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Proteste in der Türkei Erdogan zerstört sein Lebenswerk

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Ein Hoffnungsträger wird zum Menetekel
In Düsseldorf demonstrierten tausende Türken für Erdogan. Quelle: dpa

In Düsseldorf demonstrierten tausende Türken für Erdogan.

(Foto: dpa)

Ein Hoffnungsträger wird zum Menetekel: Den Namen Tayyip Erdogan verband man bisher mit dem steilsten und nachhaltigsten Wirtschaftsaufschwung, den die Türkei in ihrer jüngeren Geschichte erlebt hat. Das Wirtschaftswunder, in dessen Verlauf sich das statistische Pro-Kopf-Einkommen verdreifachte, erklärt die von Wahl zu Wahl steigenden Stimmenanteile der AKP. Selbst viele Türken, die nicht zur frommen anatolischen Kernklientel der Partei gehörten, votierten für Erdogan, schien er doch der Türkei eine Ära der inneren Stabilität zu bescheren, wie sie das Land seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte. Seine neo-liberale Wirtschaftspolitik machte Erdogan auch für viele türkische Unternehmer wählbar, die aus dem gegnerischen Lager stammen, der säkularen Elite, die sich den Idealen des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk verbunden fühlt.

Er legte vor 90 Jahren mit der strikten Trennung von Staat und Religion das Fundament der türkischen Republik. Den Gedanken an Erdogans „geheime Agenda“, die schleichende Islamisierung des Staates, verdrängten viele. Der Boom am Bosporus, die scheinbare politische Stabilität und die wirtschaftliche Blüte, zogen in den vergangenen Jahren nicht nur ausländische Investoren an. Das „Modell Türkei“, diese Verbindung aus parlamentarischer Demokratie, liberaler Wirtschaftspolitik und islamischem Wertkonservatismus, wurde auch zu einem leuchtenden Vorbild für viele Menschen in den muslimischen Nachbarländern.

Das alles ist jetzt in Gefahr. Erdogan ist drauf und dran, sein politisches Lebenswerk zu zerstören und die Zukunft seines Landes zu verspielen. Die brutalen Polizeieinsätze kratzen an Erdogans Bild als Volksheld der arabischen Welt und ruinieren zugleich sein politisches Renommee im Westen. Erdogan erstritt seinem Land zwar 2005 die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union, aber von der EU ist die Türkei jetzt weiter entfernt als je zuvor seit Beginn der Gespräche. Das verunsichert Anleger und Investoren, die gerade in der europäischen Perspektive einen sicheren Anker für das Land sahen. Allein in den ersten drei Wochen der Unruhen zogen sie über zwei Milliarden Dollar aus der Türkei ab – ein gefährlicher Trend, denn das Land ist zum Ausgleich seines riesigen Handelsbilanzdefizits dringend auf den Zustrom ausländischen Kapitals angewiesen.

Die erhoffte Vermittlerrolle im Atomstreit des Westens mit dem Iran muss Erdogan wohl abschreiben. Auch im Verhältnis zu Israel und den USA drohen neue Irritationen, seit Vizepremier Besir Atalay „die jüdische Diaspora“ als Drahtzieher der Proteste verdächtigte. Mit dem Sturz des ägyptischen Islamisten Mohammed Mursi hat Erdogan seinen wichtigsten Verbündeten in der Region verloren. Die von Erdogan geschürte Polarisierung schwächt das Land im Innern und nach außen. Der gesellschaftliche Grundkonsens des muslimisch geprägten, aber weltlich verfassten Landes ist in Gefahr. Statt der angestrebten Rolle einer Regionalmacht droht die Türkei zum Objekt der Entwicklungen, bedenklicher noch, zu einem neuen Krisenherd zu werden.

Eine offene Frage ist, was all dies für Erdogans politische Zukunft bedeutet. Der Premier zeigt bisher keinerlei Neigung, der Protestbewegung auch nur zuzuhören – er nennt die Demonstranten „Gesindel“, „Pack“ und „Terroristen“. Erdogans Mehrheit im Parlament ist stabil. Seine AKP liegt in den Umfragen, wenn auch mit Stimmenverlusten, in Führung. Erdogan hat noch viel vor: Er will seinem Land eine Präsidialverfassung verpassen und sich im kommenden Jahr zum Staatspräsidenten wählen lassen. Aber ob diese Pläne aufgehen, ist fraglich geworden.

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76 Kommentare zu "Proteste in der Türkei: Erdogan zerstört sein Lebenswerk"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schneller politischer+wirtschaftlicher Aufstieg der Tuerkei unter Erdogan beruhte auf Exporte in Muslimlaender+Westeuropa+seine unabhaengige Aufstellung v/d EU/USA-Politik. Seit er sich aber verbuendet hat m der Achse Israel+EU+USA im Syrienkrieg ,ein Riesenfehler,laeuft alles ganz schlecht fuer ihn.Grosse Bevoelkerungsgruppen wollen keinen Krieg m dem SyrienNachbarn+lehnen die RebellenAusbildungBewaffnungUnterstuetzung entschieden ab.Zugleich nehmen Exporte ab i/d EU (Krise) +arabische Nachbarn (Kriegsgefahr).Auch die politische Stabilitaet kommt in Gefahr weil die Bevoelkerung jetzt viel weniger v/d Erdogan tolleriert.Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Syrienkrieges hat sich auch nicht bewahrheit+der profezeite schnelle Sieg kann sogar in eine Niederlage enden,dann hat Erdogan ein Feind als Nachbarn.Jetzt toeten die von der Tuerkei unterstuetzten Rebellen sogar die syrischen Kurden in grossen Zahlen+die Reaktionen von den tuerkischen+irakischen Kurden lassen sich raten.Der versprochene Koeder,ein Zutritt zur EU ist auch viel weniger interessant geworden seit die wirtschaftliche EU-Krise noch viele Jahre dauern wird.Kurz gesagt Erdogan hat gespielt und verloren genau wie die EU bei allen NatoKriegen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es ist nicht nur unverschmät was die Meisten hier kommentieren, sondern hat nichts mit Demokratie und Menschenrechte zu tun. Im Gegenteil, es ist Menschenverachtend und extrem Radikate Aussagen! Werden die Menschen bei diesem Thema dümmer und gehässiger oder was ist hier los? Nichts von Demokratie! Nichts von Respekt und Recht auf freie Entfaltung. Einfach nur reine Verachtung und Hasspredigung. Wo ist der Unterschied zwischen den Kommentatoren hier und den Hasspredigern in den Moscheen, die wir aufs härteste Verurteilen! Es gibt keine. Klar, hier darf man das. Warum? Weil ICH das sage! Einfach nur schrecklich diese Wut/Hass/Verachtung diesem Land/Menschen/Religion gegenüber. Schämt euch!

  • die scientology ist ein dreck gegen diese insekten ! Türken, kommt wieder, wenn ihr wisst was ihr wollt - Islam oder staat für menschen in freiheit

  • und gott weis um die schmiererei (korruption) + vitamin B-
    Moslem | biste in vielen gebieten der TR nicht moslem...Abschaum

  • auch daher meine harschen worte ;)

  • wissen sie, ich weis auch wie die türken (auch moslems) wie sklaven gepeitscht werden, nur damit erdogan glänzen kann ! kinderarbeit, pinkelpause zu festen zeiten, 11h arbeit | keine seltenheit , textil&tourismus

  • türkei und elite ...haha zum kaputtschiessen - was da an schrott hochgezogen wird - ich geh eigentlich nur in die türkei um mal wieder herzhaft zu lachen... der ganze islam-murks qierlt dem erdogan a.s. hoffentlich bald über den kragen! die türken, das sind kleine kacker, die ihren touris den arsch wischen dürfen hahaha (Wasserkraftwerke - Erdrotation - geld für m^3 wasser (Syrien, soft power?) die idioten kennen noch nich mal solarenergie !! Und dieser schrott der hochgezogen wird, mir bluten schier die augen... hoffentlich schwemmt ein zünftiges beben diesen rudimentären jucks samt erdogan bald hinweg!

  • @Rheingold:

    Diesen Artikel kenne ich.
    "Interessant definiere ich anders" Nun ja, das ist ja auch Ansichtssache!

    Anscheinend hatte unser guter Herr Sarrazin keine bessere Freizeitbeschäftigung gefunden und wollte seinen Senf dazu geben..Er ist ja schließlich auch ein Türkei-Araber-Islamexperte..

    Ich tendiere eher dazu, Artikeln zu lesen, die auch ein gewisses Niveau haben, damit ich mir meine EIGENE Meinung auf dem besten Wege bilden kann. Schließlich habe ich die Absicht, etwas sinnvolles aus dem Gelesenen zu erschließen. Das ist bei solchen Autoren wie Sarrazin leider nicht der Fall. Auch das Geld, das ich für sein Buch ausgegeben haben, hätte ich mir sparen können..Ich habe dabei auch kein schlechtes Gewissen auf solche Stammtisch-Niveau-Kommentare zu verzichten.

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