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Proteste gegen China Tausende Demonstranten belagern Hongkongs Flughafen

Der Flughafen in Hongkong stellt wegen der anhaltenden Proteste den Betrieb ein. Peking sieht in der Gewalt erste Anzeichen des „Terrorismus“.
Update: 12.08.2019 - 18:06 Uhr Kommentieren
Tausende Demonstranten belagern Hongkongs Flughafen Quelle: AP
Proteste am Flughafen

Mehrere tausend Demonstranten blockierten am Montag den Flughafen in Hongkong.

(Foto: AP)

Hongkong Auf den ersten Blick scheint es so, als hätten die Demonstranten die Behörden in die Knie gezwungen. Nachdem sie vier Tage lang friedlich den Flughafen Hong Kong besetzt hatten, stellten die Flughafenverwaltung angesichts der anhaltenden Proteste gegen die Regierung den Betrieb am Montagnachmittag ein. Mehr als 180 Flüge fielen aus; auf den Zubringerstraßen zum Flughafen staute sich der Verkehr.

Während Heerscharen an gestrandeten Reisenden zu Fuß Richtung Stadt liefen, strömten mehr als 5000 Demonstranten zum Flughafen auf der Insel Lantau. Die Ankunftshalle des Terminal 1 war, wie auch in den Tagen zuvor, ein Meer von schwarz gekleideten, zumeist jungen Menschen, die mit Sprechchören und Broschüren ihr Anliegen vortrugen. Viele von ihnen trugen dabei eine Augenbinde als Anspielung auf eine junge Frau, die am Sonntag vermeintlich durch eine Polizeiaktion ein Auge verloren habe.

Tatsächlich ist jedoch die Entscheidung, den Luftverkehr bis Dienstag sechs Uhr morgens auszusetzen, eine strategische Aktion, glaubt Sebastian Veg, Professor an der „École des hautes études en sciences sociales“ in Paris. „Durch die anhaltenden Unannehmlichkeiten soll die öffentliche Meinungen gegen die Demonstranten aufgebracht werden“, sagt er.

Alltag geht weiter – trotz der Proteste

Denn trotz der vielen Proteste überall in Hongkong konnte ein Großteil der Bewohner und Geschäftsleute bisher ihrem Alltag nachgehen. „In den vergangenen Wochen habe ich von den Aktionen von meinem Büro im achten Stock nichts mitbekommen“, sagte Iris Pang, China-Ökonomin der ING Bank, dem Handelsblatt.

Während es auf der Einkaufsmeile Nathan Road zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Protestteilnehmern kam, saßen viele Touristen und Anwohner einige Meter weiter in den Nebenstraßen, aßen in Restaurants, tranken in Bars oder shoppten. Die Demonstranten selbst sind größtenteils bemüht, gegenüber der Bevölkerung höflich und rücksichtsvoll aufzutreten.

„Ich bin dafür, dass ihr für eure Recht einsteht. Aber damit geht ihr zu weit“, sagte eine Touristin mit Kind am Flughafen. „Wenn ihr Menschen davon abhaltet in euer Land einzureisen, dann schadet das eurer Wirtschaft.“ Ein anderer Geschäftsmann wurde dabei gefilmt, wie er die Demonstranten dafür rügte, eine Stadt zum erliegen zu bringen. Er sei für ein härteres Vorgehen der Polizei.
In Hongkong gibt es seit mehr als zwei Monaten dauerhaft Proteste. Die Proteste, an denen anfangs mehr als eine Millionen Menschen teilnahmen, richteten sich zunächst gegen ein geplantes Gesetz zu Auslieferungen an China. Das hat die Regierung inzwischen ausgesetzt und für „tot“ erklärt.
Mittlerweile werfen die Demonstranten der Zentralregierung in Peking vor, die Rechte zu untergraben, die die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong 1997 bei der Rückgabe an China nach der Devise „ein Land, zwei Systeme“ zugestanden bekommen hatte.
Die Zahl der Protestteilnehmer beläuft sich geschätzt auf einige Tausende. Sie tragen Gasmasken, Helm und schwarze Kleidung und koordinieren sogenannte Flash Mobs, also plötzlich in Erscheinung tretende Massenversammlungen, über die Kurznachrichtendienste WhatsApp und Telegram. Ziel ihres Auftauchens ist es meistens, durch das Lahmlegen von Verkehrsknotenpunkte und Einkaufsmeilen, Aufmerksamkeit auf ihr politisches Anliegen zu lenken.

Zusammenstöße mit Polizei

Während dieser Aktionen ist es zuletzt häufig zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Behörden setzten in einem Bahnhof und mehreren Stadtvierteln Tränengas ein. Die Webseite „Hongkong Free Press“ zeigte Aufnahmen einer Festnahme, an der sich offenbar auch als Demonstranten verkleidete Polizisten beteiligten. Der festgenommene junge Mann hatte eine blutende Wunde am Kopf und sagte, ihm sei ein Zahn abgebrochen. Auch die Polizei berichtete, auch in ihren Reihen habe es Verletzte gegeben, unter anderem durch Laserpointer und einen Molotowcocktail. Ein Polizist musste mit Verbrennungen an seinen Beinen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Nach Darstellung der chinesischen Regierung zeigt die Gewalt in Hongkong erste Zeichen des Terrorismus. Die Demonstranten haben in den vergangenen Tagen „häufig extrem gefährliche Werkzeuge eingesetzt, um die Polizei anzugreifen“, sagte ein Sprecher der für Hongkong-Macau-Fragen zuständigen Behörde am Montag. Dabei handle es sich um schwere Verbrechen, bei denen „Sprösslinge des Terrorismus“ aufkeimten.

„Hongkong steht am Scheideweg“, sagte der Sprecher. Wer sich um die Zukunft der Stadt sorge, müsse sich „illegalem Verhalten“ und den Handlungen von „gewaltsamen Radikalen“ entgegenstellen. Bereits am Wochenende war es an einigen Orten auch zu Konfrontationen zwischen Demonstranten und regierungsnahen und pro-festlandschinesischen Unterstützen gekommen.

Auf ihrer eigenen Pressekonferenz kurz danach spielte die Hongkonger Polizei die „Terrorismus“-Klassifizierung runter. Bei Massenprotesten und Terrorismus handele es sich um zwei unterschiedliche Vorgänge, sagte der Vize-Polizeichef Chris Tang Ping-Keung. Um bestimmen zu können, ob es sich um einen terroristischen Akt handele, solle man der Definition der Vereinigten Nationen folgen.

Intervention von Peking?

Am Montag veröffentlichten Chinas Staatsmedien jedoch Aufnahmen von chinesischen paramilitärischen Streitkräften. Die Panzer- und Lastwagensäulen wurden für Sommertrainingsübungen am Wochenende nach Shenzhen, das direkt an Hongkong angrenzt, geschickt.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob Peking im Falle einer Eskalation der Proteste intervenieren wird. Die meisten Beobachter glauben zwar nicht, dass die chinesische Regierung die Volksbefreiungsarmee nach Hongkong entsenden wird. Aber bereits vergangene Woche warnte Peking die Demonstranten: „Wer mit Feuer spielt, wird am Feuer verbrennen.“

Die Lufthansa hat wegen der anhaltenden Proteste mehrere Flüge in die Millionenmetropole gestrichen. Betroffen sind Verbindungen von München und Frankfurt sowie der Swiss nach Zürich, wie ein Konzernsprecher am Montag mitteilte.

Die Entscheidung gelte zunächst nur für den Montag, die Lage müsse in den Folgetagen jeweils neu bewertet werden. In Hongkong stünden derzeit zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Den betroffenen Passagieren bietet das Unternehmen kostenfrei Umbuchungen an.

Mehr: Der Chinaforscher Max Zenglein sieht keine Anzeichen für eine Deeskalation in Hongkong. Eine Verschärfung der Proteste könnte „gravierende Folgen für die Wirtschaft“ haben.

Flughafen Hongkong stellt Betrieb ein

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