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Politik Russland zensiert ukrainische Comedyserie mit Selenski

Erst geschnitten, dann abgesetzt: In Russland ist ein Witz über Wladimir Putin aus dem laufenden Programm verschwunden – und die Serie gleich mit.
14.12.2019 - 10:17 Uhr Kommentieren
Der russische Präsident muss in der Serie für einen nicht jugendfreien Wortwitz herhalten. Quelle: AP
Wladimir Putin

Der russische Präsident muss in der Serie für einen nicht jugendfreien Wortwitz herhalten.

(Foto: AP)

Moskau Das Experiment ist kläglich gescheitert: Der zu Gazprom gehörende russische Unterhaltungssender TNT setzte nach dem Normandie-Gipfel in Paris auf politisches Tauwetter und hat die ukrainische Comedyserie „Diener des Volkes“ ins Programm genommen.

In der Serie wird ein Geschichtslehrer Präsident der Ukraine und kämpft fortan gegen die Korruption. Pikant: Der Hauptdarsteller der Serie, der Komiker Wolodimir Selenski ist mit diesen Versprechen inzwischen tatsächlich zum ukrainischen Präsidenten gewählt worden.

Bei den russischen Zuschauern kam die Comedy gemäß Einschaltquoten sehr gut an. Im Kreml allerdings nicht. Musste doch Wladimir Putin als Objekt für einen nicht jugendfreien Wortwitz herhalten: In einer Szene wird dem frisch ins Amt eingeführten ukrainischen Präsidenten von seinem korrupten Premierminister eine Reihe von Luxusuhren angeboten, zwischen denen er sich entscheiden soll. Unter anderem wird er mit einer Schweizer Hublot konfrontiert, die laut Dialog angeblich auch der russische Präsident Wladimir Putin trägt.

„Putin Chublo?“, fragt Selenski darauf – und auch wenn vordergründig mit „Chublo“ die Uhrenmarke Hublot gemeint ist, so ließ die lautliche Nähe zum Schimpfwort „Schwanz“ russischen Zuschauern und Beamten die Ohren klingeln. Das Wort erinnert sehr stark an den Schmähgesang ukrainischer Demonstranten vor der russischen Botschaft in Kiew während der Donbass-Krise. Das führte schon damals zu einem diplomatischen Skandal.

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    Die TV-Macher blendeten die Szene eilig heraus, aber wegen der Zeitverschiebung sahen zumindest die Zuschauer in Russlands fernem Osten die Zote. Die Reaktion erfolgte sofort: Nach nur einer Folge wird die Serie wieder abgesetzt. Das ist kein Wunder, ist doch Majestätsbeleidigung – und generell die Beleidigung der Obrigkeit – seit diesem Jahr in Russland wieder strafbar.

    Der Kreml dementiert – alles

    Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte natürlich jede Beteiligung der Administration an dem Skandal: „Das Thema hat mit der Präsidialverwaltung nichts zu tun, wir haben kein Recht, uns in die Redaktionspolitik einzumischen. Was sie zeigen und in welchem Format hat nichts mit uns zu tun und ist keine Frage an uns“, schmetterte er die Fragen der Journalisten ab.

    Genauso wenig hatte der Kreml, so der Kreml, in der Vergangenheit mit der Übernahme aller großen Fernsehsender und Zeitungen in Russland durch kremlnahe Akteure zu tun; mit der Enteignung von Yukos und der Inhaftierung Michail Chodorkowskis, mit der Krise im Donbass oder der Skripal-Affäre. Das sind im Moskauer Kanon alles keine Fragen, die Putin gestellt werden bräuchten.

    Und schon gar kein Anlass, über ihn zu scherzen. Wenn, dann scherzt der Kremlchef selbst. Über die Beschneidung aufmüpfiger Journalisten, „so dass nichts mehr nachwächst“, über die Gerüchte zu seinem Reichtum, die „aus der Nase gepopelt und aufs Papier geschmiert“ worden seien, oder zum Beispiel, als Larry King ihn anno 2000 fragte, was mit dem Atom-U-Boot „Kursk“ geschehen sei. „Sie ist untergegangen“, antwortete der Kremlchef mit einem feinen Lächeln.

    Mehr: Vor zwei Jahrzehnten kam Wladimir Putin in Russland an die Macht. Seitdem führt er das Land mit großen Ambitionen. Die Bevölkerung muss dafür einen hohen Preis zahlen.

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