Präsidentschaftswahl in Frankreich Ex-Premier Juppé enttäuscht seine Anhänger

Führende französische Konservative wollten ihre Chance auf das Präsidentenamt nicht aufgeben – und François Fillon stürzen. Alain Juppé war als Ersatz im Gespräch. Doch der Ex-Regierungschef hat andere Pläne
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Ex-Premier Frankreichs Juppé will nicht für Präsidentenamt kandidieren

Ex-Premier Frankreichs Juppé will nicht für Präsidentenamt kandidieren

BordeauxDer französische Ex-Regierungschef Alain Juppé will nicht der Ersatzkandidat der Konservativen für deren umstrittenen Präsidentschaftsbewerber Francois Fillon sein. Für eine Kandidatur sei es viel zu spät, sagte Juppe am Montag in Bordeaux. Zudem verkörpere er auch nicht den Aufbruch zu einer politischen Erneuerung, die von den Wählern gewünscht werde. Juppé war von mehreren Konservativen als Alternative zu Fillon gehandelt worden, der im Zuge einer Scheinbeschäftigungsaffäre in den Umfragen auf Platz drei abgerutscht ist. Am Abend ist deswegen ein Krisentreffen der Republikaner angesetzt. Die erste Runde der Präsidentenwahl findet am 23. April statt. Mit einer Entscheidung wird aber erst in einer Stichwahl am 7. Mai gerechnet.

Fillon galt lange als Favorit. Bei der Kandidatenkür der Republikaner hatte er sich gegen Juppe und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy durchgesetzt. Fillon steht seit Wochen wegen des Verdachts einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten unter Druck, er selbst weist die Vorwürfe zurück. Nun wollen führende Politiker der Konservativen mit einem Putsch gegen den angeschlagenen Kandidaten in letzter Minute die Chancen auf das Präsidentenamt retten.

Wichtige Konservative erhöhten den Druck weiter: „Ich weigere mich, unsere Anhänger und Wähler in den kollektiven Suizid zu führen“, sagte der wichtige Regionalpolitiker Christian Estrosi dem Sender BFMTV. „Wir haben keine Zeit für Debatten darüber, wer der Talentierteste ist.” Die Zeit drängt: Am 17. März läuft die Frist ab, bis zu der alle Präsidentschaftskandidaten formell bestätigt sein müssen.

Was die Franzosen vom Präsidenten erwarten
Jean-Loup Tiesset, 54, Restaurant-Besitzer in Calais
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„Mein erster Wunsch ist, dass der nächste Präsident sein Amt nutzt, um die Steuern auf Unternehmen zu ändern, vor allem unsere Sozialversicherungsgebühren. Was die Migrantenkrise angeht, die für die Anwohner in Calais reichlich menschliche, soziale und finanzielle Schwierigkeiten verursacht hat, sollte der Präsident in Kontakt mit den Nachbarländern treten, um sicherzustellen, dass sich die Menschen in Calais nicht mehr länger in der Situation befinden, in der sie sich seit zehn Jahren befinden. Es ist nicht richtig, dass britische Einwanderungsüberprüfungen auf unserem Boden stattfinden. Es ist die Aufgabe Englands, die Migranten willkommen zu heißen und den Migrantenfluss zu bewältigen, den das Land anzieht.“

Mouslimati Boina-Mze, 24, sie holt in Marseille ihren Schulabschluss nach
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„Was ich vom neuen Präsidenten erwarte ist, dass er jungen Leuten hilft, leichter Arbeit zu finden. Es ist hart, es ist wirklich so. Selbst wenn du die Schule mit einem Abschluss verlässt, kannst du heute nur einen Job finden, der entweder schlecht bezahlt oder demotivierend ist. Ein Job ist das Wichtigste – um die Rechnungen zu bezahlen, auch um unabhängig zu sein und um morgens für den Job aufstehen zu wollen. Was der neue Präsident tun muss, ist die Informationen für junge Menschen zu verbessern. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es lokale Ausbildungszentren für sie gibt. Sie hören einfach mit allem auf, das ist eine Schande.“

Jean-Yves Tanguy, 60, produziert Streichinstrumente in Caen
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„Ich hoffe, dass er die Bedeutung der Kultur in der vom Markt und vom Zynismus der Finanzbranche dominierten Welt erkennt. Denn die Kultur erlaubt es uns, die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben. Ich möchte, dass er den Gebrauch der Musik kollektiv entwickelt, weil das so ein fabelhaftes Werkzeug zur Integration ist. Wer Musik macht, findet Würde und eine Existenzberechtigung in der Gesellschaft. Ich möchte, dass er seine Macht für das Gute der Gerechtigkeit, einschließlich der sozialen Gerechtigkeit, einsetzt. Und ich möchte, dass er Segregation, Ausgrenzung und Hass mit all seiner Macht bekämpft. Außerdem erwarte ich, dass er ein gewisses Auftreten hat, eine bestimmte Würde und, dass er sich für Werte und eine bestimmte Art von Gesellschaft einsetzt. Ich will einen Präsidenten, für den Worte wichtiger sind als Zahlen. Zahlen sind wichtig, aber sie sind sehr technisch.“

Marie Rouffet, 47, Fischerin im Hafen von Le Guilvinec
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„Ich habe keine Erwartungen mehr, wir kommen einfach von Enttäuschung zu Enttäuschung. Es ist egal, ob sie aus dem rechten Flügel, dem linken Flügel oder aus dem Zentrum kommen, ob von der Seite, von oben oder von unten. Es gibt diesen faulen Kern und je höher du die Leiter der Macht nach oben gehst, desto korrupter bist du und desto mehr Geld hast du. Was dazu kommt: Die Leute, die unsere Gesetze ausspucken, wissen nichts über Boote oder über Fische. Sie sind wahrscheinlich noch nie auf der See gewesen. Deshalb interessiert mich die Präsidentschaftswahlkampagne nicht. Wie alle meine anderen Fischer-Kollegen interessiere ich mich nur für Fischerei-Kampagnen. Für mich ist es egal, wer Präsident ist. Nichts wird mich davon abhalten in einer Industrie zu fischen, die noch eine Zukunft hat.“

Romain Guérineau, 31, Feuerwehrmann in Saint-Cyr-sur-Loire
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„Ich möchte, dass der Präsident das Gesetz zur Verbesserung der Barrierefreiheit für behinderte Menschen umsetzt, das 2005 beschlossen, aber immer noch nicht angewandt wurde. Genau so wie die Einführung einer besseren Kostenerstattung für behinderte Menschen. Ein Rollstuhl kostet 5000 Euro, aber nur 558 Euro davon werden erstattet. Ich möchte Politiker einladen, eine Woche in einem 500 Euro teuren Rollstuhl zu verbringen. Vom nächsten Präsidenten erwarte ich eine Politik, die sozial basiert ist, aber nicht nur aus Reklamezetteln besteht. Er sollte über Vorwürfe hinausgehen, sich an seine Wahlkampfversprechen halten und den Leuten auch nach der Wahl noch zugänglich bleiben.“

Sabine Tholoniat, 33, Landwirtin im Departement Puy de Dôme
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„Ich möchte, dass der Präsident die Fragen der Landwirtschaft anpackt und die Produzenten bis zum Ende verteidigt. Ich möchte, dass er oder sie dafür sorgt, dass staatlich betriebene Kantinen auch französische Produkte verwenden. Die Dinge verbessern sich, aber nicht schnell genug. Wir wollen nicht von Subventionen leben, wir wollen faire Preise. Im Jahr 2016 haben wir 27 Cent für einen Liter Milch bekommen, während die Kunden in den großen Supermärkten etwa 60 Cent bezahlt haben. Wir wollen auch, dass der nächste Präsident dafür kämpft, dass die Standards auf europäischer Ebene angeglichen werden. Im Moment sind die Vorgaben in Frankreich drastischer als im Rest der EU, sie ersticken uns.“

Nathalie Niort, 39, Krankenschwester in Puy-de-Dome
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„Ich wünsche mir, dass er den Niedergang im Krankenhaus stoppt. Wir sind am Rande eine Katastrophe, wir können mit dem Ausverkauf der Gesundheit nicht einfach weitermachen. Wir müssen die Personalkürzungen stoppen. Wir haben nicht genug Personal. Wenn alles gut läuft, ist es ok, aber wenn du alleine bist und dich um mehrere Patienten kümmern musst, die wiederbelebt werden müssen - für wen entscheidest du dich dann? Wir sind am Rande einer institutionellen Misshandlung. Wir machen Behandlungen am laufenden Band. Wir sind am Ende unserer Kräfte und wir versuchen, keine Fehler bei der Dosierung zu machen. Wenn wir nach Hause gehen, haben wir das Gefühl, dass wir uns nicht richtig um unsere Patienten gekümmert haben. Es ist sehr schwer so zu leben. Wir gefährden die Patienten und die Pfleger.“

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