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Präsidentschaftswahlen Börsenliebling Widodo vor Machtübernahme in Indonesien

Der Amtsinhaber liegt nach ersten Prognosen klar in Führung. Unternehmen hoffen, dass Widodo den Reformkurs fortsetzt – und den Islamismus eindämmt.
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Der Amtsinhaber wurde nach ersten offiziellen Ergebnissen mit 55 Prozent bestätigt. Quelle: Reuters
Joko Widodo

Der Amtsinhaber wurde nach ersten offiziellen Ergebnissen mit 55 Prozent bestätigt.

(Foto: Reuters)

Bangkok Zum Abschluss des Wahlkampfes soll es eine Pilgerfahrt nach Mekka richten. Joko Widodo, genannt „Jokowi“ und Präsident von Indonesien, umrundet die heilige Kaaba. Das Ritual soll ihm Gunst Allahs sichern – und wohl auch die der konservativen muslimischen Wähler des südostasiatischen Landes.

Zumindest die zweite Erwartung scheint sich zu erfüllen. Laut ersten offiziellen Ergebnissen haben bei den Präsidentschaftswahlen rund 55 Prozent der Indonesier für den Amtsinhaber gestimmt. Auf Herausforderer Prabowo Subianto entfielen entsprechend rund 45 Prozent der Stimmen.

Das offizielle Ergebnis wird erst im Mai verkündet. In der Vergangenheit erwiesen sich die Prognosen kurz nach Schließung der Wahllokale aber als recht zuverlässig.

Für die Wirtschaft ist Widodos Erfolg eine gute Nachricht: Die Börse in Jakarta reagierte mit einem deutlichen Plus. Hätte Herausforderer Prabowo gewonnen, die Kurse wären wohl abgestürzt. Die meisten Marktteilnehmer hatten mit einem Sieg Widodos gerechnet, ihn sogar herbeigesehnt. Unter Prabowo, Ex-General und Schwiegersohn des ehemaligen Machthabers Suharto, wäre die künftige Wirtschaftspolitik wohl deutlich protektionistischer ausgefallen.

Auch in der deutschen Wirtschaft hatte man auf einen Sieg von Widodo gehofft. Aus der Deutschen Auslandshandelskammer in Jakarta heißt es, neben den weiteren Infrastrukturausbau sollte sich Widodo nun auch verstärkt um die Ausbildung der Indonesier kümmern.

Dabei hatte Widodo längst nicht alle Erwartungen erfüllt. Im Wahlkampf vor fünf Jahren hatte er den Indonesiern ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent versprochen. Das ist ein Wert den das Land schon seit der Asienkrise Ende der Neunziger nicht mehr erreicht hat. Während Widodos Amtszeit wuchs das Land stets nur um rund fünf Prozent. Indonesien kämpft mit einer schwachen Währung, einem Leistungsbilanzdefizit und schnell wachsenden Staatsschulden.

Dennoch ist Widodo mit seiner zupackenden Art in der Wirtschaftswelt beliebt, Infrastruktur hat er deutlich schneller vorangetrieben als seine Vorgänger. Er selbst war lange Zeit ein mittelständischer Möbelunternehmer. Anschließend machte er Karriere als Bürgermeister, unter anderem der Megastadt Jakarta. Auch wenn er de facto schon mehr als ein Jahrzehnt Politiker ist, hat er weiterhin das Image des Quereinsteigers.

Widodo ist auf alte Machtstrukturen angewiesen

Das ist seine Stärke – aber auch seine Schwäche. Denn letztendlich ist er von alten Machtstrukturen des Landes abhängig. Er tritt für die etablierte Partei PDI-P an, deren Vorsitzende Megawati Sukarnoputri zum alten Establishment gehört. Für viele Vorhaben muss Widodo erst lange Zeit Allianzen schmieden. Durchregieren kann er nicht.

In der Parteienlandschaft gebe es, „nationalistische und protektionistische Tendenzen, die bereits in Jokowis erster Amtszeit zahlreiche Zugeständnisse von dem eigentlich liberal eingestellten Präsidenten erforderten“, sagt Markus Schlüter, Partner der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner und Leiter des dortigen Asean-Desk, dem Handelsblatt. Wie sich das Parlament künftig zusammensetzt, ist noch unklar. Die Abgeordneten wurden ebenfalls am Mittwoch gewählt.

Nicht nur die Wirtschaft hofft, dass Widodo künftig einen liberaleren Kurs fahren kann. Auch LGBT- und Bürgerrechtsaktivisten hatten die Erwartung, dass sich Widodo für eine weitere Öffnung der Gesellschaft einsetzen würde. Es kam anders. Kurz nach seinem ersten Amtsantritt hat Widodo die Exekutionsbefehle für mehrere Drogenschmuggler unterzeichnet. Auch die Situation für Homosexuelle und religiöse Minderheiten hat sich während seiner Amtszeit eher noch verschlechtert.

Dabei ist Jokowi angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse in Indonesien auch ein Getriebener. Zu seinen Herausforderungen wird nun gehören, den erstarkenden Islamismus in dem Land weiter in Schach zu halten. „Der zunehmende Einfluss religiöser Gruppierungen bergen Herausforderungen für die Regierung“, sagt auch Indonesien-Experte Schlüter.

Die meisten Indonesier praktizieren einen moderaten und toleranten Islam. Der Einfluss fundamentalistischer Strömungen hat in den vergangenen Jahren jedoch zugenommen – auch durch die Gründung wahhabitischer Moscheen mit Geld aus Saudi-Arabien.

Ohne Kompromisse wird es nicht gehen

Widodo wird sich künftig stärker bemühen müssen, die konservativen Muslime bei der Modernisierung und Öffnung des Landes mitzunehmen. Dabei wird immer wieder auch Kompromisse eingehen müssen. Im Wahlkampf versuchte er die konservativen Wählergruppen durch seinen Vize Ma’ruf Amin an sich zu binden, einem kontroversen und extrem konservativen Geistlichen, der neben Homosexualität auch Yoga zur Sünde erklärte.

Dennoch dürfte der Geistliche für viele liberale Indonesier noch das kleinere Übel gewesen sein: Herausforderer Prabowo hatte mit islamistischen Gruppen paktiert, die einen noch radikaleren Kurs fahren.

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