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Proteste Die schwersten Unruhen seit Jahrzehnten erschüttern die USA

Die Proteste in den USA anlässlich des brutalen Todes des Afroamerikaners Floyd schlagen zunehmend in Gewalt um. Der Präsident sucht derweil noch die richtige Antwort.
01.06.2020 - 18:32 Uhr 2 Kommentare
George Floyd: Wie der Umgang mit den Protesten die Spaltung der USA zeigt Quelle: Reuters
Proteste in den USA

Die Demonstranten gehen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße.

(Foto: Reuters)

New York, Washington Der Lafayette Park in Washington D. C. gleicht an normalen Tagen einer Puppenstube der amerikanischen Demokratie. Direkt vor dem Zaun des Weißen Hauses mischen sich dort Touristen mit Regierungsbeamten, die ihr Mittagssandwich verzehren. Oft campieren in der Grünanlage auch einige Demonstranten, die direkt vor den Augen des US-Präsidenten für den Weltfrieden oder ähnlich hehre Ziele eintreten.

In den vergangenen Nächten wurde der Lafayette Park zum Symbol dafür, was falsch läuft in der amerikanischen Demokratie. Am Sonntag waren etwa 1000 Demonstranten zunächst friedlich in Richtung des Parks marschiert. Wie so viele andere in den Großstädten Amerikas wollten sie wegen des gewaltsamen Todes von George Floyd protestieren – jenem Afroamerikaner, der vor einer Woche von einem weißen Polizisten zu Tode gewürgt worden war.

Doch mit Einbruch der Dunkelheit begann die Gewalt: Demonstranten versuchten, die Absperrungen zu überwinden, die Polizei und Secret Service, die Leibwächter des US-Präsidenten, vor dem Weißen Haus errichtet hatten.

Mit Pfeffergeschossen und Tränengas versuchten die Beamten, die Demonstranten zurückzudrängen. Plötzlich brannte es in der St. John’s Church, einem idyllischen Kirchlein, in dem seit mehr als 200 Jahren alle US-Präsidenten den Gottesdienst besuchen. Die Feuerwehr konnte die Flammen rasch löschen, sie geht von Brandstiftung aus.

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    Kurz zuvor hatte der Mann hinter dem Zaun, Staatschef Donald Trump, den Sicherheitskräften seine bevorzugte Einsatztaktik nahegebracht: „Law & Order!“, twitterte er am Sonntagabend mit seinem iPhone.

    Unruhen im von Corona geplagten New York

    Nicht nur Washington, auch zahlreiche andere amerikanische Großstädte werden von den schwersten Unruhen seit Jahrzehnten erschüttert. Der qualvolle Tod Floyds, der sich nicht wehrte und die Polizisten minutenlang um sein Leben anflehte, ist zu einem Katalysator für den Zorn von Millionen von Afroamerikanern geworden.

    Im Lafayette Park vor dem Weißen Haus steht die Polizei im Einsatz. Quelle: Reuters
    Polizisten vor dem Weißen Haus

    Im Lafayette Park vor dem Weißen Haus steht die Polizei im Einsatz.

    (Foto: Reuters)

    In Minneapolis in Minnesota, wo Floyd getötet wurde und die Proteste sechs Tage zuvor begonnen hatten, steuerte am Sonntag ein Lastwagen in einen Protestzug. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden, der Fahrer wurde verhaftet. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde in dem Bundesstaat Minnesota die gesamte Nationalgarde mobilisiert.

    Im von Corona geplagten New York hatten am Sonntagabend Polizisten zunächst an der Seite der mit Masken geschützten Demonstranten gekniet und damit ein Zeichen der Solidarität gesetzt. Der Protestzug war friedlich über die Manhattan Bridge von Brooklyn nach Manhattan gezogen, bevor es in der Nacht auf Montag doch noch zu Gewalt kam.

    Dabei wurden nicht nur Drugstore-Ketten ausgeraubt und beschädigt. Es kam es auch zu Plünderungen von Luxusläden wie Gucci in Soho und Bloomingdales. In dem Chaos wird es immer schwieriger, zwischen Demonstranten und Plünderern zu unterscheiden. Lokale Medien berichten von Autos mit Räubern, die die Verwirrung ausnutzten, um zu plündern und mit dem Diebesgut davonzufahren.

    Bereits am Samstagabend war im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine friedliche Demonstration vor dem bekannten NBA-Stadion Barclays Center in Gewalt umgeschlagen, als die Polizei Pfefferspray einsetzte und Demonstranten Molotowcocktails warfen.

    Auf Twitter macht derzeit auch ein Video die Runde, in dem zu sehen ist, wie weiße Polizisten einen schwarzen Mann in Handschellen legen, der sich dann als FBI-Agent herausstellt. Auch ein Video von einem Polizeifahrzeug, das auf Demonstranten zuhält, sorgte für Aufregung in den sozialen Medien.

    Aber die Proteste sind nicht nur auf die liberalen Städte oder Bundesstaaten beschränkt. Auch in Houston in Texas gehen die Menschen auf die Straße. Die Gewalt auf beiden Seiten nimmt zu. In Oakland bei San Francisco wurde ein Polizist erschossen, und in der Nacht zum Montag kam es erneut zu Schüssen. Andernorts sind Demonstranten von Schüssen getroffen worden. Immer mehr Städte fordern den Schutz der Nationalgarde, oder sie verhängen – wie Denver – eine Ausgangssperre.

    Im Rahmen der Demonstrationen kommt es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen und Vandalismus. Quelle: AFP
    Ausschreitungen

    Im Rahmen der Demonstrationen kommt es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen und Vandalismus.

    (Foto: AFP)

    Zugleich zeigt sich am Umgang mit den Protesten die tiefe politische Spaltung des Landes. Präsident Trump forderte immer wieder ein hartes Durchgreifen gegen Randalierer – etwa mit seinem „Law & Order!“-Tweet. Ebenfalls via Twitter machte er die „Antifa“ für die Gewalttaten verantwortlich. Zur antifaschistischen Bewegung bekennen sich in den USA zahlreiche linke und linksradikale Aktivisten.

    Trump kündigte an, das lose Bündnis von Anarchisten verbieten zu lassen – was schon daran scheitern dürfte, dass es sich bei der Antifa nicht um eine formale Organisation handelt. Bereits am Samstag hatte Trump allerdings auch öffentlich den Tod von Floyd bedauert.

    Biden zieht eine Linie von der Sklaverei zum Alltagsrassismus

    Für den Montag hatte Trump eine Videokonferenz mit Gouverneuren und Polizeichefs anberaumt, deren Ergebnisse bisher noch nicht feststehen. Trumps nationaler Sicherheitsberater Robert C. O’Brien bestritt am Sonntag, dass es in der amerikanischen Polizei ein systematisches Rassismusproblem gebe. Man habe es lediglich mit „mit einigen faulen Äpfeln“ unter den Beamten zu tun.

    Demokratische Politiker warfen Trump vor, mit seinen Äußerungen die Proteste weiter anzuheizen. „Er sollte einfach still sein“, sagte die afroamerikanische Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, dem Nachrichtensender CNN. „Er spricht, und er macht es nur schlimmer.“ Zuvor hatten Randalierer in Atlanta unter anderem das Foyer der CNN-Zentrale demoliert.

    In einem auffälligen Gegensatz zum Präsidenten stellte sich Joe Biden, Trumps demokratischer Gegenkandidat bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen, klar auf die Seite der friedlichen Demonstranten und verurteilte zugleich die Ausschreitungen.

    Biden zog eine direkte Linie von der Sklaverei in den USA zum heutigen Alltagsrassismus. „Die Ursünde unseres Landes befleckt unsere Nation noch heute“, sagte der Kandidat in einer Onlineansprache. Mit Maske geschützt wagte er sich auch zu den Protestierenden, kniete vor einem schwarzen Demonstranten und bekam dafür von seinen Anhängern viel Lob in den sozialen Medien.

    Schlechte Umfragewerte für den Präsidenten

    Offenbar ist die richtige Reaktion auf die Proteste aber auch innerhalb des Weißen Hauses umstritten, wie die US-Nachrichtenwebsite „Politico“ berichtet. Trumps Stabschef Mark Meadows drängt demnach darauf, dass sich Trump in einer Fernsehansprache an die Nation wendet, um die Randalierer zu verurteilen und sich hinter die Sicherheitsbehörden zu stellen. Eine Strategie, die vor allem republikanische Stammwähler ansprechen soll.

    Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner befürchtet hingegen laut „Politico“, dass Trump damit afroamerikanische Wähler abschreckt. Als mögliche Alternative zu einer Fernsehansprache erwägen Trumps Berater demnach eine Gesprächsrunde mit afroamerikanischen Führungsfiguren im Weißen Haus.

    Die Nervosität unter Trumps Beratern nimmt auch deshalb zu, weil der Präsident in den neuesten Meinungsumfragen vom Wochenende landesweit mittlerweile rund zehn Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Biden liegt.

    Der Lafayette Park ist am Montagvormittag vom Secret Service abgesperrt worden. Vor der St. John’s Church hängt Brandgeruch in der Luft. Ein farbiger Demonstrant sitzt auf dem Bordstein. „No justice, no peace, stop racist police“ steht auf seinem Transparent, „Fuck Trump“ auf seiner Corona-Maske. Ein anderer Farbiger geht vorbei und grüßt mit dem Black-Power-Gruß, der erhobenen rechten Faust.

    Einige Meter weiter schrubbt ein junger weißer Mann die frischen Graffiti der letzten Nacht vom Gehsteig. „Das zu tun erscheint mir zumindest nicht falsch“, sagt er. Eine farbige Frau blickt hinüber zum Weißen Haus. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass Trump eine Rede an die Nation hält!“, ruft sie. Wenn er denn nur das Richtige zu sagen hätte.

    Mehr: In den USA reißen Proteste gegen Polizeigewalt nicht ab.

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    2 Kommentare zu "Proteste: Die schwersten Unruhen seit Jahrzehnten erschüttern die USA"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der amerikanische Traum ist derzeit wohl eher ein Alptraum. Fest steht, dass wir auf der Erde derzeit überhaupt kein funktionierendes System haben. Natürlich ist das chinesische aus unserer Sicht nicht akzeptabel und es hat eben nicht die Pandemie verhindern können. Fakt ist aber auch, dass ein außer Kontrolle geratenes exponentielles Wirtschaftswachstum einen mittleren, globalen Temperaturansteig von 1,5° Celsius bewirkt hat. Nach den Stephan Boltzmann Gesetz steigt die elektro-magnetische Abstrahlung zur Temperatur in der vierten Potenz. Auf die Erde umgerechtet strahlt die Erde ca 30% Prozent mehr Energie in form von IR Strahlung ab als vorindustriell. Gleichzeitig re emittiert die Atmosphäre durch steigende CO2 Konzentration in der Atmosphäre immer stärker zurück zur Erde. Das sind Fakten, denen man mit Träumereien nicht begegnen kann. Der Green Deal könnte ein Schritt sein statt Wachstum eine Balance zwischen Entfaltung der Menschheit und Begrenzung natürlicher Ressourcen zu erreichen, Aber der Begriff Green Deal enthält einen Irrtum nämlich den Begriff "Deal"...die Natur verhandelt nicht und hält sich auch nicht an unsere Verträge, das scheinen die meisten leider vergessen zu haben

    • Wenn der "Amerikanische Traum" erschüttert werden würde, wäre das ein schlechtes Zeichen für die USA. Ohne diese illusionistischen Hoffnungswerte gerät das Markt-System durcheinander und könnte in arge Schief-Lage geraten. Trump verkörpert eben dieses System. Nach Corona muss nicht auch noch die Systemfrage gestellt werden, das wäre schrecklich, denn kein besseres System ist derzeit erprobt. China ist kein Vorbild im gesamten gesehen. Zu hoffen ist, da viele Amerikaner noch an Gott glauben, also an eine Märchenwelt, sich auch die Gläubigkeit an den märchenhaften "Amerikanischer Traum" noch eine Weile halten wird. Ist jemand an Gläubigkeit früh gewöhnt worden, kann man dies auf andere Bereich leichter aussehen. Hoffentlich bleibt der "Amerikanische Traum" erhalten.

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