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Proteste in Schweden Brennende Autos in den Stockholmer Vorstädten

Fliegende Steine, brennende Autos und ein Toter bei einer Wohnungsdurchsuchung: Stockholms Vorstädte gleichen Kriegsschauplätzen. Warum? Die Unruhen lenken den Blick auf Probleme von Migration und Arbeitslosigkeit.
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Ein Feuerwehrmann löscht ein brennendes Auto in Kista: Die Polizei rückt mit den Löschkräften aus, um diese zu schützen. Quelle: AFP

Ein Feuerwehrmann löscht ein brennendes Auto in Kista: Die Polizei rückt mit den Löschkräften aus, um diese zu schützen.

(Foto: AFP)

Stockholm Am Morgen danach, als auf den Straßen der Vorstädte die Feuer gelöscht waren, setzte sich die Auseinandersetzung in den Sozialen Netzwerken fort. Enttäuscht, erschöpft und erzürnt fragte ein Stockholmer Feuerwehrmann auf Facebook die jugendlichen Brandstifter: „Ich helfe Deiner Schwester, wenn es in ihrer Küche brennt. Ich springe ins kalte Wasser, wenn Dein kleiner Bruder aus dem Boot fällt, ich helfe Dir, wenn du an einem sonnigen März-Tag im Eis einbrichst. Und heute Nacht hast Du mit Steinen nach mir und meinen Kollegen geworfen. Warum?“

Nicht nur der namenlose Feuerwehrmann versucht zu begreifen, was seit Sonntag in den Stockholmer Vorstädten passiert. Ganz Schweden fragt sich, was die Ursachen sind für die Proteste, bei denen seit einigen Nächten Autos, Häuser und Müllcontainer in Flammen aufgehen. Die Nacht zu Donnerstag war die vierte infolge, in der es in mehreren Vororten der schwedischen Hauptstadt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei kam. Husby, Skogås, Skärholmen, Hjulsta und Jacobsberg gleichen Kriegsschauplätzen.

Schwere Jugendkrawalle in Stockholm

Die traurige Bilanz: Mehrere durch Steinwürfe verletzte Polizisten und Feuerwehrleute, über 100 bis auf ein Stahlgerippe niedergebrannte Autos, mindestens vier Brandanschläge auf Polizeistationen, zerborstene Fensterscheiben, brennende Mülltonnen und Hauseingänge. „Allein in der Nacht auf Donnerstag mussten wir mehr als 100 Mal ausrücken“, sagt Kjell Lindgren, Sprecher der Stockholmer Polizei und betont, dass die Hauptaufgabe seiner Kollegen die Unterstützung der Feuerwehr bei der Bekämpfung der Brände sei.

Die Polizei hat bislang zwei junge Männer im Alter von 18 und 19 Jahren festgenommen. Gegen sieben weitere laufen Ermittlungen wegen der Brandanschläge. „Viele Anwohner sind in den vergangenen Nächten auf die Straße gegangen, um die Jugendlichen von weiteren Übergriffen abzuhalten“, sagt ein Polizeisprecher in Fittja, einem weiteren Stockholmer Vorort, in dem es zu Ausschreitungen gekommen ist.

Während sich Polizei und Feuerwehr auf die kommenden Nächte vorbereiten und Verstärkung aus anderen Regionen des Landes anfordern, diskutieren Menschen und Medien in Schweden die Ursachen für die gewaltsamen Proteste. Angefangen hatten sie Sonntagnacht im Vorort Husby. Die Polizei hatte dort bei einer Wohnungsdurchsuchung einen 69-jährigen Mann erschossen, der mit einer Machete auf die Beamten losgegangen war. Nach offiziellen Angaben handelten die Beamten in Notwehr. Experten sind sich aber einig, dass der tödliche Zwischenfall nur der Auslöser für die Krawalle gewesen ist.

Beton-Vorstädte birgen explosive soziale Mischung

Ausgebrannte Autos in Husby: Mehr als 100 Pkws sind bereits in Flammen aufgegangen. Quelle: dpa

Ausgebrannte Autos in Husby: Mehr als 100 Pkws sind bereits in Flammen aufgegangen.

(Foto: dpa)

Professor Ove Sernhede vom Zentrum für urbane Studien machte in einem Artikel der schwedischen Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ die verfehlte Integrationspolitik und fehlende Stadtplanungskonzepte für die dramatisch gewachsene Kluft zwischen Arm und Reich in Schweden verantwortlich. „Viele Migranten haben den Halt in unserer Gesellschaft verloren und leben unter äußerst prekären Verhältnissen“, schreibt Sernhede und sieht die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Schweden nicht als ein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem.

Tatsächlich leidet Schweden seit mehreren Jahren unter einer auch im EU-Vergleich sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit. Mehr als jeder vierte Jugendliche hat keinen Job, zudem führt eine verfehlte Integrationspolitik zu einer explosiven sozialen Mischung. Die meisten der seit den 80er Jahren nach Schweden ausgewanderten und vor Kriegswirren in den eigenen Ländern geflohenen Menschen wurden in den Beton-Vorstädten der größeren Städte angesiedelt.

Dort hat sich eine eigene Subkultur gebildet. „Wer hier aufwächst, hat kaum eine Chance in der übrigen schwedischen Gesellschaft“, heißt es in einer von der bürgerlichen Regierung vor einigen Jahren in Auftrag gegeben Studie. Danach haben etwa 40 Prozent der Jugendlichen zwischen 20 und 25 Jahren, die in den Problemvierteln der drei schwedischen Großstädte Stockholm, Göteborg und Malmö leben, weder einen Schulabschluss noch eine Arbeit. Zudem begann in den 90er Jahren die damalige sozialdemokratische Regierung mit der Kürzung zahlreicher Sozialleistungen.

Der konservative schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt räumte diese Woche Versäumnisse der Politik ein. „Was wir jetzt sehen, zeigt, dass wir noch mehr machen müssen“, sagte er. Der Sprachunterricht soll verbessert und mehr Förderklassen in den Schulen geschaffen werden. Der Regierungschef machte aber gleichzeitig deutlich, dass Schweden die Gewaltausbrüche nicht akzeptieren werde. „Das Auto des Nachbarn anzuzünden ist keine Form der Meinungsäußerung, sondern schlicht und einfach Vandalismus “, betonte er.

Scharfe Einwanderungspolitik verkleinert soziale Kluft nicht

U-Bahn-Station in Husby: In Stockholms Vorstädten ist es inzwischen mehrfach zu Protesten gekommen. Quelle: AFP

U-Bahn-Station in Husby: In Stockholms Vorstädten ist es inzwischen mehrfach zu Protesten gekommen.

(Foto: AFP)

Es ist nicht das erste Mal, dass es in schwedischen Vorstädten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und den Ordnungskräften kommt. Auch in Göteborg und Malmö kommt es seit Ende der Neunziger Jahre immer wieder zu Protesten in den zumeist von Migranten bewohnten Vorstädten. Obwohl die jetzige bürgerliche Regierung in den vergangenen Jahren bereits die Einwanderungspolitik verschärft hat, konnte sie die soziale Kluft nicht verringern. Nach Angaben der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gibt es in keinem anderen Mitgliedsland ein so starkes soziales Gefälle wie in Schweden. Allein im vergangenen Jahr kamen etwa 44.000 Asylbewerber nach Schweden. Jetzt denken erste Politiker bereits über eine neuerliche Verschärfung der Einwanderungsgesetze und Asylregelungen nach.

Ob restriktive Gesetze das Problem lösen, ist zu bezweifeln. Denn nach Aussagen von Stadtplanern ist es weniger die Anzahl der Migranten, sondern die missglückte Integrationspolitik, die zu den sozialen Unruhen geführt hat. In den Stockholmer Vororten, in denen jetzt seit mehreren Nächten Autos brennen und Polizisten mit Steinen attackiert werden, sind mehr als 80 Prozent der Bewohner Menschen mit Migrationshintergrund. „Wir müssen diese Ghetto-Bildung bekämpfen“, sagt ein Stockholmer Kommunalpolitiker. Der Großteil der Migranten kommt aus Irak, Iran, der Türkei und einigen afrikanischen Ländern. Auch Lateinamerikaner wandern nach wie vor nach Schweden zu.

Der erzürnte Feuerwehrmann übrigens hofft, dass sich die Lage in den kommenden Nächten entspannt – so, wie es in der Vergangenheit auch passiert ist. Auch die älteren Bewohner von Husby wollen sich ihren Stadtteil nicht zerstören lassen und haben seit der Nacht auf Donnerstag eigene Patrouillengänge organisiert. „Wir sprechen mit den Jugendlichen und versuchen sie davon zu überzeugen, dass sie sich selbst und uns allen sehr schaden“, sagt Julia, eine Chilenin, die hier seit mehr als 20 Jahren zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt.

Auch Ahmed Guneri wird die Nacht zu Donnerstag so schnell nicht vergessen. Der 42-jährige betreibt in Husby seit zwölf Jahren ein kleines Restaurant, das vor allem bei den Anwohnern des zumeist mit grau-tristen Wohnsilos bebauten Stadtteils im Südwesten Stockholms beliebt ist. Aber in der Nacht glich die Straße vor Guneris Restaurant einem Kriegsschauplatz. Dicke Rauchschwaden von brennenden Reifen machten die Luft schwer, beißender Rauch von verbranntem Gummi das Atmen fast unmöglich. Durch das Fenster seines Restaurants beobachtete Guneri, wie mehrere Jugendliche Feuerwehrleute mit Steinen bewarfen und beim Löschen behinderten. „Ich habe so etwas noch nie hier erlebt“, sagt Guneri am Morgen danach. Er klingt niedergeschlagen und fassungslos.

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42 Kommentare zu "Proteste in Schweden: Brennende Autos in den Stockholmer Vorstädten"

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  • Multikultitraum ist ausgeträumt.
    Dieses kleine Land nahm in den letzten Jahren hunderttausende Migranten aus muslimischen und afrikanischen Ländern auf, lässt sie das umfangreiche schwedische Sozialsystem, welches mit die höchsten Transferleistungen und Sozialstandards weltweit bietet, investiert zusätzlich hunderte Millionen für eine ehrgeizige Integrations- und Schulungsmaßnahmen- eine regelrechte Migrationsindustrie, und quasi als Dank, stehen vieler dieser Migranten den einheimischen Schweden und ihrer Kultur ablehnend gegenüber, klagen über fehlenden "Respekt", während sie der sie der der Mehrheitsgesellschaft- von der sie leben -nichts als Verachtung und Hass entgegenbringen, machen jetzt auch noch Randale, Terror und stecken schwedische Häuser, Schulen und Kindergärten in Brand.

    Und die schwedischen und weite Teile der linken deutschen haben nichts besseres im Sinn, als diese Randale einer von Staat Gesellschaft etablierten Parteien durch und durch bevorzugte, alimentierte, geförderte Gruppe, routinemäßig auf soziale Ursachen und eine angeblichen "Rassismus" durch die schwedische Mehrheitsgesellschaft abzuschieben. Siehe:
    http://ef-magazin.de/2013/05/24/4233-stockholm-brennt-der-aufstand-gegen-die-armut-ist-ein-wohlstandsphaenomen
    Das ist Berichterstattung gemäß multikulturalistischer Ideologie fernab der Realität.
    -------------

    Multikulti-Traum ist ausgeräumt -- Er hat sich überall als Albtraum herausgestellt, aber linke Medien und linke Politiker träumen trotzdem unbeirrt weiter.

  • ...und Volmar Weiss: "Die Intelligenz und ihre Feinde", - ist noch wesentlich besser als Sarazzin.

  • Schweden hat trotz allem offenbar noch Defizite in der Willkommens Kultur und zahlt zu wenig
    Sozialhilfe um den wütenden Mob ruhig zu stellen.Das mit Sozialhelfern bekämpfen wird nicht klappen.

  • Es macht wirklich Angst wenn man die Geschehnisse in Schweden und London betrachtet und fragt sich wann der Pöbel sich hier und anderen Staaten in Europa in Bewegung setzt.
    Wenn man dann noch so primitive "Argumente" hört wie in London und das Handeln und Bemerkungen der Politiker verfolgt dann läuft es nur noch kalt über den Rücken.

  • Genau so ist es, denn dort greift das "Streichorchester" immer kräftig in die "Tasten". aber das unterstreicht wohl in erster Linie deren Verständnis für die Meinungsfreiheit.

  • Richtig, ich als Einwanderer sehe das genau so und deswegen habe ich mich angepasst, sonst wäre ich wieder ausgewandert.

  • Der Student
    wir können die Ausgaben für Bildung noch so hoch treiben, wenn diese Klienel die Bildung nicht wahrnimmt, ändert mehr Geld gar nichts.

  • Neue Zeit
    Genau so ist es
    Inzwischen schleichen die Moslems sich in unsere Parteien, gaukeln uns vor, sie seien alle voll integriert.
    Ich nenne sie immer Pseudointegrierte
    Besuchen dann aber fleißig die Veranstaltungen der grauen Wölfe, ein hochst krimineller türkischen Verein, wie wir alle wissen, der eigentlich hier verboten ist
    Und usnre Politik schaut zu

  • Sowie auch bei der "Welt" und "Spiegel". Zensur-Zensur-Zensur..

  • das schwedische Bildungssystem ist so ziemlich das egalitärste in der Welt.. wer da bildung möchte, der bekommt sie auch. Viele wollen ihre Chance aber nicht nutzen. Worüber beklagen die sich?? Glauben die, es würde ihnen in Somalia oder sonstwo besser gehen??

    Das Bildungssystem in Schweden ist viel egalitärer und offener als anderswo. Wer daran Interesse hat, bekommt sie dort auch.

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