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Quantencomputing Wie Frankreich zu einer führenden Nation in der Quantentechnologie werden will

Mit 1,8 Milliarden Euro fördern der Staat und die Industrie die Technologie, die als Schlüssel der Zukunft gilt. Macron sieht zwar Schwächen, aber auch viel Potenzial.
21.01.2021 - 17:06 Uhr Kommentieren
„Die Quantentechnologie gehört zu den Schlüsseln der Zukunft, die wir unbedingt in der Hand haben müssen.“ Quelle: AP
Emmanuel Macron in Sarclay

„Die Quantentechnologie gehört zu den Schlüsseln der Zukunft, die wir unbedingt in der Hand haben müssen.“

(Foto: AP)

Paris Im Forschungszentrum Syclay südlich von Paris hat der französische Präsident Emmanuel Macron an diesem Donnerstag die Strategie seines Landes für Quantentechnologien vorgestellt. Macron wollte dies bereits im vergangenen Jahr getan haben, wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich sein Vorhaben aber. „Wir liegen ein Jahr hinter Deutschland zurück, werden jetzt aber beschleunigen“, versicherte der französische Präsident.

Die Quantentechnologie macht sich die Eigenschaften und Zustände von Atomen und subatomaren Teilchen zunutze und erreicht bei einzelnen Rechenoptionen im Labor eine höhere Schnelligkeit als klassische Computer sowie eine höhere Präzision als bereits existierende Sensoren. Manche Anwendungen wie etwa Laser, LEDs und Transistoren sind bereits länger bekannt, andere wie ein Quantencomputer sind noch in der Entwicklung.

Mit 1,8 Milliarden Euro fördern der französische Staat und die Industrie die Technologie. Der größte Teil der Mittel – rund eine Milliarde Euro – stammt vom Staat, mehrere Hundert Millionen Euro stellt die staatliche Banque Publique d’Investissements bereit, den Rest die Industrie, darunter Unternehmen wie Thales, Atos und Air Liquide, aber auch zahlreiche Start-ups.

Die USA und China gäben zwar mehr Geld aus, so Macron. Doch mit 1,8 Milliarden Euro – das ist etwas mehr, als das deutsche Programm vorsieht – gehöre Frankreich zum Spitzentrio.

„Die Quantentechnologie gehört zu den Schlüsseln der Zukunft, die wir unbedingt in der Hand haben müssen“, sagte Macron in Saclay, wo Hunderte private und staatliche Wissenschaftler an den unterschiedlichsten Projekten arbeiten. „Wir haben die Fähigkeit, die Besten zu sein oder zu den Besten zu gehören“, so der Präsident.

Die Welt befinde sich mitten in einer zweiten Quantenrevolution, in der sich alles beschleunige. Bei Quantensensoren, die eine Navigation ohne GPS erlauben werden, bei der Entwicklung von Quantenrechnern, die um ein Vielfaches schneller sind als herkömmliche Computer, bei Simulatoren und der Verschlüsselung sei Frankreich schon heute „sehr gut platziert“, urteilte Macron. „Wir haben 20 Start-ups in der Quantentechnologie, wir verfügen über die Grundlagenforschung, mehrere Laboratorien und große industrielle Gruppen, die alle zusammenarbeiten.“

Macron: „Zu Innovationen gehören Risiko und Irrtum“

Aber der Präsident sah auch Verbesserungsbedarf im eigenen Land: „Wir haben auch Schwächen, die eine ist die zu niedrige Bezahlung junger Forscher.“ Wissenschaftler nach zehn Jahren Studium mit 1400 Euro zu entlohnen, sei ein Unding. Außerdem sei die bürokratische Belastung zu hoch.

Zu den Schwächen zählte Macron auch eine risikoaverse Einstellung: „Wir sind ein Volk von 66 Millionen Staatsanwälten, die alle Fehler beim Anderen suchen, statt zu akzeptieren, dass zu Innovationen Risiko und Irrtum gehören.“ Auch bei der Quantentechnologie gelte der Satz: „Wer sich nicht irrt, der handelt nicht.“  

Die Philosophie seiner Strategie beschrieb Macron damit, dass der Staat nicht „der Bauherr sein wird, sondern lediglich die Instrumente zur Verfügung stellt“. Die Regierung wähle nicht eine bestimmte Anwendung aus, dafür sei es noch zu früh. Alle innovativen Entwicklungen würden begleitet.  

Macron gab aber ehrgeizige Ziel vor. 2023 wolle Frankreich die weltweit erste Infrastruktur eines hybriden Rechners aufweisen. Dafür stellt der Plan 350 Millionen Euro zur Verfügung. Darauf aufbauen soll ein industrieller Quantenrechner, „wir können den ersten allgemein anwendbaren Quantencomputer vorstellen“, prognostizierte der Staatschef.

Google und China nehmen für sich in Anspruch, bereits Berechnungen auf Quantenbasis erreicht zu haben. Einen echten, universell einsetzbaren Computer dagegen gibt es noch nicht. Gefördert wird dessen Entwicklung in Frankreich mit 400 Millionen Euro. Für Quantensensoren sieht der Plan 250 Millionen Euro vor. Wie häufig in Frankreich gehen hier zivile und militärische Anwendungen, etwa in der Luftfahrt oder für U-Boote, Hand in Hand.

150 Millionen Euro werden für die Post-Quanten-Kryptografie zur Verfügung stehen. Es wird erwartet, dass diese Verschlüsselung nicht mehr geknackt werden kann. 325 Millionen Euro gibt es für die Kommunikation auf Quantenbasis. Zwei Netze in Nizza und in der Île-de-France um Paris sollen die Technologie in der Realität testen.

Mit 300 Millionen Euro fördert der französische Staat die Kryogenie, also die Forschung und Produktion bei sehr niedrigen Temperaturen. Schließlich sind 150 Millionen Euro für ein allgemeines Forschungsprogramm bestimmt.

Mit der Strategie werde eine Politik einhergehen, die sich darum bemühe, „alle nötigen Talente in Frankreich und Europa zu halten“, stellte Macron in Aussicht. Er werde „alles daransetzen, in und mit Europa zu kooperieren“.

Mehr: Frankreich wird zum vernachlässigten Freund Deutschlands – ein Kommentar

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