Präsident Hollande „Frankreich ist in einer sehr ernsten Lage“

In der ersten Pressekonferenz seiner Amtszeit rechtfertigt der französische Staatspräsident seine Politik - bleibt aber neue Initiativen schuldig. Frankreichs finanzielle Lage spitzt sich zu.
15 Kommentare
Frankreichs Präsident Francois Hollande. Quelle: AFP

Frankreichs Präsident Francois Hollande.

(Foto: AFP)

ParisGut zwei Stunden stand Francois Hollande bereits vor den im Elysée-Palast versammelten Journalisten, da machte er eine überraschende Ankündigung. Sie betraf allerdings die Außenpolitik und nicht die Wirtschaft, wie man erwartet hatte: Die französische Republik erkennt die syrische Opposition als einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes an. Die Frage von Waffenlieferungen an die bewaffneten Gegner des Diktators Baschar al Assad, die Frankreich bislang abgelehnt hatte, stelle sich damit völlig neu, präzisierte Hollande. Befreite Zonen müssten von der Uno geschützt werden. Kurz vor dem Ende seiner Pressekonferenz machte Hollande damit die wichtigste Ankündigung dieses ersten Auftrittes seit seinem Amtsantritt im Mai.

Wer auf mehr Klarheit im Hinblick auf seine Wirtschaftspolitik der nächsten Monate gehofft hatte, wurde enttäuscht: Der selbstsicher wirkende Präsident wiederholte, erläuterte, begründete und verteidigte die Regierungsinitiativen der vergangenen sechs Monate. Zusätzliche Erkenntnisse über den Kurs, dem er folgen will, gab es nicht – weder mit Blick auf die Defizitminderung noch auf wachstumsfördernde Strukturreformen.

Dabei mangelte es nicht an Pathos. „Es gibt Momente im Leben einer Nation, in denen etwas gelingt oder scheitert.“ sagte er mit Blick auf die laufenden Verhandlungen der Sozialpartner über die Reform des Arbeitsmarktes. „Ich rufe Gewerkschaften und Arbeitgeber auf, einen historischen Kompromiss zu schließen“, fügte er hinzu, und drohte ihnen gar: „andernfalls entscheidet der Gesetzgeber.“ Wie weit die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes aber gehen soll, ob es um Arbeitszeit, die Art der Lohnfindung oder den Kündigungsschutz geht – das blieb offen. Dabei legte Hollande selber die Latte sehr hoch: „Diese Verhandlungen sind die wichtigsten seit Jahren,“ stellte er fest. Und sein Urteil über den Zustand Frankreich fällt düster aus: „Das Land ist in einer sehr ernsten Lage.“

Das sehen viele Ökonomen genauso. „Die Anleger werden nicht mehr lange die strukturellen Probleme Frankreichs ignorieren können, umso weniger, da andere Länder wie Spanien und Italien ihre Schwächen korrigieren und die Asymmetrie zwischen Frankreich und dem Rest der Euro-Zone immer klarer wird“, schrieb Patrick Artus, Chefvolkswirt der Investmentbank Natixis und Berater der Regierung in einer aktuellen Studie. 160 Milliarden Euro muss Frankreich im nächsten Jahr an den Anleihemärkten aufnehmen. Verlangen die Anleger auch nur wenige Zehntelpunkte mehr für ihr Geld, bedeutet das eine zusätzliche Milliardenlast für den Staatshaushalt.

Doch Hollande zieht andere Schlussfolgerungen als die Wirtschaftsexperten. Er bleibt bei seinem Tempo. Und das bedeutet: Erst einmal erklären, was bislang beschlossen wurde, hoffen, dass es ausreicht, um die Wirtschaft zu beleben. Der Staat müsse reformiert werden, diese Vorgabe machte der Präsident, damit er künftig „mit weniger Geld auskommt und trotzdem besser arbeitet.“ Doch auf Nachfragen hin, wo denn gekürzt werde, blieb er vage.

Viele Fragezeichen bleiben
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

15 Kommentare zu "Präsident Hollande: „Frankreich ist in einer sehr ernsten Lage“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man kombiniere:

    "Frankreichs finanzielle Lage spitzt sich zu."

    +

    "Die französische Republik erkennt die syrische Opposition als einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes an."

    +

    "...Syrien, im Herzen der kolossalsten Gasreserven des Planeten liegend.."

    +

    "Der heutige Anspruch Frankreichs folgt einer langen Phase strategischer Abwesenheit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit anderen Worten: Frankreich will eine Rolle in der Welt (der Gasversorgung) spielen, in der es in gewisser Weise seine «Krankenversicherung» in Libyen erworben hat und nun eine «Lebensversicherung» in Syrien und Libanon erwerben will."

    Quellen:

    Handelsblatt.com

    bzw.

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=882

  • Nix könne wir tun....

    Meist sieht man ja den Wald vor Bäumen nicht. Will heißen, die eigentliche Ursache für den ganze Zinnober nämlich unser exponentielles Zinseszinssystem wird überhaupt nicht oder nur rudimentär diskutiert.

    Nimmt man aber einmal an, dass wie Herr Seehofer einmal freimütig bekannte, die echten Größen das Sagen haben und damit meine ich nicht Frau Dr. Bunzelkanzlerin, sondern diejenigen die schon seit Jahrhunderten von diesem System profitieren, macht alles irgendwie Sinn.

    Diese Leute müssen und werden dafür sorgen, dass das System nachdem unausweichlichen, mathematisch, sicheren Crash wieder sauber neu gestartet wird.

    Das heißt aber auch, dass alle Länder annähernd gleiche Starbedingungen bekommen müssen. Also DE erst einmal über den Euro ausgeplündert oder in eine neuen Krieg verwickelt werden muss.
    Einfach die DM wieder einführen, bei der jetzt schon vorhanden Vormachstellung kommt nicht so gut.

    "Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mitverdienen konnte."
    Winston Churchill

    Wie war das? „Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen.“
    Bertolt Brecht

    Also die Griechen sind m. M. nach ganz arme Sündenböcke in diesem Spielchen.
    Und eine Frau Merkel oder ein Herr Schäuble möchten auch nicht enden wie Herr Kennedy.

    Deshalb werden die Dinge ihren vorbestimmten Lauf nehmen. Man kann sich nur drauf vorbereiten, so gut es eben geht.

  • Politik ist wie Autofahren. Wer nicht von Anfang an in die Kurve einlenkt und am Innenrand bleibt, treibt nach außen. Eine Zeitlang geht's noch gut mit heftigen Lenkausschlägen. Aber dann kippt der Wagen einfach in den Graben.
    Gute Reise!

  • ... UND? WAS können wir tun, als nur irgendwelche Kommentare abgeben? Hilft j a alles nichts? Man fühlt sich nur noch hilflos!!!!

  • Es ist unglaublich wie ähnlich Hollande, Merkel und Schäuble sind. Sie alle können stundenlang reden ohne irgend Etwas zu sagen. Mehr als Sprechblasen und hohle Phrasen bringen sie aber nicht zustande.

  • Die wichtigste Botschaft: Die Volksverarschung bleibt - keine Bildungsreformm, keine politische Dezentralisierung, keine wirtschaftliche Strukturreform, keine Privatisierung der französischen Staatsbetriebe.

    Die DDR des Euros ist Frankreich, 56% Staatsanteil am BIP und dann allen Mehrwert nach Paris schaffen, um sich dann und damit in der Isle de France der Illusion großer Gefühle hinzugeben...also frei nach Honecker:

    "Den Französischen Staats-Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf."

  • Hollandes erste Pressekonferenz war rhetorisch und stilistisch beeindruckend.Inhaltlich blieben jedoch einige Fragezeichen.Immerhin hat der Präsident öffentlich eingestanden, dass die Lage der französischen Wirtschaft "grave" ist und gezielt gegengesteuert werden muss. Hollande mahnt einem gemeinsamen Kraftakt an,um den weiteren Niedergang Frankreichs aufzuhalten.Die französische Politik hat offenbar erkannt, dass ohne tiefgreifende Massnahmen das Land immer weiter zurückfällt.Es fragt sich allerdings, ob die verkündeten Massnahmen ausreichen und auch nicht viel zu spät umgesetzt werden

  • Das kommt jetzt alles nach und nach ans Tageslicht.

    Griechenland, Italien, Portugal, Zypern, Irland, Slowenien Spanien, Frankreich - alles Pleitekandidaten.

    Warum wohl wollten die alle den Euro? Warum wohl haben die gelogen und betrogen? Warum wollen sie mit Macht den Euro aufrechtherhalten?

    Und freudig wird der Euro weiterhin für irgendwelche osteuropäischen Staaten eingeführt.

    Welch ein Irrsinn. Diesen Pleitestaaten kann es gar nicht schnell genug gehen, den Euro als Währung zu erhaschen und sich dann unter Rettungsschirme zu stellen und Dauerhilfen abzukassieren.

    Alles zu einem Selbstbedienungsladen verkommen, in dem Korruption, Lug und Betrug zum Tagesgeschäft gehört.

    Der Euro hat nichts mit Gemeinschaft zu tun. Nichts mit Völkerverständigung. Nichts mit Gerechtigkeit.

    Ein wahnsinniges politisches Projekt, was dem Bürger als Friedensprojekt verkauft wird. An Dreistigkeit und Schamlosigkeit nicht mehr zu überbieten.

    Und wer einmal diesen Irrsinn durchschaut und darauf aufmerksam macht, bekommt den Maulkorb auf, verpasst vom System oder den verseuchten Mitläufern des Systems auf der Straße.

    Denn für diese blindwütigen Geiferer ist man dann der intolerante Rassist und gewissenlose Egoist.

    Wer da nicht irgendwann am Rad dreht, ist bereits tot.





  • O-Ton Hollande
    ------------------
    Die französische Republik erkennt die syrische Opposition als einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes an. Die Frage von Waffenlieferungen an die bewaffneten Gegner des Diktators Baschar al Assad, die Frankreich bislang abgelehnt hatte, stelle sich damit völlig neu, präzisierte Hollande.
    ------------------

    Die verbrecherische Außenpolitik Hollandes ist eben sein verzweifelter Versuch von seiner vollkommenen wirtschaftsplolitischen Ratlosigkeit anzulenken.

    Man kann nur hoffen daß nicht allzuviele Franzosen auf diesen Clown hereinfallen und ihn alsbald in die Wüste schicken.

  • Merkel: Wir gehen durch eine sehr ernste Zeit in Europa ++ Europa muss das Vertrauen in seine finanzielle Solidität zurückgewinnen ++ Deutschland kann sich nicht allein ein starkes Wirtschaftswachstum erarbeiten
    vor 19 Min (21:26) - Echtzeitnachricht


    Hollande fordert mehr Unterstützung von Deutschland: Die Deutschen müssten ihre Solidarität mit Frankreich unter Beweis stellen
    20:23 - Echtzeitnachricht


    Ackermann im Bayern TV:

    Es wird eher bis 2030 dauern, bis Griechenland seine Wettbewerbsfähigket erreicht hat.

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%