Pro Es gibt ohnehin keine Alternative

Die Eurobonds werden so oder so kommen, obwohl gemeinsame Schulden den Sparanreiz zunichte machen. Daher muss Deutschland auf harte Bedingungen drängen, wenn es seine Bonität hergibt - sonst gnade uns Gott.
  • Bernd Ziesemer
48 Kommentare
Bernd Ziesemer war Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Bernd Ziesemer war Chefredakteur des Handelsblatts.

(Foto: Pablo Castagnola)

Auch die jetzige Verschuldungskrise muss man, frei nach einem Lieblingsmotto von Angela Merkel, vom Ende her denken. Schaut man sich ähnliche Verwerfungen der Vergangenheit an (zum Beispiel die Spekulationswelle gegen das britische Pfund Anfang der neunziger Jahre), dann dämmert schnell: Große Währungskrisen enden immer mit einer schlagartigen Kapitulation - entweder der beteiligten Staaten oder der Spekulanten.

Im Kern geht es bei den jetzigen Problemen in der Euro-Zone um einen Käuferstreik: Niemand will mehr Staatsanleihen aus den überschuldeten Südländern der Gemeinschaft kaufen, solange die Risiken eines teilweisen Kapitalverlusts (zum Beispiel durch den berühmten Hair-Cut) lauern. Erst wenn die Staatsanleihen dieser Länder wieder als sichere Anlageform gelten, kommen die privaten Investoren in ausreichender Zahl zurück. Sonst kann die Europäische Zentralbank (EZB) ad infinitum griechische oder italienische Papiere kaufen - oder der Rettungsfonds muss endlos retten.

Da die schnelle finanzielle Gesundung von Ländern wie Griechenland pure Illusion bleibt, gibt es ganz am Ende wahrscheinlich doch nur eine Option: die Einführung von Eurobonds. Anders als viele SPD-Politiker und Grüne halte ich das allerdings nicht für eine wünschenswerte, sondern lediglich für eine unvermeidliche Entwicklung. Denn mit der Einführung von Eurobonds potenziert sich die Gefahr einer vollständigen finanziellen Verluderung in den PIIGS-Staaten.

Der Fachmund nennt es "moral hazard". Wenn die stärksten Anreize für haushaltspolitische Disziplin wegfallen, müssen auf jeden Fall andere Mechanismen an ihre Stelle treten. Sonst Gnade uns Gott. Wünschenswert wäre ein Verzicht auf Eurobonds - aber als Realist muss man davon ausgehen, dass wir sie am Ende so oder so bekommen werden. Deshalb hilft es nicht, dieses Instrument politisch prinzipiell zu verdammen, wie es beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler tut. Viel sinnvoller wäre eine Diskussion darüber, welche Bedingungen für die Einführung von Eurobonds vorhanden sein müssen - und wie sie konkret ausgestaltet sein sollten.

Drei Punkte scheinen dabei essenziell:

1. Alle Länder der Euro-Zone müssten in ihre Verfassungen wirksame "Schuldenbremsen" aufnehmen, die nur mit Zweidrittelmehrheit wieder gekippt werden könnten.

2. Die Sanktionsmöglichkeiten des europäischen Stabilitätspakts gilt es, massiv zu verschärfen und zu automatisieren.

3. Mangelnde Haushaltsdisziplin muss bestraft werden - zum Beispiel, indem sich abhängig von bestimmten Kennzahlen automatisch der nominale Zins erhöht.

Wim Boonstra, Chefökonom der holländischen Rabobank, brachte es in einem Leserbrief an die "Financial Times" auf den Punkt: Die Eurobonds müssen so ausgestaltet sein, dass auch die stärkeren Mitgliedsländer von ihrer Einführung profitieren.

Bernd Ziesemer ist Publizist und war lange Jahre Chefredakteur des Handelsblatts. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Pro - Es gibt ohnehin keine Alternative

48 Kommentare zu "Pro: Es gibt ohnehin keine Alternative"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Ziesemer, hatten Sie nicht gerade in Ihrem Artikel gesagt, dass etliche Euroländer-Regierungen, wie Frankreich, automatische Sanktionen für Defizitsünder bereits abgelehnt haben?. Sie denken doch wohl nicht ernsthaft, dass sich das ändern wird? Ich gehe davon aus, dass nach und nach sämtliche EU-Länder unter den „Rettungsschirm“ kriechen werden. Wir werden bis zum Schluss und dem totalen Zusammenbruch dafür zahlen. So soll es auch sein!- Dann liegt ganz Eurpa am Boden. Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, was danach passiert?- Machen Sie es!- Viele Grüße an die „Neue Weltordnung“!- Raten Sie einmal von wem die kommt!

  • Griechenland hätte nie in den Euro gedurft. Auch Italien nicht. Die Fehler der damaligen und heutigen Entscheidungsträger (z.T. noch im Amt) sollen die Steuerzahler bezahlen. Kein Deutscher durfte abstimmen, ob manden Euro wollte, ob I o0der Gr dabei sind. Die Verantwortungsträger, voran Juncker, der seit 2002 der Eurogruppenchef ist, schreien hysterisch nach Eurobonds, um ihr verblendetes Fehlkonstrukt zu retten, zu Lasten der Bürger. Und meinen, jetzt zu wissen, was richtig ist. Für deren Arroganz müssen nachfolgende Generationen bluten.

  • Was soll diese leere PHrase ."Die Eurobonds müssen so ausgestaltet sein, dass auch die stärkeren Mitgliedsländer von ihrer Einführung profitieren." Wo bleiben die konkreten Beispiele, wie überhaut stärkere Mitgliedsländer profitieren könnten.
    Nennen Sie Zinssteigerungskosten und Haftung ausgedehnt auf nächste generationen "profitieren"?
    Alle anderen Punkte : Träumereien. Als ob die PIIGS nicht schwuppdiewupp eine 2/3 Mehrheit zaubern können.
    Man soll die Geschwindigkeit nicht unterschätzen: Im Fordern der eurobonds sind die PIIGS blitzschnell, im Planen von Sparpaketen auch, aber die große Umsetzung wird in die Zukunft, oder nach Präsidentschaftsahlen verschoben.
    Außerdem: was passiert bei einer weltweiten Rezession? Da können die PIIGS nichts einhalten. Die Pros sind nicht überzeugend. Lieber den Euro dahin verfrachten wo er hingehört: In die Geschichte der Währungen.
    Auf Dauer ist es für D billiger auszusteigen, als über Jahre höhere Zinskosten zu tragen. Wieso sollen deutsche Steuerzahler andere Staatens Schulden übernehmen? Oder ist die EU ein Bundesstaat geworden?

  • Eurobonds sind volkswirtschaftliche Massenvernichtungswaffen. Neben den Zinsaufschlägen für Deutschland, die sich bei einer gemeinsamen Bruttoinlandprodukthaftung von 60-Prozent auf derzeit 50 Mrd. Euro belaufen, wird Deutschland bei Einführung dieses Systems sein AAA-Rating verlieren und auch für den Rest der Bundesschulden höhere Zinsen - vielleicht in Summe 10 Mrd. - zahlen müssen. Sollte sich die wirtsch. Situation in den vielen Krisenländern weiter verschlechtern - und wer zweifelt daran eigentlich noch? - könnten aus diesen 60 Mrd. durch weitere Zinsspreizungen schnell 100 Mrd. Euro jährlich und zeitlich unbegrenzt werden. Nachträglicher Ausstieg unmöglich! Aber es wird noch schlimmer kommen: Einzelne Eurobondländer - z.B. Italien - werden trotz dieser Hilfsmaßnahmen in Teilen zahlungsunfähig werden und ihre Zinsen auf die Bonds nicht mehr bedienen können. Die 1,1 Billionen (!!!) an Eurobond-Schulden von Italien müssten dann von anderen Eurobondländer mitbedient werden - hier greift das Prinzip der gemeinsamen Haftung. Summen lassen sich hier nur noch schätzen, aber allein für diese Schulden könnten dann bis zu 40 Mrd. Euro an Zusatzbelastungen jährlich und bis in alle Ewigkeit entstehen. Nur für Italien! Sollten dann weitere Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien usw. folgen, löst sich der Euro trotz Bonds in Antimaterie auf - leider auch die deutsche Volkswirtschaft! Denn unser Bundeshaushalt beträgt gerade einmal 300 Mrd. Euro! Eine nette Referenzgröße, die klar macht, dass die Situation schon jetzt völlig eskaliert ist.

  • @HH_Köln - partei der vernunft ? noch nie was von gehört,werde mir aber die Website ansehen.

    Fürchte nur, wenn die sich etwas aus der Deckung wagen, wird von den gleichgeschalteten Medien und den Parteien draufgeschlagen.

  • Zitat: Eine neue Partei, die etwas stärker die nationalen Interessen vertreten würde ist nicht in Sicht.

    FALSCH !!!!!

    www.parteidervernunft.de

  • Egal wie es gedreht und gewendet wir, der Schuldenschnitt wir unweigerlich kommen, mit Eurobonds wahrscheinlich nur etwas schneller. Auch D wird mit herab gerissen. Jeder mit etwas Verstand sollte sich darauf vorbereiten!
    Zu Verantworten haben dies zum großen Teil Politiker der letzten Jahrzehnte. Uns zwar in ganz Europa.

  • Eine neue Partei, die etwas stärker die nationalen Interessen vertreten würde ist nicht in Sicht.

    FALSCH !!!!!

    www.parteidervernunft.de

  • Ein Alt-68er und ehemaliger Mitglied der maoistischen KPD (Wiki) befürwortet also Eurobonds, nicht zu fassen, aber nachvollziehbar und alternativlos...
    Solche Trojaner sitzen in allen wichtigen Gremien unserer Bananenrepublik...
    Das Handelsblatt ist eben kein Wirtschaftsblatt!

  • Jetzt werden wohl wieder einige sagen, die Chinesen, Araber und Inder kaufen, auch bereits etliche Zentralbanken und im kommenden Jahr geeht es über US$ 2500.

    Es sollte heißen, : Jetzt werden wohl wieder einige sagen, Gold befindet sich in einem Bubble und ist schon viel zu teuer, aber die Chinesen, Araber und Inder kaufen, auch bereits etliche Zentralbanken.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%