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Erdogan

US-Medien sehen die Schuld für die Währungskrise in der Türkei vor allem beim Staatspräsidenten Erdogan.

(Foto: Reuters)

Pressestimmen zur Türkei „Die USA treten die Türkei, während diese schon am Boden liegt“

Der Kursverlust der türkischen Lira und der Zustand der Türkei ist auch großes Thema in den Medien. Eine Übersicht.
Update: 14.08.2018 - 10:36 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf, New YorkDie Währungskrise in der Türkei löst Besorgnis unter Ökonomen aus. Experten weltweit sehen die Schuld vor allem beim türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Kritik gibt es aber auch an den USA.

Wall Street Journal – Tobender King Lear auf der Heide

Das „Wall Street Journal“ (WSJ) beschreibt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – der gegen „Donald Trump, die Finanzmärkte, den US-Dollar und jeden anderen, den er für die Währungskrise in seinem Land verantwortlich machen kann, austeilt“ – wie ein auf der Heide tobender King Lear.

US-Präsident Donald Trump habe aber nur ein „Streichholz auf bereits sehr trockenem Material“ gezündet, heißt es weiter. Das Kernproblem seien jahrelanges monetäres Missmanagement und zu viele Schulden in der Türkei. Wie die meisten Autokraten, so das Wall Street Journal, glaube Erdogan, er könnte die Märkte schikanieren, wie er es mit dem Militär tat.

Zu Erdogans Forderung an die Bürger, sie sollten mit ihrem Gold türkische Lira kaufen, schreibt das Blatt: „Mit dem weiteren Verfall der Lira würden nur noch mehr Türken ärmer werden.“ Erdogan wolle die Zinsraten nicht steigen lassen, „aber die Notenbank wird kaum Alternativen dazu haben“, wenn sie Panik verhindern wolle. Er wolle keine internationale Rettungsaktion, doch sollte er die Sorgen in seinem Land nicht minimieren können, „wird er den Internationalen Währungsfonds um Hilfe anbetteln müssen“.

Financial Times – Krise ist größtenteils selbstverschuldet

Die „Financial Times“ (FT) schreibt: „Die Tragödie der sich verschärfenden türkischen Währungskrise ist, dass sie größtenteils selbst selbstverschuldet ist.“ Erdogans Entscheidungen veranlassten die Märkte, aggressiv gegen die Lira vorzugehen, heißt es weiter. Erdogan habe „höchst unorthodoxe wirtschaftliche Ansichten“, urteilt das Blatt.

Die „FT“ konzentriert sich in dem Beitrag aber auch auf die möglichen Folgen der Krise in der Türkei für andere Länder. Am wahrscheinlichsten würden die Probleme der Türkei auf andere Länder übergreifen, wenn sich die Stimmung der Investoren gegenüber anderen anfälligen Märkten verschlechtert.

Um die Risiken zu verdeutlichen, zitiert die „FT“ Zahlen des Institute of International Finance. Demnach ist die Verschuldung der 30 größten Schwellenländern von 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2011 auf 211 Prozent im ersten Vierteljahr 2018 gestiegen.

Neue Züricher Zeitung – Russland und China könnten Türkei auffangen

Die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) nimmt sich der Spannungen Spannungen zwischen der Türkei und den USA etwas allgemeiner an. Das bilaterale Verhältnis sei so belastet wie nie. „Immer wieder hat Erdogan in der letzten Zeit angedeutet, die Partnerschaft mit den USA aufzukündigen. Dass er diese Drohung wahr machen könnte, erscheint mittlerweile keineswegs mehr undenkbar.

Russen und Chinesen stünden bereit, um die Lücke zu füllen, wenn die „für den Westen strategisch so wichtige Nato-Mitgliedschaft der Türkei“ kippt. Es sei zweifelhaft, spekuliert die NZZ, dass sich Erdogan „von einer Wirtschaftskrise aus dem Amt jagen lässt. Eine Niederlage ist für Erdogan schlicht nicht akzeptabel.“

CNBC – Die Situation in der Türkei ist komplizierter

CNBC bespricht ebenfalls die Möglichkeit, dass aus der türkischen Krise eine globale werden könnte. Obwohl es zunächst nicht danach aussehen würde, heizt der starke US-Dollar in Verbindung mit schwächelnden Schwellenmarktwährungen das Problem an, schreibt CNBC.

Weil in der Türkei vor allem Unternehmen involviert sind und so die Krise mehr private als öffentliche Schulden umfasst, sei diese Krise komplizierter. Türkische Schuldner besäßen hohe Schulden in Fremdwährungen, ihr Vermögen aber werde in der fallenden Landeswährung gehalten. Insgesamt belaufen sich die Auslandschulden für türkische Unternehmen den Informationen von CNBC zufolge auf 220 Milliarden Dollar.

„Wir spüren die Verwirrung, es besteht echte Besorgnis“, die Krise könnte global um sich greifen, zitiert CNBC einen seiner Experten. „Und die Dinge laufen ziemlich schlecht.“ Kritik gibt es dabei auch für US-Präsident Trump: „Wir sind bestürzt darüber, dass die USA die Türkei treten, während sie am Boden liegt und unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidet.“ Trumps Schritt habe die türkische Lira tiefer sinken lassen.

El Mundo – Stehen vor einer perfekten Krise

Die spanische Zeitung bezeichnet den Absturz der türkischen Währung und das Risiko einer Destabilisierung des Landes als besorgniserregend. „Die Zentralbank in Ankara hat gestern versichert, sie werde jede nötige Liquidität zur Verfügung stellen, um den Spekulationen gegen die heimische Währung entgegenzutreten. Aber das ist ganz offensichtlich nicht genug.“

Trump, der die Krise ausgelöst habe, wolle nicht einsehen, „dass die Weltwirtschaft von Regeln wie denjenigen der Welthandelsorganisation gesteuert wird und dass deren Nichteinhaltung verheerende Folgen hat“. Neben dieser Verantwortungslosigkeit des US-Präsidenten sei das fehlende Vertrauen der Märkte in die Wirtschaftspolitik Erdogans ein weiteres Problem, schreibt „El Mundo“.

New York Times – Grenzen des autoritären Ansatzes

„Türkeis schlimmste wirtschaftliche Krise seit 2001 konfrontiert Erdogan mit den Grenzen seines autoritären Ansatzes“, schreibt die „New York Times“ (NYT). „Und es könnte seinen langjährigen Erfolg beenden.“

Auch das New Yorker Blatt macht den türkischen Präsidenten für den Zustand in seinem Land größtenteils verantwortlich. Die Krise habe weniger mit dem Streit zwischen Erdogan und Trump zu tun als vielmehr damit, dass der türkische Präsident die Geldpolitik seinen politischen Zielen anpassen will.

De Standaard – Spannungen zwischen Rom und Brüssel

An einer türkischen Depression oder einer Destabilisierung des Landes habe niemand ein Interesse, schreibt die belgische Zeitung „De Standaard“. Nicht auszumalen, was das für die Flüchtlingsroute über den Balkan bedeuten könnte, die die Türkei auf Wunsch der EU geschlossen hält. „Daran möchten EU-Regierungschefs am liebsten gar nicht denken.“

Ein deutlich höheres Risiko für die Euro-Zone sieht das Medium in der Politik Italiens. Trotz der Versprechen aus Rom, die Pläne für einen Austritt der Währungszone aufzugeben, seien die Spannungen längst nicht ausgeräumt.

Aftenposten – Währungskrise stoppt nicht an Landesgrenzen

Die konservative norwegische Tageszeitung aus Oslo legt ihr Augenmerk auf Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Dieser schlage moderatere Töne an als Erdogan und erinnere die USA an die „alte Freundschaft“ und die gemeinsame Nato-Mitgliedschaft.

Mit Bezug auf die Lira urteilt „Aftenposten“: „Wenn die Währung billig ist, sinken die Importpreise für türkische Waren. Das kann unmöglich sein, was der amerikanische Präsident Donald Trump will.“

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