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Proteste gegen Rentenreform In Frankreich legt eine kleine Minderheit das ganze Land lahm

Nur ein geringer Teil von Frankreichs Beschäftigten beteiligt sich am Streik gegen die geplante Rentenreform von Macron. Doch die Folgen sind enorm.
10.12.2019 - 16:28 Uhr Kommentieren
11.000 Zugführer streikten in Frankreich und legten einen Teil des öffentlichen Verkehrs lahm. Quelle: dpa
Streiks und Proteste in Frankreich

11.000 Zugführer streikten in Frankreich und legten einen Teil des öffentlichen Verkehrs lahm.

(Foto: dpa)

Paris Ein Streiktag wie aus dem Bilderbuch: Rote Fahnen flattern im Wind, „Bella Ciao“ klingt aus den Lautsprechern, die Sonne strahlt auf Transparenten, Gewerkschafter singen aus voller Kehle: „Was ist die Kraft des Arbeiters? Der Streik!“ Man könnte meinen, ganz Frankreich sei im Ausstand gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron.

Die Wirklichkeit ist anders. Zwar fuhren am Dienstag nur zwei von zehn Zügen, blieb in Paris die Mehrheit der Metrolinien geschlossen und demonstrierten wieder Zehntausend in Paris und anderen Großstädten. 631 Kilometer Stau gab es um Paris am Montag, über 400 am Dienstag. Die Auswirkungen des Streiks sind gewaltig, doch das sollte nicht über eines hinwegtäuschen: Er ist die Aktion einer kleinen Minderheit.

Zugespitzt gesagt blockieren lediglich 11.000 streikende Zugführer ein Land von 67 Millionen Einwohnern. Am Dienstag beteiligten sich nur 24 Prozent der Mitarbeiter von Frankreichs Staatsbahn SNCF am Streik.

Doch weil 77 Prozent der Lokführer – die bestbezahlte Kategorie der Eisenbahner – und ein Viertel der Beschäftigten in den Stellwerken im Ausstand sind, kann auch die große Masse der Nichtstreikenden nicht arbeiten. Die Streikquote bei den Lehrern fiel von 46 Prozent (vergangener Donnerstag) auf 16 Prozent am Dienstag.

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    Indirekt räumen die Gewerkschaftsbosse ein, dass sie nicht die Mehrheit hinter sich haben. „Die Beteiligung ist nicht entscheidend, ausschlaggebend ist, dass es einen harten Kern gibt, der diesen Konflikt fortführen wird“ sagt Fabien Villedieu von SUD Rail, der gemeinsam mit der CGT tragenden Kraft des Streiks.

    Arbeitnehmervertreter haben an Einfluss verloren

    Die CGT, einst unangefochtene Nummer eins der Arbeitnehmervertreter, hat im Laufe der Jahre kontinuierlich an Einfluss verloren. Die SNCF und die Atomkraftwerke von EDF bilden ihre letzten großen Bastionen.

    Im Privatsektor ist sie dagegen nur noch eine Organisation, die weit hinter der reformerischen CFDT zurückbleibt. Sie will die Sonderrenten für die Mitarbeiter der SNCF und der Verkehrsbetriebe schützen, um ihre eigene Basis zu halten.

    In ganz Frankreich kommt es zu Protesten gegen die geplante Rentenreform. Quelle: dpa
    Generalstreik in Frankreich

    In ganz Frankreich kommt es zu Protesten gegen die geplante Rentenreform.

    (Foto: dpa)

    Zu den Merkwürdigkeiten Frankreichs zählt, dass in der Debatte über die Rentenreform die Arbeiter und Angestellten aus Privatunternehmen nicht zu Wort kommen. Dabei bilden sie die Masse der Erwerbstätigen – und nicht etwa der überdimensionierte öffentliche Dienst, der um seine Vorrechte fürchtet. In den Unternehmen bleibt es ruhig: kein Streik.

    Merkwürdig ist auch, wie geschwind manche Experten ihre Fahne in den Wind hängen. Starökonom Thomas Piketty von der Paris School of Economics hat vor zehn Jahren selber ein einheitliches Rentensystem nach Punkten gefordert, bei dem gleiche Beiträge gleiche Rechte begründen. Genau das will Emmanuel Macron jetzt einführen. Doch heute behauptet Piketty, die Rente nach Punkten sei „ein enormer Betrug“.

    Weil Politik und Privilegien im Spiel sind, wird die Regierung nicht alle überzeugen können, wenn sie am Mittwoch genauere Vorschläge zur Rente vorlegt. Doch sie könnte die reformerischen Gewerkschaften für sich gewinnen und damit auf lange Sicht den Konflikt eindämmen.

    Mehr: Die Gewerkschaften in Frankreich greifen die Rentenreform mit einem Generalstreik an. Die Regierung macht Angebote.

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