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Proteste Die Ruhe nach dem Sturm in Hongkong

Nach einer Woche heftiger Zusammenstöße beruhigt sich die Lage in Hongkong am Samstag wieder ein wenig. Doch es gibt auch einen Tabubruch.
Update: 17.11.2019 - 11:46 Uhr Kommentieren
Demonstranten versuchen ein kleines Feuer in einem Mülleimer an der Polytechnischen Universität zu löschen. Quelle: dpa
Proteste in Hongkong

Demonstranten versuchen ein kleines Feuer in einem Mülleimer an der Polytechnischen Universität zu löschen.

(Foto: dpa)

Hongkong „Die Leute sind erschöpft“, sagt Maverick, und blickt auf die jungen Frauen und Männer, die in der Sporthalle der Polytechnischen Universität auf Isomatten liegen und sich ausruhen. Der 27-Jährige, der seinen vollen Namen nicht nennen mag, ist einer von vielen Helfern der Protestierenden, die derzeit den Campus der Hochschule in Hongkong besetzen. Er räumt auf, sorgt dafür, dass die Demonstranten einen Ort haben, an dem sie sich von den Auseinandersetzungen mit der Polizei erholen können.

Dutzende in schwarz gekleidete und vermummte junge Frauen und Männer halten, teilweise mit Pfeil und Bogen und Steinschleudern bewaffnet, vor den Toren der Hochschule Ausschau nach Polizisten. „Wir müssen die Universität rund um die Uhr bewachen“, sagt Maverick.

In den frühen Morgenstunden ist es dann erneut zu Zusammenstößen gekommen. Seit den frühen Morgenstunden setzen Sicherheitskräfte Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein, um das Universitätsgelände zu räumen.

Radikale Demonstranten, die sich in die Räume der Hochschulen zurückgezogen hatten, warfen Benzinbomben, feuerten mit Katapulten Brandsätze ab und schossen mit Pfeilen. Dabei wurde auch ein für Medienarbeit zuständiger Polizist in seiner Wade getroffen. Am Sonntagnachmittag warnte die Polizei Einwohner davor, sich in die Nähe der Gegend zu bewegen, da sich die dortige Lage „stark verschlechtert“ habe.

Die Eingänge der Hochschule haben die Protestierenden mit Tischen, Stühlen und Barrikaden versperrt. Quelle: Dana Heide
Eingang zur Polytechnischen Universität

Die Eingänge der Hochschule haben die Protestierenden mit Tischen, Stühlen und Barrikaden versperrt.

(Foto: Dana Heide)

Die Demonstranten hatten in den vergangenen Tagen mehrere Hochschulen besetzt. Am Samstag zogen sie sich aus der Chinese University und der University of Hong Kong zurück, besetzten aber weiterhin die Polytechnische Universität. Die Protestierenden nutzen die Einrichtungen, um sich auszuruhen, Waffen zu basteln, zu essen und teilweise, um zu übernachten.

Die Behörden kündigten an, dass Schulen und Kindergärten der Stadt auch am Montag weiter geschlossen bleiben müssen. Einige Universitäten hatten bereits angekündigt, die Semester vorzeitig zu beenden. Die Demonstranten wiederum rufen dazu auf, mit anhaltenden Blockaden die Stadt auch an den Arbeitstagen zum Erliegen zu bringen und so den Druck auf die Regierung zu erhöhen.

Wirtschaftlichen hinterlassen die bereits seit fünf Monaten andauernden Antiregierungsproteste bereits Spuren in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Laut am Freitag veröffentlichten Zahlen ging die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 3,2 Prozent zurück. Der Alltag in der Millionen-Metropole wird immer stärker beeinträchtigt. Auch am Samstag blieben einige Straße gesperrt, mehrere U-Bahnen und Buslinien fuhren nicht.

Die Proteste hatten sich ursprünglich an einem Entwurf für ein Auslieferungsgesetz entzündet, das es ermöglicht hätte, Verdächtige nach Festland-China auszuliefern. Hongkong ist seit der Übergabe durch Großbritannien eine chinesische Sonderverwaltungszone. Im Gegensatz zu Festland-China besteht in Hongkong jedoch ein funktionierendes Rechtssystem, sowie Presse- und Meinungsfreiheit. Die Demonstranten sehen diese Sonderstellung durch einen wachsenden Einfluss Pekings gefährdet.

Ihre Kritik könnte durch einen Vorfall am Samstagnachmittag nun noch befeuert werden. Während der Auflösung von Straßensperren nahe der Baptist University kam es zu einem Tabubruch: Rund 50 Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) marschierten für etwa 30 Minuten in kurzen Hosen und T-Shirts aus der nahegelegenen Kaserne, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen.

Beobachtern zufolge könnte der Einsatz möglicherweise gegen die Hongkonger Verfassung verstoßen haben. Denn laut Artikel 14 darf die PLA sich nicht in „lokale Angelegenheiten“ der Region einmischen – außer die Hongkonger Regierung bitte um Hilfe.

In einem Statement sagte diese jedoch, dass sie die Hilfe nicht nachgefragt habe. Wie die Zeitung „South China Morning“ berichtete, verurteilten Abgeordnete der Opposition den Einsatz scharf und forderten von der Regierung Aufklärung. Die Garnison der Volksbefreiungsarmee in Hongkong teilte mit, dass es sich um eine „gemeinnützige Tat“ gehandelt habe.

Mehr als 10.000 Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee sind seit der Übergabe Hongkongs an China im Jahr 1997 in Hongkong stationiert, waren aber seit Beginn der Proteste nicht ausgerückt. In Hongkong besteht die Sorge, dass Peking die Proteste mithilfe der Volksbefreiungsarmee gewaltsam beenden könnte.

Die Spuren der Proteste sind in der ganzen Stadt zu sehen. Demonstranten haben Graffitis mit Parolen an Wände gesprüht. Quelle: Dana Heide
Graffiti in Hongkong

Die Spuren der Proteste sind in der ganzen Stadt zu sehen. Demonstranten haben Graffitis mit Parolen an Wände gesprüht.

(Foto: Dana Heide)

In der Bevölkerung werden die Proteste unterschiedlich gesehen. Während es immer wieder zu Auseinandersetzungen etwa zwischen Anwohnern und Demonstranten kommt, gibt es auch sehr viele Unterstützer und Sympathisanten.

Mehr: Die Proteste in der Sonderverwaltungszone werden von Zwischenfällen überschattet. Ein Mann starb durch einen Pflasterstein. Angeblich wurden auch Deutsche verhaftet.

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