für Müllentsorgung aus dem Ausland geworden“, beklagt Lea Guerrero, Länderchefin der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den Philippinen.

„Plastik und Elektronikschrott gelangt über Schlupflöcher in den Regularien in die Region – angeblich, um Rohstoffe zu recyceln und wiederzugewinnen“, sagt sie. „Tatsächlich landet ein großer Teil des importierten Mülls aber auf Deponien oder wird illegal verbrannt – und wird so zur Gefahr für Menschen und Umwelt.“

Umweltschützer hatten die Regierungschefs der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean aufgefordert, bei ihrem Gipfeltreffen in Bangkok Ende Juni Chinas Beispiel zu folgen und ebenfalls ein Importverbot für Plastikabfälle zu verhängen. Die Ländergruppe einigte sich aber lediglich auf eine Erklärung, künftig stärker Plastikabfälle in ihren Meeren zu bekämpfen.

Industrievertreter hatten zuvor vor einem pauschalen Importstopp gewarnt: Dieser würde legitime Firmen, deren Angestellte und Familienangehörige bestrafen, teilte die Vereinigung der Plastik-Recycler MPRA in Malaysia mit.

Die bisherigen Müllexporteure versprechen unterdessen ihrerseits Besserung: Im Mai beschlossen die Vertragsstaaten des Basler Übereinkommens, zu denen Deutschland gehört, schärfere Regeln für den Export von Plastikabfällen. Sie sollen künftig nur noch dann frei gehandelt werden dürfen, wenn sie gereinigt, sortiert und recycelbar sind. Ansonsten ist eine Zustimmung der Behörden nötig.

Die EU will zudem ab 2021 den Export schlecht recycelbarer Abfälle in Entwicklungsländer komplett untersagen. Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte die Entscheidung. Angesichts der tonnenweise falsch deklarierten Müllberge, die in Südostasien ankommen, zeigt sich die Organisation aber vorsichtig in ihrer Bewertung: „Der Erfolg der beschlossenen Exportbeschränkungen hängt von konsequenten Kontrollen ab.“

Mehr: Europa feiert sich für das Verbot von Trinkhalmen und Plastikgabeln. Doch die Recyclingbranche fordert gegen die drohende Müllkatastrophe ganz andere Gesetze.

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3 Kommentare zu "Plastikabfall: Indonesien macht dicht: Deutsche Müllindustrie bekommt tonnenweise Abfall zurück"

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  • Dieser Müllexport der westlichen Industrieländer in die zweite und dritte Welt ist ein Schande. Möchte nicht wissen wie viel davon illegal ins Meer entsorgt wurde und wird. Der so oft gefeierte Freihandel (gerade erst das Abkommen der EU mit dem größten Teil Südamerikas) zeigt so oft eine schreckliche, hässliche Fratze.
    Auch dieser Mosaikstein des Müllhandels zeigt eines auf: Dieses gegenwärtige System des Wirtschaftens trägt den Todeskeim in sich - das Ende ist nicht mehr weit weg.
    Was machen wir aus unserer ehemals wunderschönen Erde: Eine Räuberhöhle mit Müllhalde!
    All die Konferenzen und Tagungen der Mächtigen und Klugseinwollenden ändern nicht nur nichts - sondern verstärken mit der Vielfliegerei und dem Kerosinverbrauch diese triste Situation.

  • Journalisten bitte genauer: Nicht Deutschland exportiert, sondern aus Deutschland wird exportiert.

  • Das sollten alle Empfängerländer so praktizieren. Vielleicht kommen wir dann zur Besinnung!!