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Prozessauftakt Die Stunde der Wahrheit für Harvey Weinstein

Während in New York der Prozess gegen den Hollywood-Produzenten beginnt, wird Weinstein auch vor einem Gericht in Los Angeles angeklagt.
06.01.2020 - 22:08 Uhr Kommentieren

Ex-Filmproduzent Weinstein könnte lebenslange Freiheitsstrafe bevorstehen

New York Mit dem Rolator kommt er zum Gerichtsgebäude gelaufen. Die Treppen schafft Harvey Weinstein dann doch einhändig an dem Geländer. „Wie geht es Ihrem Rücken?“ will einer der Journalisten wissen und bekommt als Antwort ein schmales Grinsen und eine wankende Handbewegung. Weinstein soll vor einem Monat am Rücken operiert worden sein.

Am Montag hat in New York der Prozess gegen den berühmten Hollywood-Produzenten begonnen. Ein Geschworenengericht entscheidet hier über die Vorwürfe, die seit zwei Jahren im Raum stehen. Anstoß waren Artikel im „New Yorker“ und in der „New York Times“, die unter Berufung auf verschiedene Frauen über Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe berichtet hatten.

Daraufhin haben sich mittlerweile mehr als 80 Frauen gemeldet, die Weinstein Missbrauch vorwerfen. Als Folge wurde die breite #MeToo-Bewegung angestoßen, die viele Frauen ermutigt hat, sexuelle Übergriffe zu melden.

Vor dem Gerichtsgebäude im Süden Manhattans erwarteten den früheren Hollywood-Mogul Dutzende Frauen, die ihm sexuelle Übergriffe vorwerfen, darunter die Schauspielerinnen Rosanna Arquette und Rose McGowan. „Lieber Harvey, was auch immer du dir selbst für Lügen erzählst – du hast das alles getan“, sagt McGowan vor Journalisten.

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    Anwältin Gloria Allred, die einige der Frauen vertritt, sagte, sie beobachte den Prozess genau, „um zu sehen, ob ein reicher, mächtiger, berühmter Mann, dem die sexuelle Misshandlung von so vielen Frauen vorgeworfen wird, vor Gericht wirklich Rechenschaft ablegen muss.“

    Zwei Frauen klagen an

    In dem Prozess in New York geht es konkret um zwei Frauen, die Weinstein vorwerfen, sie sexuell missbraucht zu haben. Es geht um den Vorwurf der Vergewaltigung aus dem Jahr 2013 und um den der sexuellen Nötigung aus dem Jahr 2006. Das Gericht könnte Weinstein mit einer Gefängnisstrafe bis zum Ende seines Lebens belegen.

    Neben den beiden Anklägerinnen werden auch verschiedene andere Frauen als Zeuginnen auftreten, die ebenfalls sagen, dass sie von Weinstein missbraucht wurden. Dazu gehört auch die berühmte „Sopranos"-Schauspielerin Annabella Sciorra. Sie sagt, dass sie von Weinstein vergewaltigt wurde.

    Weinstein plädiert auf nicht schuldig. Die Frauen seien stets einverstanden gewesen, so seine Sicht der Dinge. Seine Anwältin Donna Rotunno erklärte, die Anklage stehe auf schwachen Füßen. Ihr Mandant sei kein Heiliger, aber auch kein Vergewaltiger. Sie werde die Beschuldigerinnen aggressiv ins Kreuzverhör nehmen. „In diesem großartigen Land ist man unschuldig, bis eine Schuld erwiesen ist“, sagte sie.

    Am ersten Prozesstag geht es vor allem um Verfahrensfragen. Am zweiten Tag geht es um die Auswahl der Jury. Unter anderem forderte die Verteidigung, die Jury für die Zeit des Prozesses zu isolieren. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt, der bei sehr prominenten Prozessen angewendet werden kann. So wurde etwa die Jury im OJ Simpson Prozess 265 Tage lang isoliert. Das war bisher der absolute Rekord. Diese Maßnahme gilt aber als Ausnahme.

    Klage in Los Angeles

    Noch während die Juristen im New Yorker Gerichtssaal um das Verfahren diskutierten, kam die Nachricht, dass auch die Staatsanwaltschaft in Los Angeles Klage gegen Weinstein eingelegt hat. Beweise würden zeigen, dass der frühere Hollywood-Produzent seine Macht und seinen Einfluss missbraucht habe, um an seine Opfer heranzukommen, teilte am Montag Jackie Lacey, Bezirksstaatsanwältin von Los Angeles County, mit. Es geht um eine mutmaßliche Vergewaltigung sowie eine mutmaßliche sexuelle Nötigung im Jahr 2013.

    Auf die neuen Anschuldigungen reagierten Weinsteins Anwälte nicht sofort. Die Ermittlungen in L.A. waren ihnen aber bekannt, wie sie vor Gericht in New York vor dem Bekanntwerden der Anklage sagten. „Wir haben keine Kontrolle darüber, was in Los Angeles oder anderswo passiert“, sagte der Anwalt Damon Cheronis.

    Mehr: Die „#MeToo“-Debatte über sexuelle Belästigung hat Alphamänner verstört. Viele halten Abstand zu Frauen. Die Wall Street könnte noch mehr zum Männerklub werden.

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