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Präsident Jin Liqun Asiatische Entwicklungsbank AIIB will Geschäfte in Europa ausbauen

Der Präsident der umstrittenen Entwicklungsbank AIIB verteidigt ihr Engagement in Europa. Eine zu große Nähe zu Chinas Seidenstraßeninitiative weist Jin zurück.
01.07.2019 - 15:54 Uhr Kommentieren
AIIB will Infrastrukturprojekte in Südeuropa finanzieren Quelle: AP
Chinesische Seidenstraße

In solche und ähnliche Infrastrukturprojekte möchte die Entwicklungsbank zunehmend investieren.

(Foto: AP)

Bangkok Die wegen ihrer Nähe zur chinesischen Regierung umstrittene Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) will ihre Geschäfte in Europa ausbauen. „Mehrere europäische Länder stehen vor großen Herausforderungen“, sagte AIIB-Präsident Jin Liqun im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich hoffe, dass wir künftig einige von ihnen unterstützen können.“ Ihm zufolge seien südeuropäische Länder wie Griechenland und Portugal ins Gespräch gebracht worden. 

Die 2016 gegründete AIIB soll nach dem Willen der Regierungen in Rom und Peking auch chinesische Seidenstraßenprojekte in Italien finanzieren. Die im März getroffene Vereinbarung ist umstritten. Kritiker werfen China vor, sich Einfluss in Europa zu kaufen. China ist der größte Anteilseigner der AIIB, an der auch Deutschland beteiligt ist. Jin weist die Kritik zurück: „Italien ist nicht das einzige Land in Europa, das mit China zusammenarbeiten möchte.“

Die AIIB wird am 12. und 13. Juli in Luxemburg zum ersten Mal ihr Jahrestreffen in Europa abhalten. Die AIIB habe von Anfang an viel Unterstützung aus Europa bekommen, sagte Jin. Länder wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien spielten als Gründungsmitglieder eine wichtige Rolle.

„Dass unser Jahrestreffen jetzt erstmals in Europa stattfindet, ist für uns deshalb sehr wichtig. Es macht es uns leichter, europäische Regierungen, Investoren und Unternehmen zu erreichen“, sagte Jin. „Wir werden die Gelegenheit nutzen, um besser darzulegen, wie wichtig eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien ist.“

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    Lesen Sie hier das gesamte Interview:

    Präsident Jin, Sie halten Mitte Juli das erste Jahrestreffen Ihrer Bank in Europa ab – in Luxemburg. Warum ausgerechnet in Europa?
    Die AIIB hat von Anfang an viel Unterstützung aus Europa bekommen. Länder wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien spielen als Gründungsmitglieder eine wichtige Rolle. Dass unser Jahrestreffen jetzt erstmals in Europa stattfindet, ist für uns deshalb sehr wichtig. Es macht es uns leichter, europäische Regierungen, Investoren und Unternehmen zu erreichen. Wir werden die Gelegenheit nutzen, um besser darzulegen, wie wichtig eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien ist.

    Ihre Bank hat dieses Jahr für Aufsehen gesorgt, weil sie in Italien chinesische Investitionen finanzieren soll im Rahmen von Pekings „Belt and Road"-Initiative (BRI) – auch bekannt als Seidenstraßeninitiative.
    Ich habe zur Kenntnis genommen, dass Italien und China eine Vereinbarung zur Unterstützung von BRI eingegangen sind. Wir als AIIB überprüfen jedes Projekt, das uns vorgeschlagen wird, ob es finanziell nachhaltig und gut für die Umwelt ist und ob die betroffenen Menschen geschützt sind. Wenn wir uns dann zu einer Finanzierung entscheiden, dann können wir uns sicher sein, dass wir zu „Belt and Road“ einen positiven Beitrag leisten können.

    Das Vorhaben ist umstritten. Es gibt die Befürchtung, dass sich China Einfluss in Europa kaufen will.
    Als Vertreter einer internationalen Organisation ist es für mich nicht angemessen, Vereinbarungen zwischen zwei Ländern zu kommentieren. Aus meiner Sicht sollte es darum gehen, eine breite Zusammenarbeit zu fördern. Und solange Initiativen – egal von welchem Land sie stammen – im Interesse der internationalen Gemeinschaft sind, sollte man das meiner Meinung nach nicht kritisieren. Italien ist nicht das einzige Land in Europa, das mit China zusammenarbeiten möchte, um regionale Vernetzung voranzutreiben. 

    Der Chinese ist der erste Präsident des AIIB. Quelle: dpa
    Jin Liqun

    Der Chinese ist der erste Präsident des AIIB.

    (Foto: dpa)

    In Italien zu investieren, ist für Sie aber eigentlich ungewöhnlich. Schließlich verstehen Sie sich in erster Linie als Entwicklungsbank für Schwellen- und Entwicklungsländer.
    Unser Direktorium ist der Auffassung, dass wir uns derzeit auf Entwicklungsländer konzentrieren sollten. Prinzipiell können wir aber in jedem Land tätig werden. Wir haben zum Beispiel auch schon einige Projekte in der Golf-Region finanziert, zum Beispiel im Oman. Wir können mit solchen Vorhaben auch die Verbindungen zwischen Ländern mit hohem und Ländern mit niedrigem Einkommen stärken. Das ist aus meiner Sicht sehr wichtig. 

    Bedeutet das, dass Sie Ihr Engagement auch in Europa ausbauen könnten?
    Wenn OECD-Länder Finanzierungen benötigen und es gut für Vernetzung und regionale Zusammenarbeit ist: warum nicht? Mehrere europäische Länder stehen vor großen Herausforderungen – in ihren Haushalten und bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur. Wenn diesen Staaten eine wirtschaftliche Kehrtwende gelingt, ist das auch gut für Entwicklungsländer. Ich hoffe deshalb, dass wir künftig einige Länder in Südeuropa unterstützen können. Es wurde uns bereits vorgeschlagen, uns in Griechenland und Portugal zu engagieren. 

    China ist der größte Anteilseigner der AIIB. Ihr Hauptsitz ist in Peking. Ist Ihre Arbeit die Erweiterung von Chinas Seidenstraßenpolitik?
    Wir kümmern uns um Projekte, die von unseren Mitgliedern vorgeschlagen werden. Auch Seidenstraßenprojekte sind da willkommen. Aber wir entscheiden über unsere Beteiligung nach unseren eigenen Standards. 

    Sie sagten kürzlich, die AIIB und die Seidenstraßeninitiative seien wie zwei Turbinen eines gleichen Flugzeugs. Das klingt so, als ginge das eine nicht ohne das andere. 
    Ja, aber ich muss das genauer definieren: Mit dem Flugzeug meine ich nicht China. Das Flugzeug ist die internationale Gemeinschaft. 

    Wie oft sprechen Sie mit Chinas Präsidenten Xi Jinping? 
    Ich bin mit China-Fragen nicht direkt betraut. Aber natürlich hat China eine wichtige Rolle in unserem Direktorium. 

    „Die Frage ist nicht, ob man sich Geld leihen sollte“
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