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Präsidenten-Tochter Wie Ivanka Trump die Politik ihres Vaters weiterdenkt

Die Präsidenten-Tochter spricht auf der CES über ihre Initiativen für den Arbeitsmarkt. Die einstige Unternehmerin ist voll ins politische Familienunternehmen eingestiegen.
08.01.2020 - 07:45 Uhr 2 Kommentare
Die „First Daughter“ spricht anders als ihr meist auf Krawall gebürsteter Vater, ohne „dem Präsidenten“ dabei zu widersprechen. Quelle: AP
Ivanka Trump

Die „First Daughter“ spricht anders als ihr meist auf Krawall gebürsteter Vater, ohne „dem Präsidenten“ dabei zu widersprechen.

(Foto: AP)

Las Vegas Die Beraterin spricht von „dem Präsidenten“ und erwähnt ihn in 45 Minuten gerade zweimal. Lieber spricht sie über eigene Initiativen: darüber, wie sie republikanische Abgeordnete dazu gebracht hat, Steuerermäßigungen für Kita-Gebühren zu beschließen und wie es in den USA zwar viele offene Stellen, aber zu wenige qualifizierte Arbeitslose gibt. Zumindest, bis sie sich des Problems annimmt.

Zu keinem Zeitpunkt des Gesprächs, das Ivanka Trump auf einer Bühne der Consumer Electronics Show (CES) führt, erwähnt sie auch nur, warum sie – die einstige Handtaschen-Unternehmerin – heute den mächtigsten Politiker der Welt berät: weil sie seine Tochter ist.

Donald Trump war sein Leben lang ein Familienunternehmer und führt nun das Weiße Haus wie eines: Während seine Söhne Donald Jr. und Eric das Immobilien-Reich der Trumps lenken und im Fernsehen für ihren Vater agitieren, gehen Ivanka und ihr Mann Jared Kushner in der Rolle als Berater im Weißen Haus auf. Minister und Berater der Trump-Administration kamen und gingen, „Javanka“ bleiben.

Während der Schwiegersohn den Präsidenten bei Themen von Nahostpolitik bis Drogenkrise berät, hat die Tochter früh die Arbeitsmarkt- und Familienpolitik für sich entdeckt – Themen, die eigentlich eher die oppositionellen Demokraten für sich besetzen. Trump, die ihr Leben in der eher progressiven New York High Society verbrachte, schützte so ihre eigene Marke der modernen, arbeitenden Mutter, während ihr Vater rassistisch hetzte und Kleinkinder an der Grenze zu Mexiko in Käfige sperren ließ.

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    Es war nie ganz klar, was Ivanka Trumps Einstieg in das politische Familienunternehmen Trump antrieb. Das Streben nach Macht? Vielleicht sogar die Gründung einer Präsidenten-Dynastie, begründet auf dem weltbekannten Namen des Vaters? Oder doch der Wunsch, etwas zu bewegen?

    2017, in Trumps erstem Amtsjahr, reiste sie nach Deutschland, um Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen und sich über das deutsche Ausbildungssystem informieren zu lassen. In Las Vegas, drei Jahre später, berichtet sie immer noch begeistert von ihrem „ersten internationalen Trip“ als Präsidentenberaterin, ihrem Besuch bei Siemens, dem „Goldstandard, wenn es um Ausbildung“ in Deutschland gehe. Und den Versuchen, ein solches System mit Pilotprojekten und Subventionen für einzelne Bundesstaaten auch in den USA zu etablieren, wo es „nicht Teil unserer DNA ist“.

    Heute hätten 160 Millionen US-Amerikaner einen Job, mehr denn je. Es gebe erstmals mehr offene Stellen als Arbeitslose. Nun gehe es darum, Unqualifizierte auszubilden und die, deren Jobs durch technologischen Fortschritt bedroht sind, weiterzuqualifizieren. Sie spricht über Gefängnisinsassen, die dank neuer Programme programmieren lernen, obwohl sie vorher noch nie im Internet waren – weil es das vor Beginn ihrer Haftstrafe noch nicht gab.

    Trump hat politische Erfolge erzielt: Im Dezember verabschiedete der republikanisch dominierte Senat ein Gesetz, das Staatsbediensteten nach einer Geburt zwölf Wochen bezahlte Elternzeit gewährt – eine Initiative, die Trump schon vor der Wahl ihres Vaters gefordert und die Konservative über Jahrzehnte verhindert hatten.

    Trumpismus mit menschlichem Antlitz

    Mit republikanischer Orthodoxie, in der sich der Staat aus der Wirtschaft heraushält, haben weder Ivanka Trump noch ihr Vater viel am Hut. Wie er spendet die Präsidentenberaterin Unternehmern und Managern, die ihre Ziele unterstützen, Nähe und öffentliches Lob: „Ginni“ und „Tim“, die IBM-Chefin und der Apple-CEO, erwähnt sie in Las Vegas, weil sie angekündigt haben, Mitarbeiter weiterzuqualifizieren. Und sie kritisiert Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen, nachdem sie es jahrelang versäumt hätten, diese weiterzubilden. Ohne jedoch einzelne namentlich zu attackieren, wie ihr Vater es in seinen Twitter-Bombardements gerne tut.

    Dass die Technologie-Messe zu Beginn des Wahljahres der Tochter des Präsidenten eine Bühne bereitet, um die Erfolge ihrer Wirtschaftspolitik und der ihres Vaters zu preisen, führte im Vorfeld zu Kritik. Schließlich hatte Trump nie viel mit Technologie zu tun. Der Hashtag #boycottCES trendete kurze Zeit auf Twitter, doch der Saal im mondänen Venetian Casino auf dem Las Vegas Strip ist letztlich doch voll geworden. Und Gary Shapiro, der konservative Chef des Elektronikhersteller-Verbandes und CES-Ausrichters CTA, ist mit der Rolle des artigen Stichwortgebers zufrieden.

    Er habe gerade ein Buch herausgegeben, in dem es um die Segnungen der Künstlichen Intelligenz gehe. Erst nachdem Ivanka Trump ihn darauf hingewiesen habe, dass Roboter und Algorithmen auch Lastwagenfahrer und andere einfache Arbeiter bedrohten, habe er ein Kapitel zu dem Thema ergänzt, sagt Shapiro reuig. Vielleicht fehle ihm da die Empathie. Doch Trump erteilt dem Verbandschef die Absolution: „Wenn unser Gespräch dich beeinflusst hat, zeigt das, wie empathisch du bist.“

    Für ihren Vater ist die 38-Jährige ein Segen, wie sich in Las Vegas zeigt. Die „First Daughter“ spricht anders als ihr meist auf Krawall gebürsteter Vater, ohne „dem Präsidenten“ dabei zu widersprechen. Ihr Thema, Arbeiter zu qualifizieren, passt sogar recht gut zu dem Ziel des Vaters, heimische Jobs mit Zöllen auf chinesische Waren zu schützen. Und: Sie klingt vernünftig in den Ohren von Wählern, die die Politik ihres Vaters aus tiefstem Herzen ablehnen.

    Dennoch waren sie und ihr Unternehmen wegen der Politik ihres Vaters immer wieder ins Kreuzfeuer geraten: Die Modekette Nordstrom hatte ihre Produkte Anfang 2017 ausgemustert, nachdem deren Absatz nach der Amtseinführung Donald Trumps eingebrochen war. Trump rächte sich in üblicher Manier: mit einer Serie von Tweets gegen Nordstrom. Im Juli 2018 gab sie ihre gleichnamige Mode-Marke dann auf, weil „ihr Fokus für die absehbare Zukunft die Arbeit in Washington“ sei.

    Nur, wie lange gilt das? Bekannt ist, dass ihrem Vater eine Familiendynastie im Weißen Haus vorschwebt: „Wenn sie für die Präsidentschaft kandidieren würde, wäre sie sehr schwer zu schlagen“, sagte der Präsident vergangenes Jahr dem „Atlantic“. Er wollte sie schon zur Ministerin machen, selbst für den Chefposten der Weltbank hatte er Ivanka, die einen Bachelor-Abschluss in Ökonomie hat, bereits auserkoren, bevor ihn seine Berater davon abbrachten.

    Der Präsident nennt seine Tochter „einzigartig“ und traut ihr am ehesten zu, sein Erbe über 2024 hinaus weiterzuführen. Die Tochter hält sich bedeckt, in Las Vegas und bislang auch überall anders. Doch sie zeigt auf der Bühne des Venetian, wie sie die Politik ihres Vaters weiterdenken würde: ein Trumpismus mit menschlichem Antlitz. Aber Trumpismus nichtsdestotrotz.

    Mehr: Amerika konsumiert, China produziert: Jahrzehntelang tickte so die Weltwirtschaft. Diese Ära des Freihandels ist beendet. Größter Verlierer könnte Deutschland sein.

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    2 Kommentare zu "Präsidenten-Tochter: Wie Ivanka Trump die Politik ihres Vaters weiterdenkt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nach Trumps Wiederwahl wird Ivanka Aussenminsterin, um dann im 2024 zur ersten Präsidentin der USA gewählt zu werden.

    • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
      Mehr zu schreiben oder zu sagen wäre pure Verschwendung, es sei denn, man ist Amerikaner.

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