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Qualitätsnormen EU-Gurken dürfen sich wieder krumm legen

Die Verbraucher in Europa können ab dem kommenden Jahr wieder Obst und Gemüse kaufen, das keine Traummaße erfüllt. Die EU schaffte die Vermarktungsnormen für 26 Obst- und Gemüsesorten ab. Dies bedeutet einen Neuanfang – nicht nur für die krumme Gurke.
  • Karen Haak
Die EU-Kommission hat die Verordnung über den Krümmungsgrad der Gurke endgültig abgeschafft. Foto: dpa Quelle: dpa

Die EU-Kommission hat die Verordnung über den Krümmungsgrad der Gurke endgültig abgeschafft. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. „Gurken der Klasse Extra dürfen maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern aufweisen“ – der Standardwitz aller EU-Kritiker und der vermeintliche Beweis für die Regulierungswut aus Brüssel ist die Verordnung Nr. 1677/88 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken.

Die EU-Kommission war offenbar des Witzelns über die Regel überdrüssig hat sie endgültig abgeschafft. Ein entsprechender Vorschlag von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel stieß im zuständigen Ausschuss zwar auf die Gegenstimmen von 16 Mitgliedsstaaten. Das reichte allerdings nicht, um die Kommission zu überstimmen.

Gott sei Dank, wird sich der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gedacht haben. Immerhin leitet er eine Expertengruppe, die sich im Auftrag der Kommission exakt auch mit solchen Themen befasst und in diesem Sinne den Bürokratieabbau in Europa vorantreiben soll. Stoiber bezeichnete die Entscheidung denn auch als „Signal für ein neues Denken in Brüssel“ und sprach von einem symbolischen Schritt für den Bürokratieabbau.

Widerstand kommt indessen aus den Mitgliedsstaaten, die besonders viel am Handel mit Obst und Gemüse verdienen. Dazu gehören Frankreich, Italien, Spanien – und auch Deutschland.

Hans-Dieter Stallknecht vom Bauernverband erklärt, warum das so ist: „Die Normen haben ihren Stellenwert. Es geht nicht um die Gurke. Es geht um die Gleichmäßigkeit.“ Das bedeutet im Klartext, dass ein deutscher Zwischenhändler weiß, wie die Lieferung spanischer Tomaten der Klasse Extra ungefähr aussieht. Das bewahrt vor Überraschungen.

Außerdem haben die Vermarktungsnormen noch eine Reihe weiterer Vorteile. Laut Stallknecht sichern sie die Qualität für die Verbraucher. Beispielsweise müssen Champignons laut EU-Verordnung beim Verkauf geschlossen sein – sonst sind sie nicht frisch. Oder, um erneut auf die Gurken zu sprechen zu kommen: Beim Transport sind gerade Gurken leichter zu verpacken und sie bekommen auch nicht so schnell unansehnliche Druckstellen.

Detlef Groß vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels vertraut dagegen den Kräften des freien Marktes in dieser Sache. „Die Wirtschaft ist in der Lage sich an den Schnittstellen selbst zu organisieren“, sagt der Experte für Verbraucherschutz. Wenn es sinnvolle Kriterien gibt, die den Handel einfacher machen, dann würden Anbieter und Nachfrager diese auch ohne den Gesetzgeber einhalten. Auch für den Endverbraucher befürchtet Groß keinen „Wildwuchs in der Gemüseabteilung“. Schließlich sind bereits 2006 die bundesweiten Verordnungen über Handelsklassen für 13 Obst- und Gemüsesorten, darunter auch die für Johannesbeeren und Puffbohnen, abgeschafft worden. Diese Maßnahme hätte auch nicht zu chaotischen Zuständen auf dem Wochenmarkt geführt.

Die Haltung der Bundesregierung dazu ist eindeutig: „Die Abschaffung der Verordnungen über die Vermarktungsnormen ist begrüßenswert“, heißt es aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. So stimmte Deutschland im Verwaltungsausschuss für die Abschaffung.

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