Präsidentschaftswahl: Erfolgschancen von Frankreichs Rechtspopulisten werden zur Hypothek für die Märkte
Schon 2017 traten Macron und Le Pen in der Stichwahl gegeneinander an.
Foto: dpaParis. Die Unsicherheit über den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl schlägt sich an den Finanzmärkten nieder. Der Abstand in den Umfragen zwischen Amtsinhaber Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen ist kurz vor der ersten Wahlrunde am Sonntag geschrumpft. Die Risikoaufschläge auf französische Staatsanleihen steigen, französische Aktien geraten unter Druck.
Le Pen sagte am Donnerstag in einem Interview mit dem Radiosender RTL mit Blick auf die Marktbewegungen: „Die Katastrophenwarnungen, wenn Emmanuel Macron nicht wiedergewählt wird, das ist ein Drama, das funktioniert nicht mehr“, sagte die Kandidatin des Rassemblement National. Sie habe ein „seriöses Projekt“ für Frankreich vorgelegt, auch wenn „die Politik, die ich machen möchte, nicht gerade für die Börsen ist“. Ihr Ziel sei, „die Unternehmen zu unterstützen und das Geld an die Franzosen zurückzugeben“.
Zu den Verlierern an der Börse zählten in den vergangenen Tagen insbesondere französische Bankenaktien wie BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole. Die Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen stiegen zuletzt auf den höchsten Stand seit der Wahl von Macron vor fünf Jahren. Die Differenz bei zehnjährigen Papieren zu deutschen Anleihen kletterte auf mehr als 50 Basispunkte. Das ist allerdings noch im Rahmen: Vor der Frankreichwahl 2017 lagen die Spreads bei mehr als 70 Punkten.
„Im Gegensatz zu 2017 schlägt kein Kandidat, der Chancen auf die Präsidentschaft hat, einen Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union, den ,Frexit‘, vor“, schreibt Pierre Blanchet, Head of Investment Intelligence bei der Fondsgesellschaft Amundi. Es sei daher unwahrscheinlich, dass diese Wahl eine hohe Volatilität an den Finanzmärkten erzeugen werde. „Darüber hinaus sehen sich die wichtigsten Kandidaten trotz ihrer ideologischen Unterschiede alle mit der Notwendigkeit konfrontiert, vor dem Hintergrund einer hohen Inflation und großer Unsicherheit aufgrund des Krieges in der Ukraine die Kaufkraft der Haushalte zu stärken.“
Le Pen hat ihre Wortwahl und Positionen im Vergleich zu 2017 abgeschwächt, als sie in der Stichwahl deutlich gegen Macron verlor. So hat sie sich von dem Ziel verabschiedet, Frankreich aus dem Euro zu führen.
Le Pen spricht in diesem Wahlkampf auch weniger über die Migrationspolitik, sondern vor allem über die steigenden Lebenshaltungskosten der Franzosen. Doch bei Anlegern bleibt die Unsicherheit, was ihre weiterhin europaskeptische Haltung für die EU bedeuteten würde, sollte sie tatsächlich gewinnen.
Die rechtsextreme Vorsitzende des Rassemblement National hat realistische Chancen, die nächste Präsidentin Frankreichs zu sein.
Foto: ReutersMeinungsforscher sehen eine Neuauflage des Duells zwischen Macron und Le Pen als wahrscheinlichstes Resultat der ersten Wahlrunde am Sonntag. Erwartet wird in der Stichwahl am 24. April ein knapperes Ergebnis als vor fünf Jahren. In einigen Umfragen zu dem möglichen Duell in der zweiten Runde lag Macron nur vier bis fünf Prozentpunkte vor Le Pen.
„Es gab jetzt einen kleinen Weckruf, da Macron einen sehr geringen Vorsprung hat. Händler werden sich gegen das Risiko eines knapperen Sieges oder sogar einer Niederlage Macrons wappnen“, meint Mohit Kumar, Investmentstratege der Investmentbank Jefferies. Ein Überraschungssieg der Rechtspopulistin sei möglich, sagte Marco Bonaviri, Leiter der Devisenabteilung und Senior Portfoliomanager bei Reyl & Cie dem Informationsdienst Bloomberg.
Die Auswirkungen einer Le-Pen-Wahl könnten erheblich sein, da der Markt dieses Ergebnis derzeit nicht einpreise. „Wir könnten erleben, dass der Euro auf breiter Front abwertet, dass sich die Risikoaufschläge der Staatsanleihen der Euro-Peripherie-Länder ausweiten und dass die Aktien der Euro-Zone im Vergleich zu US-Aktien schlechter abschneiden.“