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Protestbewegung Pierre de Villiers – Der General, den die Gelbwesten gern als Präsidenten sähen

Von Emmanuel Macron geschasst, von den Demonstranten gefeiert: Der ehemalige Militär-Stabschef avanciert zur Leitfigur von Frankreichs Gelbwesten.
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Ein Teil der Gelbwesten sähe den General inzwischen gern als Präsidenten. Quelle: AFP
Pierre de Villier

Ein Teil der Gelbwesten sähe den General inzwischen gern als Präsidenten.

(Foto: AFP)

ParisWer vor ein paar Monaten gesagt hätte, General Pierre de Villiers könnte eine Identifikationsfigur für viele Franzosen werden, wäre ausgelacht worden. Wer diese Möglichkeit heute noch außer Acht ließe, handelte leichtfertig. Der von Präsident Emmanuel Macron Mitte 2017 zum Rücktritt gedrängte höchste Offizier Frankreichs erfährt in diesen Tagen viel Zuwendung. Sie ist ein Maß der Erschütterungen, die das zweitgrößte EU-Land durchziehen.

Mehrere Sprecher der „Gelbwesten“ („gilets jaunes“), die mit ihrer Steuerrevolte den Präsidenten am liebsten aus dem Amt jagen würden, wünschen sich de Villiers als politischen Führer. „Ich sähe General de Villiers gerne an der Spitze der Regierung, er hat ganz Frankreich gedient, von links bis rechts“, sagte Christophe Chalençon von den Gelbwesten aus dem Département Vaucluse am Montag.

Der 62-Jährige tritt aus dem Schatten. Daniel Cohn-Bendit, deutsch-französischer Grüner und Veteran der Rebellion vom Mai 1968, sagt: „Der Unterschied zwischen damals und heute ist: Wir haben gegen einen General (de Gaulle) an der Macht gekämpft, die ,gilets jaunes‘ wollen einen General an der Macht.“ Es gebe eine „autoritäre Versuchung“ bei den Gelbwesten.

Autorität, das ist das Stichwort für Pierre de Villiers. Seit er aus der Armee ausgeschieden ist, hat er zwei Bücher geschrieben, die um diesen Begriff kreisen. Vom ersten, „Dienen“, hat er über 50.000 Exemplare verkauft. Das zweite, „Was ist ein Chef?“, ist gerade erst erschienen.

„Autorität ist nichts spezifisch Militärisches, sie ist das Band, das jede Gesellschaft zusammenhält“, schreibt er darin. Es ist ein intelligent geschriebenes Buch, das die Sorgen vieler Franzosen aufgreift: Verlust von Orientierung, soziale Spaltung, schwindende Souveränität, eine von Maschinen dominierte Wirtschaft und mangelnde Qualität der politischen Führer.

Franzosen werden rebellisch, wenn der König sie nicht mehr respektiert. De Villiers bedient die Sehnsucht nach einem überparteilichen Chef, der die Menschen achtet. „Der Chef ist der Repräsentant der Gruppe, er verkörpert sie, seine erste Qualität ist die Autorität, die auf dem Verständnis beruht, das man nichts ist ohne die anderen“, sagt er.

Bei einem Gespräch in Paris Ende November ist er aufgeschlossen, bereit zur Diskussion. Über sich spricht er mit Selbstironie: „Vergangenes Jahr habe ich noch 250.000 Menschen kommandiert, heute kommandiere ich nur noch mich selbst.“ Doch echte Nähe stellt er nicht her, es bleibt kühle Distanz. 44 Jahre militärische Karriere schüttelt man nicht mal eben aus dem Anzug. Für den schlanken, sehr fit wirkenden Berufssoldaten gibt es keinen großen Unterschied zwischen Führung im Zivilen und bei der Armee: „Auch der Offizier muss Rücksicht auf die Bereitschaft der Truppe nehmen, zu folgen.“

Der Satz soll ausdrücken, wie sehr er als Chef den Menschen einbezieht. Doch er zeigt ein Denken, das um die Begriffe Führen und Folgen kreist. So teilt er auch die Menschen ein, bis in die eigene Familie: Seine Frau sei kein Führer, die meisten seiner sechs Kinder auch nicht, einer der Söhne schon.

„Ich bin kein Politiker, sondern Soldat“

De Villiers stammt aus einer sehr konservativen Familie, einem Adelsgeschlecht aus dem 16. Jahrhundert. Sein Bruder Philippe, Eigentümer eines erfolgreichen Erlebnisparks, zählt im Gegensatz zu Pierre zur extremen Rechten. Die beiden verbindet eins: ihre Ablehnung einer starken EU. „Es gibt keine europäische Souveränität, sondern nur eine nationale“, wischt der General das Ziel einer gemeinsam ausgeübten Souveränität vom Tisch.

Was sind seine Ambitionen? „Ich habe keine parteipolitischen Ziele“, sagt er. Das Präfix „partei“ ist wichtig. Er sieht sich als „Pragmatiker der Autorität“, der dabei helfen wolle, „die Spaltung zwischen Führern und Volk“ zu heilen, zu zeigen, „wie man die Unterstützung all derer zurückgewinnt, die heute schweigend dienen“.

Die Gelbwesten sind für ihn das stärkste Symptom dieses Misstrauens, das nur eine neue Art politischer Führer überwinden könne. „Ich bin kein Politiker, sondern Soldat“, kennzeichnet er sich. In einem Land, das seine Politiker abschütteln möchte, schließt das nichts aus. Im Gegenteil.

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