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Private Colleges Der Geschäftserfolg privater US-Hochschulen geht zulasten von Kunden und Staat

Am Beispiel von Privatcolleges zeigen Studien, dass privates Beteiligungskapital bei intransparenten Produkten schlechte Ergebnisse bringt.
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Gewinnorientierte Universitäten versprechen ihren Absolventen gute Jobchancen, können das aber oft nicht einhalten. Quelle: dpa
Studenten bei Abschlussfeier

Gewinnorientierte Universitäten versprechen ihren Absolventen gute Jobchancen, können das aber oft nicht einhalten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Ein Zitat des klassischen Ökonomen Adam Smith gilt als prägnanteste Kurzfassung der Vorteile des privaten Unternehmertums und der Marktwirtschaft: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“ Das Gewinninteresse sorgt demnach dafür, dass den Nachfragern attraktive Angebote gemacht werden.

An Beispielen für das segensreiche Wirken dieses Mechanismus und negativen Gegenbeispielen aus staatlichen Planwirtschaften fehlt es nicht. Dennoch lauert eine Gefahr darin, die Steuerung über das Gewinninteresse für generell überlegen zu halten. Denn es gibt Märkte und Branchen, bei denen Gewinninteresse der Anbieter und Kundeninteresse in einem Gegensatz stehen.

Das haben gerade wieder zwei ökonomische Studien aus den USA deutlich gemacht. Studienobjekt waren jeweils die privaten, gewinnorientieren Colleges, die Anfang der 1990er-Jahre in den USA eingeführt wurden und ab da fast wie Pilze aus dem Boden schossen. Um 2011 erreichten sie mit rund zwei Millionen Studenten und einem Marktanteil von zehn Prozent den Gipfel ihrer Bedeutung.

Danach verblasste ihr Glanz aufgrund vielfältiger Vorwürfe, es werde den Studenten zu viel versprochen und für zu viel Studiengebühren zu wenig geliefert. Unter Präsident Barack Obama wurde die Branche daher verschärft reguliert. Einige Anbieter zogen sich zurück oder gingen nach hohen Strafzahlungen in Insolvenz.

Unter Trump, der selbst wegen seiner „Trump University“ eine Millionenstrafe zahlen musste, wird die Regulierung allerdings zurückgedreht und die Branche expandiert wieder. Zwei Ökonominnen der New Yorker Stern School of Business und ein Soziologe der University of California haben detailliert untersucht, was passiert, wenn besonders gewinnorientierte Anbieter private Universitäten übernehmen.

Diese Anbietergruppe hört auf den Namen Private Equity, zu Deutsch: Privates Beteiligungskapital. Sie zeichnen sich im Vergleich zu Aktiengesellschaften oder Familienunternehmen dadurch aus, dass den Kapitalgebern eine hohe Rendite versprochen wird. Deshalb kaufen diese Investoren gezielt Unternehmen, bei denen sich die Gewinne schnell und kräftig nach oben treiben lassen.

Im Durchschnitt führen gewinn‧orientierte Anbieter zu schlechteren Ergebnissen für die Studenten. Luis Armona, Rajashri Chakrabarti , Michael Lovenheim, Ökonomen der Fed

Der Titel der Studie enthält bereits das Ergebnis: „When Investor Incentives and Consumer Interests Diverge: Private Equity in Higher Education“ lautet er, also: „Wenn Investorenanreize und Konsumenteninteressen auseinanderklaffen.“ Charlie Eaton, Sabrina Howell und Constantine Yannelis stellen darin fest: Nach der Übernahme durch Private-Equity-Investoren verdreifachen sich die Gewinne im Durchschnitt.

Studentenzahlen steigen aus einem Grund

Das erreichen die Anbieter, indem sie die Studiengebühren erhöhen, mehr Studenten aufnehmen und gleichzeitig den Personaleinsatz reduzieren. Dass das der Qualität nicht guttut, liegt auf der Hand und es zeigt sich auch in der Statistik. Nachdem Privatcolleges in den Besitz von Private-Equity-Investoren wechseln, gehen die Abschlussraten der Studenten steil nach unten und die späteren Einkommen der Absolventen sinken.

Gleichzeitig steigt die Verschuldung mit staatlich garantierten Studienkrediten wegen der hohen Gebühren.

Die Studierenden können häufiger ihre Kredite nicht zurückzahlen. Dass die Studentenzahlen trotz höherer Gebühren anwachsen, hat einen gemeinsamen Grund: Die untersuchten Colleges steigern ihre Marketingausgaben erheblich und werben aggressiv mit der Möglichkeit, die Studiengebühren mit Studienkrediten zu decken, die man angeblich später leicht von hohen Gehältern zurückzahlen könne.

Das Autorenteam kommt zu dem Ergebnis, dass der Geschäftserfolg vor allem auf der Fähigkeit beruht, staatliche Subventionen abzugreifen. Das belegen sie mit einigen Tests. So untersuchten sie, was passierte, als 2007 die Obergrenze für Studienkredite angehoben wurde. Private-Equity-Colleges erhöhten daraufhin ihre Studiengebühren am schnellsten.

Auch fielen die Kurse börsennotierter Privatcollege-Anbieter sehr kräftig, als 2011 ein Gesetz angekündigt wurde, das staatliche Subventionen an die Arbeitsmarktperformance der Absolventen koppeln sollte. Das lege nahe, dass die Einnahmen der profitorientierten Colleges stark davon abhängen, unabhängig von der Qualität der eigenen Leistung, an staatliche Hilfen zu kommen.

Starke finanzielle Anreize führten in dieser Branche also nicht über bessere Leistungen für die Konsumenten, sondern über ein effizienteres Abgreifen staatlicher Hilfen zu höheren Gewinnen, folgern die Autoren.

Transparenz ist wichtig

Den Gegenpol, bei dem die Verheißung von Adam Smith meist in Erfüllung geht, bilden Branchen mit hohem Wettbewerb, transparenter Qualität des Angebots und schnellem Feedback, wie Restaurantketten und Konsumprodukte.

Für diese hat Albert Sheen von der University of Oregon positive Effekte von Private-Equity-Übernahmen für die Kunden nachgewiesen, einmal zusammen mit Shai Bernstein und einmal mit Cesare Fracassi und Alessandro Previtero.

Vielleicht nicht von ungefähr sind Private-Equity-Investoren gerade in den Branchen besonders aktiv, in denen wie im Bildungssektor die Produktqualität schwer und erst mit Jahren Verzögerung festgestellt werden kann und in denen staatliche Beihilfen die direkten Ausgaben der Kunden ersetzen oder ergänzen. Die Autoren nennen Gesundheit, Infrastruktur und Militärtechnik als Beispiele.

In der zweiten Studie „How Does For-Profit College Attendance Affect Student Loans, Defaults and Labor Market Outcomes”, vergleichen drei Ökonomen von der Federal Reserve of New York und den Universitäten Cornell und Stanford private Colleges mit staatlichen.

Luis Armona, Rajashri Chakrabarti und Michael Lovenheim treiben noch mehr Aufwand als die Autoren der erstgenannten Studie, um den Einfluss einer ungünstigen Sozialauswahl der Studenten in den privaten Colleges herauszurechnen. Private Colleges haben in der Regel mehr farbige Studierende und solche aus Haushalten mit niedrigeren Einkommen.

Sie kommen aber ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Studenten dort am Arbeitsmarkt schlechter abschneiden als bei öffentlichen Colleges, was um so schlimmer ist, als sie höher verschuldetet sind und mit ihren schmalen Gehältern die Studienkredite oft nicht zurückzahlen können.

Um ganze elf Prozentpunkte ist die Rate der Kreditausfälle höher als bei Absolventen staatlicher Colleges. „Im Durchschnitt führen gewinnorientierte Anbieter zu schlechteren Ergebnissen für die Studierenden“, fassen die Autoren ihre Ergebnisse zusammen. Sie fragen deshalb kritisch, ob es wirklich sinnvoll ist, dass über die staatlichen Finanzhilfen für Studenten viel Geld in den schlecht abschneidenden Sektor fließt.

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