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Protektionismus Studien: Wirtschaftlicher Schaden von Trumps Handelskrieg gering

Erste Analysen zeigen: Mit dem Handelsstreit schadet Donald Trump zwar sich und der US-Wirtschaft. Doch die Auswirkungen halten sich in Grenzen.
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In Harpers Ferry, West Virginia, übt eine Zöllnerin in einem Videoraum. Quelle: Reuters
Training von US-Zöllnern

In Harpers Ferry, West Virginia, übt eine Zöllnerin in einem Videoraum.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer US-Präsident ging die Sache gewohnt forsch und siegessicher an. Als er den ersten größeren Handelskrieg seit der Weltwirtschaftskrise vom Zaun brach, sagte Donald Trump: „Einen Handelskrieg zu gewinnen ist leicht.“ Dem hielt die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, am Donnerstag entgegen: „Niemand gewinnt einen Handelskrieg.“

Drei aktuelle Wirkungsanalysen hochkarätiger Teams von Wirtschaftsforschern geben Lagarde recht und scheinen Trump als Aufschneider zu entlarven. Doch bei genauem Hinsehen sind die politischen Rückschläge für Trump und die Schäden für die US-Wirtschaft, die die Ökonomen identifizieren, bemerkenswert gering.

Los ging es im Januar 2018 mit Zöllen von 20 bis 50 Prozent auf Solarmodule und Waschmaschinen, im März kamen Zölle auf manche und ab Juni dann auf alle Aluminiumimporte hinzu. Richtig zur Sache ging es ab Juli mit drei Wellen von Zöllen auf chinesische Produkte. Alles in allem waren nach der Studie von Mary Amiti (Federal Reserve New York), Stephen Redding (Princeton) und David Weinstein (Columbia) Importe im Wert von 283 Milliarden Dollar betroffen, fast ein Achtel aller Importe.

Die betroffenen Länder revanchierten sich mit Sonderzöllen auf amerikanische Exportprodukte im Wert von 121 Milliarden Dollar. Die drei Studien stellen fest, dass die Importzölle in beide Richtungen an die Käufer weitergegeben wurden, dass die Exporteure also jeweils keine Preiszugeständnisse machten. Was die Preiswirkung angeht, kam es damit zu einer reinen Umverteilung von Käufern ausländischer Produkte zu den jeweiligen Regierungen, die die Zolleinnahmen kassierten.

Zusätzlich wird durch die Verteuerung ausländischer Konkurrenzprodukte Nachfrage zu heimischen Produzenten umgelenkt. Diese können ihre Produkte teurer verkaufen und mehr absetzen. Per saldo ergibt sich aus den Zusatzkosten für die Konsumenten und den Zusatzeinnahmen von Staat und heimischen Produzenten aber ein Schaden, weil die Preise der Produkte steigen und weniger davon verkauft werden.

Dadurch werden Güter nicht produziert, die den Konsumenten mehr wert wären als die Produktionskosten. Die Höhe des Schadens beziffern die Studien unterschiedlich, aber in der gleichen Größenordnung. Die Truppe um die Notenbankökonomin Amiti taxiert den Schaden auf 16,8 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das ist 0,08 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, mithin sehr überschaubar. Ein Team mit Pablo Fajgelbaum (University of California), Pinelopi Goldberg (Weltbank), Patrick Kennedy (Berkeley) und Amit Khandelwal (Columbia) kommt mit einer anderen Methodik auf einen halb so hohen Nettoschaden der US-Wirtschaft aus den eigenen Zöllen von 0,04 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Modell lässt wichtige Handelsstreit-Aspekte aus

Mitzudenken ist dabei, dass fast jede Form der Staatsfinanzierung diese Art ökonomischen Schaden verursacht. Dass der Schaden aus den Zöllen größer ist, als wenn der Staat die Zolleinnahmen mit einer Steuer eintreiben würde, legen die Studien nicht dar. Ohnehin lässt die zugrunde gelegte neoklassische Theorie mit ihren Annahmen keinen Platz für eine positive Wirkung von Zöllen.

Das liegt daran, dass darin vollkommene Konkurrenz herrscht und alle Arten von Produktion für die Volkswirtschaft gleich wertvoll sind. Es gibt keinen Wertigkeitsunterschied zwischen einfachen landwirtschaftlichen Produkten und der Herstellung von Hightech-Maschinen. Andererseits vereitelt die Annahme vollständiger Konkurrenz im neoklassischen Analysemodell, dass die Ökonomen hohe Schäden finden.

Denn wenn die Absatzpreise überall nur knapp über den Produktionskosten der letzten Einheit liegen, verlieren die Unternehmen kaum etwas, wenn sie weniger absetzen können. Ersatzweise verweisen Amiti und Co. auf einen vermuteten Hauptschaden, den sie nicht beziffern können. In der Summe werde wegen des Handelskriegs Produktion im Wert von 13,8 Milliarden Dollar pro Monat über nationale Grenzen hinweg verlagert.

„Die Kosten in Form von entwerteten Produktionsanlagen und Umstellung der Zuliefer- und Absatzketten dürften enorm sein“, spekulieren sie. Ob die Strafzölle gegen China der Absicht der US-Regierung gedient haben, Chinas Made-in-China-Initiative zu bremsen, lässt sich im Rahmen solcher Modelle nicht beurteilen.

Mit dieser Initiative will China bei den anspruchsvollsten Produkten konkurrenzfähig werden, um den heimischen Wertschöpfungsanteil zu steigern, und damit die Löhne, die gezahlt werden können. Das Team Fajgelbaum und Co. und ein britisches Ökonomenduo haben sich mit den Auswirkungen des Zollstreits auf US-Wahlen befasst.

Ersteres Team stellt fest, dass die amerikanischen Zölle vor allem Branchen begünstigt haben, die in Landkreisen mit annäherndem Stimmenpatt zwischen Demokraten und Republikanern konzentriert sind. Die Vergeltungszölle dagegen hätten die stärkste negative Wirkung auf die Einwohner von Landkreisen gehabt, die ohnehin fest in der Hand der Republikaner sind.

Thiemo Fetzer und Carlo Schwarz von der University of Warwick stellen in leichter Abweichung davon fest, dass die Vergeltungszölle gezielt Produkte aus Gegenden betreffen, die bei den Präsidentschaftswahlen von 2016 gegenüber den Wahlen von 2014 besonders stark zu Donald Trump umgeschwenkt waren.

„Die Vergeltung war sehr fein abgestimmt“, schreiben sie. Für die EU berichten sie von einem geheimen Algorithmus, den die EU-Kommission dafür verwende. Bei den Produkten, darunter Whisky und Motorräder, werde darauf geachtet, dass es gute heimische Alternativen gibt, damit die EU sich durch die Gegenzölle nicht selbst schadet.

Politischer Schaden fällt klein aus

Trotz ihrer Feststellung, dass die Gegenzölle erkennbar darauf abzielten, Trump politisch zu schaden, tun sich Fetzer und Schwarz schwer, einen deutlichen politischen Schaden nachzuweisen. Ihr Maßstab sind die Wahlergebnisse der Republikaner bei den Kongresswahlen im November 2018 relativ zu 2016.

Ausgerechnet für die besonders stark auf Trumps Wählerbasis abzielenden EU-Gegenzölle finden sie keine politischen Wirkungen und für die Senatswahlen insgesamt auch nicht. Lediglich für die Gegenzölle Chinas, Kanadas und Mexikos finden sie eine nennenswerte negative Wirkung auf das republikanische Wahlergebnis.

Auch bei der Untersuchung der Zustimmungswerte von Präsident Trump ermitteln die Autoren nur eine „gewisse Evidenz“ für einen negativen Einfluss der Gegenzölle, vor allem bei Wählern der Demokraten. Bei diesen liegt die Zustimmung für Trumps Politik ohnehin nur bei rund fünf Prozent. Bei Wählern, die sich als unabhängig bezeichneten, fanden sie nur schwache Effekte, die zufällig sein könnten. Auf diese Wähler kommt es besonders an.

Die drei Studien liefern zwar keine Indizien dafür, dass Trump seine Handelskriege tatsächlich gewinnt. In Anbetracht der Tatsache, dass Handelskriege mindestens seit der Weltwirtschaftskrise als das Dümmste gelten, was man wirtschaftspolitisch tun kann, finden Ökonomen aber mit ihren Mitteln bisher nur recht begrenzten Schaden, sowohl für die US-Wirtschaft als auch für Trump.

Ob das nur daran liegt, dass der neoklassische Modellrahmen ungeeignet ist, die Hauptnachteile von Zöllen zu ermitteln, oder ob sie tatsächlich so gering sind, bleibt offen.

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