Reaktion auf Ukraine Putin lässt die Muskeln spielen

Die russische Regierung reagiert auf die Krise in der Ukraine. Staatspräsident Wladimir Putin lässt die Armee im Westen in Alarmbereitschaft versetzen. Russland klagt über eine wachsende Bedrohung aus der Ukraine.
Update: 26.02.2014 - 21:02 Uhr 80 Kommentare
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MoskauWenige Tage nach dem Umsturz in der Ukraine hat der russische Präsident Wladimir Putin überraschend eine große Militärübung im Zentrum und Westen des Landes angeordnet. Mit dem Manöver solle die Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte in Krisensituationen getestet werden, teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Treffen ranghoher Militärs in Moskau mit. Die Ukraine, die an Westrussland grenzt, erwähnte er in der vom Fernsehen verbreiteten Mitteilung nicht.

Geprüft werde die Bereitschaft von etwa 150.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen, von 90 Flugzeugen und 120 Hubschraubern sowie von bis zu 880 Panzern, 1200 Einheiten Militärtechnik und 90 Schiffen. „Alle Panzer werden schießen, alle Flugzeuge werden im Kampfmodus fliegen“, sagte Schoigu. Zudem sei eine Übung von Fallschirmspringern geplant.

Putin habe die auf mehrere Tage angesetzte Übung am Mittwochnachmittag angeordnet. Während der ersten zwei Tage werde das Militär in Alarmbereitschaft versetzt und einige Einheiten würden zu Schießübungen herangezogen. Das eigentliche Manöver soll nach Schoigus Angaben am Freitag beginnen und vier Tage dauern. Auch Marineeinheiten in der Ostsee und die Luftwaffe sollen sich daran beteiligen.

Seit sich die Ereignisse in der Ukraine überschlagen haben, mehren sich sowohl im russlandfreundlichen Osten der Ukraine als auch in Russland selbst die Rufe nach einem möglichen Eingreifen Moskaus. Der neue Übergangspräsident Olexander Turtschinow hatte am Mittwoch seine Macht weiter ausgebaut und das Oberkommando über die Armee. Zudem wurde die Berkut-Sondereinheit der Polizei aufgelöst, die dem gestürzten Präsidenten Janukowitsch als ergeben galt. Auf der Internet-Seite des Präsidialamtes wurde keine Erklärung für die Übernahme der Armee-Führung abgegeben.

Am Dienstag hatte sich Turtschinow jedoch besorgt über eine mögliche Spaltung des Landes geäußert. In den Regionen mit einer mehrheitlich russischstämmigen Bevölkerung im Osten des Landes und auf der Halbinsel Krim war es zu Protesten gegen die neuen Machthaber gekommen. Vor allem auf der Krim mit ihren zwei Millionen Einwohnern wurden Forderungen laut, sich von der Ukraine abzuspalten. Die Halbinsel kam 1954 von Russland zur Ukraine, ist aber immer noch der Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

In Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim, übernahm nach einer Straßenabstimmung der Russe Alexander Tschalyi das Bürgermeisteramt. Diese Aktion hat besondere Brisanz: In der Stadt wurde seit dem Zerfall der Sowjetunion wegen der herausragenden Bedeutung für die Beziehungen zu Russland der Bürgermeister nicht von den Einwohnern gewählt, sondern vom ukrainischen Präsidenten bestimmt. Moskautreue Kräfte richteten Grenzposten an den Zugängen zur Stadt ein. Die Führung in Moskau fürchtet, dass ukrainische Nationalisten den Autonomie-Status beenden könnten. Das will der Kreml nicht zulassen. Russische Politiker reisten auf die Halbinsel, um die Lage zu sondieren.

Militärisches Eingreifen „unwahrscheinlich“
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80 Kommentare zu "Reaktion auf Ukraine: Putin lässt die Muskeln spielen"

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  • Meine Prognose: Timoschenko wird nicht gewählt werden. Gegen Polit-Milliardäre haben die Ukrainer was, wobei die Zeit im Knast ihr ggf. eine etwas andere Haltung beschert haben könnte. Im Kampf gegen das Regime galt für mich die Regel: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Ich gehe davon aus, das der weder "Rechte Sektor" und noch viel weniger die "Swoboda" NS-begeistert sind (bei allen Fehlern war ihre Gallionsfigur auch von den Nazis ins KZ gesperrt worden), es geht hier nur um die Befreiung von einem korrupten, durch Russland gesteuerten Regime. Die Menschen sind es leid, sich bestehlen zu lassen, während eine handvoll Familien unermesslich reich wird. Der Kampf des Maidan hat den Weg zu Neuwahlen geebnet, dass war es, was diese Bewegung einte. Danach wird die Regierungsbildung wohl wirklich schwierig, aber als Optimist glaube ich an die Zukunft des ukrainischen Volkes. Hätte es keine kampfbereiten "Maidaner" gegeben, wäre jetzt die Kleptokratie noch im Amt, Wahlen bis Ende des Jahres usw. In meinen Augen war dies eine Revolution mit dem Ziel, sich der bisherigen Diebe zu entledigen. Hoffentlich irre ich mich da nicht. Der Vergleich mit Syrien hinkt gewaltig, die Islamisten in Syrien sind wirklich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, wobei nicht der gesamte Widerstand dort als islamistisch angesehen werden kann.

  • @Vorsicht_Putinschreiberlinge:

    Adenauer hat einmal ausgeführt, er würde kein schmutziges Wasser wegschütten, solange er kein sauberes hat - aus meiner Sicht vielleicht unappetitlich aber allemal praktisch.

    Wo bitte ist jetzt das saubere Wasser in der Ukraine? Man ahnt ja schon die Pläne: ein eingeschüchtertes, demokratisch unversiertes Wahlvölkchen, ein schwacher Präsi mit "westlichen" Beraterstab-gerne auch Goldmann- und........
    Hilfskredite und..........
    Transferzahlungen, pardon: EU-Aufbauhilfe.

    Insgesamt ein arg schlechtes Geschäft für den durchschnittlichen Mitteleuropäer - rußlandnahe Oligarchen oder USA-nahe Oligarchen hin oder her.

  • @ Putinschreiberlinge:

    Waren Sie auch in dem 5 Mrd. USD Budget von Nuland und Co zur Destabilisierung der Ukraine damit es in die Hände der EU/USA/NATO fällt?

  • Da kann ich mit dem letzten Governor von Hongkong antworten, Chris Patten (sinngemäß, er hat das viel eleganter formuliert): Demokratie geht mir auch mächtig auf den Senkel, aber es gibt nichts Besseres. Jedenfalls ist sie besser als Putins Stalinismus, und zu futtert haben in Demokratien meist auch alle.

  • Gut, da besteht eine Gefahr, aber so doof werden die Ukrainer auch nicht sein, das ist ihnen verdammt bewusst. Gibt ja schon haufenweise kluge Statements dazu. Nur Putin und seine Drecksoligarchen, die mit ihren wasserstoffblonden Nutten in Champagner gebadet und sich in Heldenpose haben malen lassen (und das mit ihren verkommenen Visagen), während das Volk gehungert und gefroren hat, ist sicher mit die beschissenste von allen Lösungen.

  • @deltaone:

    Dacore, was die zweifelhafte Natur des ukrainischen Staatswesens angeht. Nur: Darum geht es leider so überhaupt nicht. Oder wo ist jetzt der Unterschied zu Timotschenko im Verbund mit offenbar immer noch NS-begeisterten Ultranationalisten mit der Gewaltherrschaft über die Straße?

    Sorry, aber daß die Ukraine da einen guten Tausch gemacht hat, lässt sich genausowenig vermitteln, wie die Behauptung, dass islamistische Fundamentalisten Syrien in eine glückliche, demokratische Zukunft geführt hätten.

  • Ich könnte Ihnen zustimmen, wenn nicht die EU den USA und deren Hegemonieinteressen in Europa untergeordnet wäre. Auch die NATO ist nichts anderes als kaum verhüllter Ausdruck der US-Vorherrschaft über (West-) Europa. Der EU mit Deutschland als Zugpferd kommt die Aufgabe zu, die ehemaligen Ostblockstaaten in den Hegemoniebereich der USA zu locken. Dass unsere Politiker das anders sehen wollen, ist menschlich verständlich; sie verschließen die Augen vor der Realität und ihrem Unvermögen, sich den machtpoltischen Ansprüchen Washingtons zu widersetzen. Am Ende werden wir Europäer die Leidtragenden sein!

  • @Redaktion: Danke für die schnelle Reaktion!

  • Es ist verständlich, dass eine junge Nation wie die Ukraine mit einer sehr gemischten Geschichte, die man nicht einfach mit der polnischen gleichsetzen kann, unterschiedliche Interpretationen seiner Identität hat. Gerade deshalb und auch wegen der gemeinsamen sowjetischen Erfahrung ist es Quatsch, Russisch zu "verbieten". Russisch als lingua franca der ehemaligen Sowjetunion hat durchaus seinen Zweck und ist eine alte Kultursprache.

    Das größte Problem bei einer erneuten russischen Attacke auf unabhängige Staaten der früheren Sowjetunion (siehe Transnistrien, der Fall von Georgien erscheint mir wesentlich komplizierter zu sein) ist jedoch die schwache EU.

    Europa wird mal wieder die Hände in den Schoß legen. Im Zeichen der Raute.
    Wie schon im Fall von Syrien, wo sie sich mit einer Flugverbotszone (allerdings o h n e Intervention à la Libyen) sowohl die Bombardierung der Zivilbevölkerung, Zerstörung Aleppos, riesige Flüchtlingsströme sowie die Jihadisten erspart hätte.

  • Ekelhaft: Antisemitisch in Inhalt und Nick, bitte schnellstens löschen!

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