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Rassismus-Debatte Trump teilt weiter gegen Demokratinnen aus – und die Wirtschaftsbosse schweigen

Amerikas Konzerne haben sich in der Vergangenheit klar gegen Trumps Rassismus positioniert. Aktuell bleiben sie aber stumm gegenüber dem Präsidenten.
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Donald Trump teilt aus und die Wirtschaftsbosse schweigen Quelle: Bloomberg
Donald Trump

Der US-Präsident provozierte rassistische Sprechchöre gegen Migranten.

(Foto: Bloomberg)

New York, Washington Einlenken will Donald Trump nicht, im Gegenteil. In dieser Woche legte er auf Twitter nach und attackierte erneut vier Politikerinnen, die über Nacht zu Hassfiguren der amerikanischen Rechtsaußen wurden. Er glaube nicht, dass die Frauen „in der Lage sind, unser Land zu lieben“, schrieb der US-Präsident.

Seit Tagen prangert er die Gruppe um die demokratische Kongressabgeordnete und Muslimin Ilhan Omar an, in einem Atemzug mit ihren Parteikolleginnen Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ayanna Pressley.

Was als Streit über Flüchtlingspolitik, progressive Reformen und Israel-kritische Zitate Omars begann, ist zum schmutzigen Kampf um Hautfarben und Patriotismus mutiert, nachdem Trump die Abgeordneten dazu drängte, „in ihre Verbrecherländer“ zurückkehren. Die vier Frauen sind US-Bürgerinnen, und abgesehen von Omar, die als Kind aus Somalia floh, wurden sie alle in den USA geboren.

Im Jahr vor den US-Präsidentschaftswahlen geht es um nichts weniger als die Identität der USA als weltoffene Einwanderungsnation. International sorgten „Schickt sie zurück!“-Sprechchöre auf einer Trump-Kundgebung für Entsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanadas Premier Justin Trudeau distanzierten sich. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin und Indo-Afroamerikanerin Kamala Harris nannte Trump „bösartig, feige, fremdenfeindlich“.

Nur eine Gruppe bleibt auffallend stumm: die Wirtschaftsbosse. Es gibt keine offenen Briefe und keinen öffentlichen Aufschrei. Einzig Siemens-Chef Joe Kaeser bezeichnete den US-Präsidenten auf Twitter als „Gesicht von Rassismus und Ausgrenzung“. Und der CEO des 6500-Mitarbeiter-Unternehmens Columbia Sportswear Tim Boyle schrieb in einer hausinternen Mail: „Bürgern zu sagen, sie sollen nach Hause gehen, ist falsch. Sie sind zu Hause.“

Boyles Mutter war Jüdin und floh als Teenager aus Nazideutschland in die USA. „Wir verstehen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn Regierungschefs eine Gruppe als minderwertig, unwürdig und grundsätzlich unerwünscht bezeichnen“, schrieb Boyle. Die Mail fand ihren Weg in die Medien.

Aus der Wirtschaft kommt praktisch keine Unterstützung für die Demokratinnen. Quelle: action press
US-Politikerinnen Alexandria Ocasio-Cortez, Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Rashida Tlaib (von links)

Aus der Wirtschaft kommt praktisch keine Unterstützung für die Demokratinnen.

(Foto: action press)

Die Reaktion der Wirtschaft ist marginal. Dabei ist gerade die amerikanische Geschäftswelt geprägt von erfolgreichen Einwanderern. Satya Nadella, der Chef von Microsoft, ist in Indien geboren, genauso wie Google-Chef Sundar Pichai.

Dessen Mitgründer Sergej Brin kommt aus der ehemaligen Sowjetunion, Tesla-Chef Elon Musk stammt aus Südafrika. Einwanderer und deren Kinder haben 45 Prozent der 500 größten US-Unternehmen gegründet, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Interessensvertretung New American Economy zeigt.

Das kollektive Schweigen

„Vorstandschefs mischen sich meist nur dann in politische Diskurse ein, wenn die Themen direkte Implikationen oder zumindest einen mittelbaren Einfluss auf ihre Geschäfte haben“, sagt Professor Nils Ole Oermann, der Wirtschaftsethik in Lüneburg und Oxford lehrt. So würden sich etwa Banken zu Konjunkturthemen äußern und Konzerne wie Apple und Microsoft zum Handelsstreit mit China.

Doch das kollektive Schweigen ist eine bemerkenswerte Abkehr von früheren Reaktionen. Als Trump als Präsidentschaftskandidat mexikanische Einwanderer als Vergewaltiger und Kriminelle schmähte, kappten Firmen wie Macy’s und NBC ihre Geschäftsbeziehungen.

Im Sommer 2017 marschierten Neonazis mit Fackelzügen auf. Einer von ihnen tötete eine Gegendemonstrantin, indem er mit seinem Auto in eine Menschenmenge raste. Trump beharrte darauf, es gäbe in beiden Lagern „gute Leute“.

Führende Wirtschaftsvertreter legten damals aus Protest ihre Plätze in Beratergremien des Weißen Hauses nieder, darunter die CEOs der Pharmakonzerne Johnson & Johnson und Merck, Alex Gorsky und Kenneth Frazier, der damalige Intel-Geschäftsführer Brian Krzanich sowie der Chef des Sportartikelherstellers Under Armour, Kevin Plank.

Die damalige Pepsi-Chefin Indra Nooyi und der damalige Vorsitzende von EY (Ernst & Young), Mark Weinberger, verurteilten auf Twitter die Ereignisse rund um Charlottesville. Auch Jamie Dimon, CEO von Amerikas größter Bank JP Morgan, rückte von Trump ab. Im aktuellen Fall hält sich die Wirtschaft zurück, und der Präsident legt nach.

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