Presseschau zu Kauders Abwahl „Eine echte Watschn für Merkel“

Die Ablösung des Merkel-Vertrauten Kauder könnte eine Reihe von heftigen politischen Nachbeben haben, schreibt die internationale Presse.
Kommentieren
Die deutsche Kanzlerin verliert ihren langjährigen Vertrauten, Fraktionschef Volker Kauder. Quelle: Reuters
In Zukunft ohne Volker

Die deutsche Kanzlerin verliert ihren langjährigen Vertrauten, Fraktionschef Volker Kauder.

(Foto: Reuters)

New YorkDie Kauder-Niederlage ist ein schwerer Schlag und eine politische Demütigung für die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel – da sind sich die internationalen Kommentatoren einig. Die Kanzlerin verliert einen Vertrauten, der seit Beginn ihrer Amtszeit als starker Mann die „Truppen auf Linie“ gehalten habe. Merkel sei angezählt, auch wenn ein Misstrauensvotum noch nicht anstehe. Die Reaktionen der internationalen Presse.

„Eine echte Watschn für Merkel“

Den Anfang vom Ende nennt die Wiener Tageszeitung „Der Standard“ die überraschende Wahl und konstatiert mit österreichischer Unverblümtheit: „Es ist eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat.“ Aber wenn die Unzufriedenheit mit Merkels Politik nicht so groß gewesen wäre, hätte Brinkhaus auch keine Chance gehabt. „In Berlin finden Erosionsprozesse statt, die vor kurzem noch niemand für möglich gehalten hätte“, so die Kommentatorin. Selbst die treuesten Merkel-Gefährten stellen fest: Das ist definitiv der Anfang vom Ende.

„Politische Demütigung für die Kanzlerin“

Das Finanzblatt „Wall Street Journal“ aus New York konstatiert, dass Angela Merkel mit der Wahl von Ralph Brinkhaus gegen ihren ausdrücklichen Wunsch einen „harten Schlag“ gegen ihre Macht hinnehmen musste. Die Wahl sei eine „politische Demütigung“ für die bisher stärkste Frau im Staat.

Kauder sei immer der Mann an Merkels Seite gewesen, der ihre „Truppen auf Linie“ hielt und sich gegen jede Art von Rebellion innerhalb der Fraktion stark gemacht habe. Sein Abgang werde das Regieren der Kanzlerin auf Monate hinaus komplizierter machen, unkt die Finanzzeitung. Und viel schlimmer: Die wachsende Instabilität innerhalb der Regierung würde nur die Position der ultrarechten Partei AfD stärken, deren Umfragewerte nach oben gingen.


„Scharfer Einschnitt in politische Autorität“

Die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ in London kommentiert, Kauders Misserfolg käme einer „Mini-Revolution“ in der Fraktion gleich. Die Entscheidung demonstriere die „Tiefe der Feindseligkeit“ gegenüber der Kanzlerin innerhalb ihrer eigenen Partei und sei ein „scharfer Einschnitt in die politische Autorität“ der deutschen Kanzlerin.


„Das Ende der Ära Merkel ist in Sicht“

Die Schweizer Tageszeitung „Neue Zürcher Zeitung“ liest die Weigerung der Abgeordneten, Merkels Wunschkandidaten durchmarschieren zu lassen, als echte Kampfansage. Dass sie jedoch jetzt schon vor den Wahlen in Bayern und Hessen die Vertrauensfrage stellen werde, sei zu früh. „Wieviel Zeit zwischen diesem Datum und dem tatsächlichen Ende der Ära Merkel liegen wird, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber es ist in Sicht“, prophezeit das Blatt aus Zürich.

Startseite

0 Kommentare zu "Presseschau zu Kauders Abwahl: „Eine echte Watschn für Merkel“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%