Protest Zehntausende demonstrieren gegen Rumäniens Regierung

Die Demonstranten fordern Neuwahlen und ein Ende der Korruption in Rumänien. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei vom Vortag schreckt die Menschen nicht ab.
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Auch am Wochenende versammeln sich Rumänen vor dem Regierungssitz und leuchten mit Laserlicht und Taschenlampen. Quelle: dpa
Proteste in Rumänien

Auch am Wochenende versammeln sich Rumänen vor dem Regierungssitz und leuchten mit Laserlicht und Taschenlampen.

(Foto: dpa)

BukarestZehntausende Rumänen haben den zweiten Tag in Folge gegen ihre Regierung protestiert. Die Demonstranten zogen am Samstag mit rumänischen und europäischen Flaggen vor Regierungsgebäude in der Hauptstadt Bukarest. Dort waren am Freitag die Proteste eskaliert: Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, 455 Menschen wurden verletzt und mussten medizinisch behandelt werden.

„Habt keine Angst!“, riefen die Demonstranten. Neben Ausrufen wie „Rumänen erhebt euch“ schallte es, an die Regierung gewandt, „Ihr Diebe!“ durch die Straßen. Die Teilnehmer der Protestaktion forderten Neuwahlen, um die regierenden Sozialdemokraten abzulösen. Sie bliesen Vuvuzelas und strahlten Regierungsbüros mit der Aufforderung „Nieder mit der Regierung“ an. Die Polizei sperrte das Gebiet rund um den Siegesplatz ab.

„Wir wollen nach Rumänien zurückkehren“, sagte Isabela Conduruta, die seit zwölf Jahren in Deutschland als Reinigungskraft arbeitet. „Aber es gibt zu viel Korruption und das Gesundheitssystem ist schlecht.“ Demonstrant Sorin Radu sagte, viele Politiker seien korrupt. Außerdem warf er ihnen vor, weit weg von gewöhnlichen Menschen zu sein. „Ich bin hier, um zu versuchen, etwas zu verändern.“ Kritiker der Regierung erklären, seit der Amtsübernahme der Sozialdemokraten 2016 komme der Kampf gegen Korruption nur schleppend voran. Sie fordern einen Rücktritt der Regierung.

Die rumänische Polizei verteidigte am Samstag das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten am Freitag. Ein Sprecher der Bereitschaftspolizei, Marius Militaru, sagte, gegen acht Verdächtige werde wegen der Gewalt ermittelt. Die Beamten hätten Anweisungen aus dem Rathaus Folge geleistet, den Siegesplatz nach stundenlangen Protesten zu räumen. Ein anderer Polizeisprecher erklärte, die Gewalt sei gerechtfertigt gewesen, weil die Demonstranten mehrfach aufgefordert worden seien, den Platz zu verlassen.

Die Beamten setzten am Freitag Tränengas und Wasserwerfer gegen die Teilnehmer der Protestaktion ein. Aus den Reihen der Demonstranten flogen Steine, Flaschen und Rauchbomben. 70 von den mehr als 450 Verletzten seien in Krankenhäuser gebracht worden, darunter elf Beamte, sagte Militaru.

Innenministerin Carmen Dan erklärte, die Polizei sei nicht gegen friedliche Demonstranten vorgegangen, sondern gegen „gefährliche Hooligans“, die die Autorität des Staates angegriffen hätten. Präsident Klaus Johannis, ein Kritiker der sozialdemokratischen Regierung, verurteilte dagegen „das brutale Eingreifen der Bereitschaftspolizei“. Drei Journalisten, darunter zwei vom österreichischen Rundfunk ORF erklärten, sie seien ebenfalls von Einsatzkräften geschlagen worden.

Auslöser der Proteste waren geplante Gesetzesänderungen, die Kritikern zufolge eine Strafverfolgung bei Korruption erschweren würden.

  • ap
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