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Präsidentschaftswahlen Südkorea will den Trump-Schreck

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Keine Neuauflage einer puren Sonnenscheinpolitik

Trump: „Eine Eskalation mit Nordkorea ist nicht ausgeschlossen"

Auch Moon trug zu dem Bild bei. So hatte er vor dem Wahlkampf gesagt, dass er als erstes Nordkorea besuchen und die Wirtschaftssonderzone im nordkoreanischen Kaesong wiederbeleben wolle. Schon damit würde er sich gegen die US-Politik stellen. Zudem fordert er, dass die neue Regierung über die Stationierung des amerikanischen Raketenabwehrsystems Thaad entscheiden solle, mit dem die USA Südkorea sowie die 38.000 dort stationierten US-Soldaten schützen will. Die Ex-Präsidentin Park hatte den Deal aus Angst vor dem Widerstand der Linken am Parlament vorbei durchgeboxt.

Der Konflikt mit Nordkorea bestimmt den Wahlkampf. Denn seit Trump dem Nachbarn mit einem amerikanischen Militärschlag drohte, schwelt bei den Südkoreanern erstmals seit Jahren Angst vor einem Krieg, meint der politische Kolumnist Choi Sung-jin. „Das Krisengefühl ist höher als zuvor.“

Nur schadet die linke Vergangenheit Moon dieses Mal weniger, meint Choi. Viele Wähler wollten einen Kandidaten, der Südkoreas Stimme im Nordkorea-Streit Gehör verschafft. Denn mit Trump sind die USA als Alliierter unberechenbar geworden.

Erst droht er Nordkorea mit Krieg. Vorige Woche lobte er dann Kim als cleveres Kerlchen und bot ein Treffen an, wenn die Umstände reif dafür seien. Gleichzeitig forderte von Südkorea für das Raketenabwehrsystem plötzlich eine Milliarde US-Dollar sowie eine Neuverhandlung des bilateralen Freihandelsabkommens. Das stößt in Südkorea sauer auf, auch weil China das Land wegen der Stationierung mit einem Wirtschaftskrieg bestraft.

Moon wird eher zugetraut, Trump die Stirn zu bieten. Zugleich gilt er unter Experten als weit weniger radikal als die Konservativen weiß machen wollen. Der Lackmustest ist das Raketenabwehrsystem, dessen erste Batterie vorige Woche einsatzbereit wurde, meint Lee Seong-hyon, Sicherheitsexperte am privaten Sejong Institute, das Südkoreas bürokratische Elite in der Außenpolitik schult. „Ich bin recht zuversichtlich, dass alle Kandidaten das System stehen lassen würden.“ Auch Moon.

Der Grund: Moon hatte sich persönlich nicht deutlich gegen die Stationierung ausgesprochen und auf der Suche nach konservativen Wählern eine härtere Politik gegen nordkoreanische Provokationen angekündigt. Lee glaubt daher, dass Moon dem Norden mit einer Politik von Zuckerbrot und Peitsche begegnen will.

Außerdem lässt die deutlich kritischere Beziehung zu Nordkorea gar keine Neuauflage einer puren Sonnenscheinpolitik zu, urteilt der amerikanische Sicherheitsexperte Daniel Pinkston, der an der Troy Universität doziert. „Solange Nordkorea sein Verhalten nicht ändert, ist eine Annäherung kaum möglich.“

Allerdings müsste Trump unter Moon mit einem selbstbewussteren Südkorea rechnen, das im Hickhack der Großmächte China und USA mehr Kontrolle über seine Sicherheitspolitik anstreben werde, meint Pinkston. So fordert Moon zum Beispiel, dass Südkorea in Kriegszeiten das Oberkommando über die alliierten Streitkräfte übernimmt. Auch ohne einen Kuschelkurs mit Nordkorea könnte Moon damit für Spannungen sorgen. Schließlich ist noch offen, wie Trump mit einem Juniorpartner umspringen wird, der ihm nicht nach der Pfeife tanzt.

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