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Präsidentschaftsvorwahl In Paris greifen Wirtschaft und Politik Hand in Hand

Ex-Kanzler Schröder war als „Genosse der Bosse“ vielen Sozialdemokraten suspekt. Kandidaten bei der Präsidentschaftsvorwahl von Frankreichs Sozialisten dagegen haben ganz selbstverständlich beste Kontakte zur Wirtschaft.
07.10.2011 - 13:25 Uhr 1 Kommentar
Die Favoriten: Segolene Royal, Martine Aubry, Francois Hollande (v.l.n.r.). Quelle: dapd

Die Favoriten: Segolene Royal, Martine Aubry, Francois Hollande (v.l.n.r.).

(Foto: dapd)

Paris Am Sonntag stellen sich sechs Kandidaten bei der Vorwahl der Sozialisten für den Kampf um den Elysée-Palast. Wer von ihnen sich durchsetzt, hat den Umfragen zufolge beste Chancen, im kommenden Mai Nicolas Sarkozy als französischen Staatspräsidenten abzulösen. Zumal dieser bei der Wahl zum Senat vor knapp zwei Wochen heftige Prügel einstecken musste: Zum ersten Mal seit Gründung der Fünften Republik 1958 hat Frankreichs Linke eine absolute Mehrheit im Oberhaus und stellt dessen Präsidenten – für die Regierung laut der Tageszeitung „Le Monde“ eine Schande so groß wie sie der mögliche Verlust des Topratings AAA vor der Präsidentschaftswahl wäre.

Und jetzt kommt auch noch die wahrscheinliche Zerschlagung des belgisch-französischen Staatsfinanzierers Dexia hinzu, welche die Angst um Frankreichs Banken und die Kreditwürdigkeit des Landes schürt. Von ihr könnten die Sozialisten profitieren.

Am besten im Rennen liegt laut den Demoskopen François Hollande, mit deutlichem Abstand gefolgt von Martine Aubry. Ségolène Royal, die den konservativen Sarkozy 2007 herausforderte und ihm unterlag, gilt diesmal nur als Außenseiterin und könnte sogar lediglich auf dem vierten Platz landen.

Allen drei ist im Gegensatz zu Emporkömmling Sarkozy, dem Sohn eines ungarischen Einwanderers, eines gemeinsam: Sie gehören zu Frankreichs Elite und stehen als Absolventen der nationalen Kaderschmiede École nationale d'administration (Ena) n für die Restauration des alten Machtgefüges. So wie es derzeit aussieht, könnten sie den von Sarkozy verheißenen, aber nicht verwirklichten Bruch mit der Vergangenheit, schon nach fünf Jahren zur Episode machen.

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    Aubry, die ihr Amt als Parteichefin der Sozialisten derzeit wegen der Vorwahl ruhen lässt, schloss die Ena 1975 mit heute so einflussreichen Wirtschaftsgrößen ab wie dem Chef der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, dem Vorstandsmitglied des Autobauers PSA (Peugeot, Citroën), Frédéric Saint-Geours, oder Alain Minc, der als Berater in Frankreich so einflussreich ist wie Roland Berger in Deutschland.

    Hollande und Royal gehören beide dem Abschlussjahrgang 1980 an. Sie lernten sich an der Ena kennen, wurden ein Paar und haben vier gemeinsame Kinder. Geheiratet haben sie nie und sind seit Royals Niederlage 2007 getrennt. Zu ihren Kameraden an der Grande École zählen etwa der heutige Chef des Versicherungsriesen Axa, Henri de Castries, oder der Chef der französischen Finanzaufsicht, Jean-Pierre Jouyet, außerdem der ehemalige konservative Premierminister Dominique de Villepin, der im kommenden Jahr ebenfalls Präsident werden will.

    Der konservative Amtsinhaber Sarkozy, der erst Anfang 2012 offiziell in den Wahlkampf einsteigen will, ist zwar nicht Frankreichs Machtzirkeln sozialisiert worden. Doch schon während seiner Zeit als Bürgermeister des Pariser Millionärvororts Neuilly hat auch er ein enges Netzwerk in der Wirtschaft geknüpft und zählt zahlreiche Entscheider wie Vincent Bolloré und Henri Proglio, den Chef des Energieriesen EDF, zu seinen Vertrauten

    Das Staatsoberhaupt zögert nicht, diese Kontakte zu nutzen. Besonders profitiert es von seinem guten Draht zu Industriellen, die wichtige Medien kontrollieren. Serge Dassault gehört neben dem nach ihm benannten Flugzeugbauer die Tageszeitung „Le Figaro“. Bernard Arnault vom Luxusgüterkonzern LVMH, zu dessen Reich etliche Printtitel, ein Radio- und mehrere kleine Fernsehsender zählen, und Martin Bouygues, Chef des gleichnamigen Baukonzerns und Eigentümer des größten Fernsehsenders des Landes TF1, waren Sarkozys Trauzeugen.

    Strikte Regeln der Parteienfinanzierung werden unterlaufen
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    Mehr zu: Präsidentschaftsvorwahl - In Paris greifen Wirtschaft und Politik Hand in Hand
    1 Kommentar zu "Präsidentschaftsvorwahl: In Paris greifen Wirtschaft und Politik Hand in Hand"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "..beste Kontakte zur Wirtschaft..". Das wird hier dem Volk als Auszeichung verkauft, als Leistung. Schwachsinn. Fakt ist doch, dass die Politiker unserer Zeit nur noch die Diplomaten der Geldmacht sind, die dem blöden Volk verkaufen, was die Geldmacht will. Uns sie will mehr - im MEHR und noch MEHR.

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