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Protestbrief aus Washington USA empört über EU-Regulierungspläne

Die lange gefeierte Eintracht der großen Industrienationen im Kampf gegen die Finanzkrise bekommt immer deutlichere Risse. Vor allem bei der Beantwortung der Frage, welche Lehren aus den Ereignissen der Jahre 2008 und 2009 zu ziehen sind, scheinen sich zwei gegnerische Lager zu bilden: Briten und Amerikaner auf der einen und Politiker in Kontinentaleuropa auf der anderen Seite.
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US-Finanzminister Timothy Geithner attackiert die EU-Kommission. Quelle: Reuters

US-Finanzminister Timothy Geithner attackiert die EU-Kommission.

(Foto: Reuters)

NEW YORK/BRÜSSEL/LONDON. Jüngstes und bislang auffälligstes Indiz für die wachsenden Differenzen ist ein gestern öffentlich gewordener Protestbrief von US-Finanzminister Timothy Geithner. Er befürchtet, dass die Europäer amerikanische Hedge-Fonds vom EU-Finanzmarkt fernhalten wollen. Die geplante EU-Richtlinie zu "Alternativen Investmentfonds" (AIFM) enthalte Regelungen, die protektionistisch wirken könnten, beschwerte sich Geithner in einem Schreiben an den zuständigen EU-Kommissar Michel Barnier. Die erste Reaktion des Franzosen fiel kühl aus. Mit der AIFM-Richtlinie setze die EU lediglich Beschlüsse um, auf die sich die 20 größten Industriestaaten und Schwellenländer (G20) beim Weltwirtschaftsgipfel verständigt hätten, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. "Geithner kennt diese Beschlüsse", fügte der Sprecher hinzu. Ähnliche Kommentare waren aus dem Berliner Finanzministerium zu hören.

Der Ton zwischen den USA und Kontinentaleuropa wird rauer

So dissonant war der Ton zwischen den obersten Finanzmarktregulierern dies- und jenseits des Atlantiks lange nicht mehr. Im Kampf gegen die Finanzkrise hatten Amerikaner und Europäer den Schulterschluss gesucht. Doch nun, da das Schlimmste vorbei zu sein scheint, brechen alte Fronten offenbar erneut auf. Die Amerikaner fürchten, dass US-Hedge-Fonds ihre europäischen Investoren verlieren. Für die Branche wäre das ein harter Schlag, denn etwa 25 Prozent der Investorenbasis amerikanischer Hedge-Fonds kommen aus Europa, schätzt der Branchenverband AIMA.

Die umstrittene EU-Richtlinie baut in der Tat eine Hürde auf für Fonds aus Drittstaaten: So sollen sie verpflichtet werden, Banken vor Ort als Wertpapierverwahrer (Custodians) zu nutzen. Sie dürfen zudem in Europa nur dann aktiv werden, wenn es ein "geeignetes Kooperationsabkommen in Übereinstimmung mit internationalen Standards" mit dem Herkunftsstaat des jeweiligen Fonds gibt, heißt es im jüngsten Richtlinienentwurf der spanischen EU-Ratspräsidentschaft, der dem Handelsblatt vorliegt. Die EU-Kommission soll diese Kooperationsabkommen aushandeln. Die USA befürchten aber, dass die Abkommen an Details scheitern könnten, was faktisch auf ein Vermarktungsverbot für US-Fonds in Europa hinauslaufen würde.

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10 Kommentare zu "Protestbrief aus Washington: USA empört über EU-Regulierungspläne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Waren es nicht amerikanische bewertungen durch amerikanische Rating Agenturen, die alle Marktteilnehmer schuldhaft in die Krise geführt haben. Sind die Rating Agenturen schon zur Rechenschaft gezogen worden? Haben unsere banken und Regierungen sie schon in USA verklagt? Wir sollten die Amerikaner immer wieder daran erinnern, dass sie der übrigen Welt erst noch Schadensersatz leisten müssen.

  • Wir stehen leider vor einem Scherbenhaufen eines völlig verfehlten Umgangs mit Geld, indem das Geldverdienen mit Geld glorifiziert, geschützt und gefördert wurde. Es gibt genügend Literatur dazu, dass man wissen müsste, wohin dies führt.

    Eine Rechnung hat die USA der Welt, als banken- und Finanzkrise, präsentiert. Dass sie daraus nichts gelernt wurde, ist eigentlich kaum zu glauben.

    in den USA hat man lange über seine Möglichkeiten gelebt, die Kreditkarte missbraucht... nun versuchen ihre Hedge Fonds auf andere Weise, das gleiche Spiel erneut.

  • Es ist die alte Geschichte: Das Thermometer wegwerfen, um das Fieber zu beseitigen.

  • ich bin der Meinung das es die EU ruhig mal auf einen konflikt mit den USA ankommen lassen muss.

    Neuen Vorschriften für die auf spekulative Geschäfte fokussierten Hedgefonds und die beteiligungshäuser, die kreditfinanzierte Übernahmen von Firmen anpeilen sind richtg, denn es besteht, wenn wir ehrlich sind, bei diesen Übernahmen doch kein intresse alles dafür zu tun die Firma zu Sanieren sonder möglichst viel rauszuholen und dann die Fa. fallen zu lassen siehe Märklin und noch weitere. Mehr Transparenzvorgaben bringt mehr Vertrauen. Wir brauchen keine Finanzinvestoren sonder Unternehmen die auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

    Deswegen dürfen wir Amerika auch mal die Stirn bieten.

    Amerika wird deswegen mit Europa keinen Krieg anfangen.

  • Der "kalte Krieg " zwischen Ost und West ist vorbei. Die sogenannte Globalisierung bringt nun neue "Wirtschaftskriege " hervor.

  • Das Ausbrechen der Finanzmarktkrise ist bereits in die Jahre gekommen, aber auf die Regulierung der Finanzmärkte wartet die Öffentlichkeit bis zum heutigen Tag. Außer plakativem Wollen von mitunter radikal sich gebärdenden Politikern ist bisher nichts tatsächlich bewirkendes zustande gebracht worden. Gratulation für die erfolgreich untergründig geleistete Arbeit der betreffenden Lobbyisten! Timothy Geithner, derzeit mit den Amtswürden eines US-Finanzministers geziert, ist ein Glied dieser über Netzwerke effizient wirkenden Finanzhydra. Seine Drohgebärden verdeutlichen nicht nur die außerordentlichen Schwierigkeiten (trotz markig ausgerufener Kampfbereitschaft gegen die Finanzmarktlobby seitens des US-Präsidenten) zu internationalen Regulierungen des Finanzmarktes zu kommen. Sie machen vielmehr deutlich, dass die amerikanischen Finanzkonzerne, wenn es um ihre interessen geht, bedenkenlos die Solidarität des Abendlandes auf dem Stein ihrer Profiterwirtschaftung opfern. Das könnte Europa unbeeindruckt lassen, denn es hat in der Vergangenheit ja auch nicht vorbehaltlos jeden verzapften Unsinn US-amerikanischer Politik mitgemacht. Doch die sukzessive beseitigung der Ursachen der Finanzmarktkrise ist ein existenzielles Gebot für das Fortbestehen der abendländischen Gesellschaft und ihrer Kultur. Gelingt es nicht, gleich dem Mut und der Entschlossenheit des berühmtesten Helden der Griechischen Antike, adäquate politische Regulierungen zu entwerfen und diese politisch durchzusetzen, dann werden wir die Götterdämmerung des Abendlandes erleben dürfen.

  • Die Amerikaner können sich vom Greenspan-Syndrom nicht lösen, obwohl der selbst die Krankheit eingestanden hat: Sie glauben also, jetzt trotz Greenspan, weiter, daß die Regelung allein der Geldmenge als Konjunkturindikator und Steuerungselement genügt.
    ich befürchte aber, daß die Europäer sich hier wieder mal nicht durchsetzten werden. Verbinden sie doch mit Amerika nur traumatische Erfahrungen: bereits zweimal hat Amerika die Europäer aus dem selnbst angerichteten Sumpf gezogen. So etwas prägt schon. Dagegen hilft keine Vernunft.

  • Da die Amerikaner quieken scheinen die von der EU angedachten Massnahmen genau die richtigen zu sein, um die unkontrolliert agierenden internationalen Fonds in den Griff zu bekommen.
    Weiter so, EU.

  • Die USA "saugen" Dank
    a) des USD (Weltleitwährung)in Kombination mit
    b) dem Zusammenspiel von FED/investmentbanken/Hedgefonds/Rating-Agenturen und deren Verquickung auf persönlicher Ebene
    zu eigenen Vorteil Wohlstand anderer Länder ab.

    Die USA verdanken einen beträchtlichen Teil der Nettokapitalimporte zur Finanzierung ihrer Defizite dem US-zentrischen Weltfinanzsystem.

    Den Forderungen, welche die USA an andere richten, werden sie selbst immer weniger gerecht:
    o Menschenrechte => Guantanamo
    o Freihandel => Tankflugzeugausschreibung
    o Korruption => Verlagerung auf off-shore Zentren
    o Schwarzgeldbekämpfung => US Steueroase Delaware

    in der jetzigen Krise dürfen europäische Politiker erfahren, wie ihre US-Kollegen rigoros auf den eigenen Vorteil bedacht sind.

  • Es wird Zeit, dass sich Europa breit auf beide beine stellt und sich selbstständig macht - die Zeit ist erfüllt!

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