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Ratingagentur Fitch "Freiwillige Umschuldung bedeutet Pleite"

Banken sollen ihre Griechenland-Anleihen "freiwillig" gegen neue Papiere mit längerer Laufzeit tauschen, damit Europa das Reizwort Zahlungsausfall vermeiden kann. Die Ratingagenturen machen mit der Idee kurzen Prozess.
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Fitch will die Kreditwürdigkeit Griechenlands zum Zeitpunkt einer Vereinbarung nach dem Wiener Modell auf C herabstufen. Quelle: dpa

Fitch will die Kreditwürdigkeit Griechenlands zum Zeitpunkt einer Vereinbarung nach dem Wiener Modell auf C herabstufen.

(Foto: dpa)

London Auch eine Rettung nach dem Modell der „Wiener Initiative“ bedeutet aus Sicht der Ratingagenturen eine Insolvenz Griechenlands. Sollte eine solche Vereinbarung mit privaten Geldgebern des Euro-Staates zustande kommen, werde dies als Beleg für eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gewertet, erklärte die Ratingagentur Fitch am Mittwoch. Ob die Gläubiger daran freiwillig oder gezwungenermaßen teilnähmen, spiele eine geringe Rolle. Die Beweggründe der Anleihe-Halter seien schwierig zu beurteilen. Fitch halte sich deswegen bei der Bewertung des Ereignisses an seine üblichen Kriterien.

Mitten in der Diskussion über einen europäischen Kompromiss für die Rettung Griechenlands bekräftigte die Ratingagentur damit eine harte Beurteilung auch jener Lösungsformen, die von Staaten wie Deutschland in der Hoffnung auf ein freiwilliges Entgegenkommen der Gläubiger bevorzugt werden. Fitch werde die Kreditwürdigkeit Griechenlands bereits zum Zeitpunkt einer Vereinbarung nach dem Wiener Modell auf das drittklassige Niveau C herabstufen, betonte die Agentur weiter.

C bedeutet, dass nach Einschätzung der Agentur die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers unmittelbar bevorsteht. Darunter gibt es bei Fitch und Standard & Poor's nur noch die Klasse D für den Zahlungsausfall. Bei Moody's heißt diese Rubrik C. Auch S&P hat zuletzt erklärt, bei einer Restrukturierung der griechischen Anleihen von einer Staatspleite auszugehen.

Der Fall einer unmittelbar bevorstehenden Insolvenz würde damit eine Abwertung der Anleihen und eine Reihe von Umschichtungen an den Finanzmärkten nach sich ziehen, deren Folgen schwer abzusehen sind. Die Europäische Notenbank hat wiederholt davor gewarnt, dass die Konsequenzen rasch das Ausmaß der Lehman-Pleite annehmen könnten. In der Finanzkrise mussten weltweit Banken gerettet werden, deren Anlagevermögen schlagartig schrumpfte. Die hohe Verschuldung der Staaten ist eine Folge davon.

Fitch betonte, dass das Wiener Modell für die Gläubiger zwangsläufig einen Wertverlust ihrer Investition bedeute. Zwar würden die Anleihen am Ende ihrer Laufzeit voll zurückgezahlt, aber eben nur durch neue Bonds über dieselbe Summe mit mittelfristiger Laufzeit und unverändertem Zinssatz. Diese Bedingungen seien „unterm Strich betrachtet“ schlechter als die ursprünglichen, erklärte Fitch. Zumal der griechische Staat als Emittent weiter in finanziellen Nöten stecke. „Folglich würde dies von Fitch als ein Schuldentausch unter Druck bewertet und damit als Insolvenzfall, selbst wenn die Beteiligung der Anleihe-Halter als freiwillig erachtet würde.“

Bei der Wiener Initiative hatten sich 2009 mehrere westeuropäische Banken freiwillig bereiterklärt, ihr Engagement in einigen finanziell schwer gebeutelten osteuropäischen Ländern beizubehalten. Sie hatten damit einen Zusammenbruch der dortigen Finanzsysteme verhindert und zur Stabilisierung der Region beigetragen.

Deutschland pocht in der Diskussion auf einen Beitrag der privaten Gläubiger zur Entlastung Griechenlands, damit nicht alle Kosten am Steuerzahler hängen bleiben. Geldgeber sollen sich aber eigentlich in der Euro-Zone vor einer Staatspleite sicher fühlen. Eine freiwillige Zustimmung soll demnach als Überbrückungshilfe und nicht als Ausweis eines vollen Zahlungsausfalls verstanden werden. Darauf setzt unter anderem die EZB.

  • rtr
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13 Kommentare zu "Ratingagentur Fitch: "Freiwillige Umschuldung bedeutet Pleite""

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  • Lieber Kreditphilosoph,

    im Handelsblatt-Forum dürfen Sie nicht mit Sachargumenten kommen. Dies überfordert die meisten Poster hier vollkommen.

    Aber da Sie ja in einem vorherigen Posting geschrieben hatten, Sie würden Ihren Augen nicht trauen, was die Ratingagenturen derzeit veranstalten:

    Dahinter stecken klare wirtschaftliche Interessen. Schließlich haben sich die ganzen Zockerband(k)en wie Goldman Sachs, Deutsche Bank und Co. im letzten Jahr unter Garantie mit ungedeckten Credit Default Swaps auf Griechenland-Anleihen vollgesogen und auf eine Zahlungsunfähigkeit gewettet. Es ist daher egal, mit welchen guten Ideen Politik und Experten versuchen, Griechenland zu retten. Die Ratingagenturen werden jeden Versuch als Zahlungsausfall werten, denn dann ist für die skrupellosen Finanzhaie dieser Welt Zahltag!

  • Ihre Philosphie ist überflüssig, wenn Korruption, Betrug, Protektionismus, rigide Mentalitäten und Traditionen und eine "passende" Ideologie en vogue sind, angereichert mit den üblichen bekannten menschlichen Unzulänglichkeiten.

  • In Griechenland wurde nichts "erwirtschaftet", sondern veruntreut und verfrühstückt! Die von Ihnen unterstellten oder behaupteten "Erträge" hat es nie gegeben, keiner hat sich darum bemüht! Ideologengeschwafel!

  • (5)
    Zum zweiten ist EBITDA nicht "sauber", da die Schuldendienstfähigkeit nach Begleichung der Ertragssteuer zu ermitteln ist (der Fiskus ist ein privilegierter Gläubiger). Mir ist klar, dass EBITDA aus praktischen Zwecken verwendet wird, weil die Ertragssteuer aufgrund von Sondereffekten sehr fluktuiert und damit die Ertragskraft wiederum auch verzerrt, so dass man die Kennzahl gern um diese Verzerrung bereinigt. Dann sollte man schlicht ein Netto-operatives Ergebnis (bereinigt um außerordentliche Erträge/Verluste)nach theoretischen Steuer anwenden. Die Tatsache, dass es Branchenbenchmarks für die DEBT / EBITDA genügt nicht. Man kann sich davon überzeugen, wenn man die Häufigkeit der Verletzung der auf diese Kennzahl ausgerichtete Finanzklausel beobachtet.

    Also sollen die "Großen" der Kreditbranche ihre Hausaufgaben erledigen und sich nicht etwa empören, wenn bei Fälligkeit festgestellt wird, dass der Kreditnehmer eigentlich gar nicht zurückzahlen kann (siehe die Diskussion über das Schicksal von Mezzanine-Kapitalprogrammen. Als würde man nicht zu Beginn wissen, dass am Ende diese Kapital irgendwie ersetzt werden): richtig durchdachte Finanzkennzahlen ausarbeiten und nicht etwa fette Provisionen für das Arrangieren von unausgereiften Kreditpaketen kassieren, um sie gern später im Sekundärmarkt an eine gutgläubige oder naive Bank, geschmeichelt beim Konzert der Granden mitspielen zu dürfen, mit verstecktem Grinsen zu veräußern, oder eben bei Fälligkeit "umschulden" zu versuchen.

  • (4)
    Ein letzter Kommentar zu der Thematik der undifferenzierten Finanzierung:

    Für einen alten Kreditanalysten wie mich ist es schlicht unerklärlich, wie die ganze Finanzwelt sich dazu verleiten liess, eine so grobe Kennzahl wie die
    DEBT / EBITDA als Maßstab für die Schuldendientsfähigkeit anzuwenden (in Kreditverträgen als Finanzklausel). Soweit sie in ihrem Begriff, die Dauer der Entschuldung zum Ausdruck bringt ist diese Kennzahl völlig ungeeignet, wenn nicht sogar falsch.
    Das Aggregat DEBT sollte nur die langfristige amortisierbare Finanzschuld beinhalten, und nicht wie immer wieder gesehen auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten inkl. Lieferantenverbindlichkeiten (nochmal: diese lassen sich im Zyklus durch die Wandlung des Umlaufvermögens in cash!Sie haben nichts zu tun mit langfristigen tilgbaren Schulden). Die falsche Abgrenzung der Definition der Debt ist potenziell zum Verhängnis: Schwankungen des Umlaufvermögens über Perioden wirken sich beträchtlich auf die Kennzahl, da diese eine Verhältniskennzahl ist.

  • (3)
    Man sieht das Resultat: eventuell ist Griechenland nicht schlechter heute als früher aber wurde von vorneherein inadäquat finanziert. Das meine ich mit verlogene Finanzwelt. Aber die Feiglinge wenden gern die Häse. Der langjährige Kredit für laufenden Bedarf, der natürlich sehr schön für den Kreditnehmer ist, weil er damit viel Flexibilität ermöglicht, lädt in Wirklichkeit zum verführischen Kreditmissbrauch ein. Es liegt in der Natur, dass, ob für Privatperson oder für Unternehmen, Finanzmittel zweckentfremdet werden, wenn sie weit über das Horizont des Bedarfs zur Verfügung gestellt werden. Das ist ein Beispiel des sogenannten Moral Hazard. Deshalb plädiere ich für eine gewisse Rückkehr zu mehr transaktionsbasierten Finanzierungsformen, wie der gewöhnlichen Handelsfinanzierung mit entsprechenden zugeschnittener Laufzeit.

  • (2)
    Schlimmer noch: klar bedeutet dies, dass, wenn die Wirtschaftsdauer der Investition vorbei ist, die Substanz abgenutzt ist, also theoretisch keine Erträge mehr generiert werden können (das Investitionsgut is eben "abgeschrieben"!). Die Orthodoxie wurde verloren und, ich behaupte im Grunde damit die Kontrolle über die Bonitätsbeurteilung von Kreditnehmern, als man in diesem Zusammenhang angefangen hat den sogenannten working capital (Umlaufvermögen)zusammen mit Sachanlagen in einem Topf zu finanzieren: Banker haben schlicht ignoriert, dass ersteres (also der laufende Bedarf für Umlaufvermögen) sich im operativen Zyklus selbst liquidiert, während eine Investitionsfinanzierung, wie oben geschildert, über die Wirtschaftsdauer amortisieren lässt. Mit Gewinnen werden keine Vorrats-/Forderungsfinanzierungen zurückgezahlt. Sie werden im Wandlungsprozess (Vorräte werden bei Verkauf ergänzt durch Marge/Wertschöpfung zu Forderungen und Forderungen werden bei Fälligkeit zu cash). Es ist in der Tat unerträglich, dass man heutzutage Aggregate unterschiedlicher Natur wie Umlaufvermögen und Sachanlagevermögen nicht durch eine differenzierte Finanzierung handelt. Dadurch wird Mitunter Umlaufvermögen immer häufiger mit mehrjährigen Endfälligkeitsdarlehen finanziert (wie komfortabel für den Kreditnehmer, sich für lange Zeit einzudecken). Mit fatalen Folgen: da der Bedarf ein zyklischer ist und demzufolge sich zwar selbst liquidiert aber immer wieder entsteht, muss die Finanzierung im Grunde neu aufgerollt werden (revolving) und das ist ganz normal. Leider aber weiss, wenn Umlaufvermögen und Sachanalagen über einen Topf finanziert werden, keiner, ob die Notwendigkeit einer Erneuerung des Kredits an einer tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit wegen mangelnder Ertragskraft (im bestem Fall war die Laufzeit des Kredits nicht lang genug)oder daran, dass dieser Kredit als working capital loan nicht zu tilgen ist.

  • Als Kreditanalyst, der sogar die Dienste dieser Ratingagentur schätzt, glaubt ich einfach meinen Augen nicht!! Es ist unerträglich, feststellen zu müssen, dass Fitch so anscheinend entdeckt, dass die Rückzahlung von langfristigen Anleihen durch Ersatzanleihen eigentlich eine Zahlungsunfähigkeit verdecken kann. Was sollte die ganze Finanzbranche von den tausenden von Unternehmensanleihen dann halten, die weltweit im Umlauf sind, welche bei Fälligkeit durch neue ersetzt werden? Die Wahrheit ist, dass wesentliche Grundlagen des Kreditwesens durch eine seit circa zwei Jahrzehnten progressive Pervertierung der Kreditpraxis über Bord geworfen wurden. Für einen Kreditanalysten mit gesundem Verstand, d.h. der versteht, dass ein langfristiger Kredit sich über die Wirtschaftsdauer des damit finanzierten Investitionsgutes schrittweise abtragen lässt, haben die Probleme dieser verlogenen Finanzwelt längst angefangen, als man sich von den altbewährten Amortisationsdarlehen-/anleihen verabschiedet hat hin zum heute vermeintlich universellen Modell der Endfälligkeitsdarlehen-/Anleihen. Es müsste doch jedem einleuchtend sein, dass niemand doch in der Lage wäre, in einer einzigen Rate den Gesamtkapitalbetrag einer Anleihe zurückzuzahlen: die Erträge einer Investition werden doch über die ökonomische Lebensdauer verteilt erwirtschaftet.

  • Tja, hier gibt es tatsächlich Leute, die sich an die festgelegten regeln halten, auch wenn schäuble noch so auf Panik macht. recht so ! an der Linie festhalten und nicht betrügen wie der Eu- spieler und gauklerverein. Da haben sie mal was gelernt, diese hochbezahlten eurokraten, die sich einbilden, sie könnten Verträge und festgeschriebene dinge einfach straflos ignorieren und das gegenteil machen. die "Idee" einer angeblich "sanften" Umschuldung ist ein Schmarrn von A bis Z. Und genau das haben Schäuble und Lagarde heute attestiert bekommen.

  • Rating Agenturen waren mit Ihren kompetenten Einschätzungen schon an der subprime crisis beteiligt. S&P Moody und Co. sollten sich lieber mal um die Einschätzung der Staatfinanzen der noch größten Volkswirtschaft der Welt kümmern, welche im August vor der "Regierungspleite" steht, anstatt Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit einer - vom Bruttosozialprodukt aus betrachtet - doch relativ unwichtigen Volkswirtschaft eines 11 Mio. Einwohner Völkchens zu widmen. Es ist doch offensichtlich, daß hier eine "Euro-Krise" hilft, den Verfall des US Dollars zu verhindern. Wo stünde sonst der Euro ohne quantitative easing der FED ? Bei 1,40 USD ?

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