Putin in Deutschland Vom Partner zum Kunden

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Es sind auch die unterschiedlichen Wahrnehmungen vom Ende der DDR, die Merkel und Putin entzweien: Während der Präsident in seinen Memoiren den Untergang der Sowjetunion betrauert, als er von Dresden aus bei einem absehbaren Sturm auf die örtliche KGB-Zentrale telefonisch militärische Verstärkung anforderte. „Ich hörte aber nur ein Schweigen“, zeigt sich Putin noch heute verbittert über den laut- und wehrlosen Untergang des Weltreichs. Zur selben Zeit war Merkel, damals Physikerin an der Ost-Berliner Akademie der Wissenschaften, bereits angehaucht von den Demonstrationen der Bürgerrechtsbewegung zur Öffnung der Mauer.

Doch es sind nicht nur die unterschiedlichen Lebenswege des Geheimdienstagenten und der Physikerin, die den Grund zum Abkühlen der Beziehungen ausmachen. Vielmehr ist es fast schon wie bei Marx: Auch der ökonomische Unterbau bricht weg. Zwar wächst der deutsch-russische Handel weiter rasant zweistellig. Doch die Erwartungen deutscher Wirtschaftslenker im Russland-Geschäft sind inzwischen sichtlich abgekühlt: „Seit 18 Monaten sind deutliche Rückschritte zu verzeichnen“, sagt ein bereits seit 1974 im Moskau-Geschäft aktiver Fahrensmann auf dem Treffen von deutschen und russischen Firmenvertretern am Rande des Staatsbesuchs. Und ein anderer ergänzt: „Inzwischen ist China sogar marktwirtschaftlicher als Russland. Im Kreml-Reich wächst nur die Korruption. Und die Oligarchen versuchen, ihr Geld ins Ausland zu bringen, bevor 2008 ein neuer Präsident ins Amt kommt.“

Rudi Lamprecht, Siemens-Vorstand, lehnt sich sogar öffentlich auf dem Treffen aus dem Fenster: Zwar werde sich sein Unternehmen „noch stärker in Russland engagieren. Wir müssen aber wissen, in welchen Bereichen das geht“, sagt er in Hinblick auf immer mehr für Ausländer gesperrte Branchen. Und mit seinem Satz „wir wollen offenen Wettbewerb und nicht, dass einige aus unerkennbaren Gründen bevorzugt werden“, stößt der Siemens-Manager laut ins Merkel-Horn. Auch sie beschwört inzwischen „verlässliche Verträge“ mit Russland.

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