Reaktionen aus Ostasien Nordkorea feiert ausgelassen, Südkorea und Japan reagieren besorgt auf Kim-Trump-Gipfel

Donald Trump will die Militärmanöver mit Südkorea aussetzen. In Ostasien provoziert die Ankündigung sehr unterschiedliche Reaktionen.
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Der US-Chefverhandler ist am Mittwoch und Donnerstag zu Gesprächen in Südkorea. Quelle: AP
Mike Pompeo

Der US-Chefverhandler ist am Mittwoch und Donnerstag zu Gesprächen in Südkorea.

(Foto: AP)

SingapurIm noch sehr analogen Nordkorea sind die Untertanen des Kim Jong Un vielleicht nicht in Echtzeit informiert worden – dafür aber umso ausführlicher am Folgetag. Das erste Treffen eines nordkoreanischen Führers mit einem Präsidenten der USA produzierte reichlich Bildmaterial. Donald Trump und Kim vor Landesflaggen, beim freundlichen Händeschütteln, im entspannten Gespräch – die Fotos auf der ersten Seite der Parteizeitung „Rodong Sinmun“ zeigten dem Volk die erstaunliche Annäherung der bisherigen Erzfeinde.

In Inneren der Zeitung ging die Bilderschau über den historischen Atomgipfel weiter. Es wurde sogar gezeigt, wie Kim Trumps Sicherheitsberater John Bolton die Hand drückte. In den Wochen vor dem Gipfel hatte ein Diplomat den Hardliner Bolton wegen dessen Positionen noch als abstoßend bezeichnet und seinen Ausschluss von Gesprächen gefordert. Die Texte der Parteizeitung betonten, dass die Beziehungen der einstigen Kriegsparteien vor einer historischen Wende stünden.

Die historische gemeinsame Erklärung künde von einem neuen Start, der die Vergangenheit überwinde, zitierte die Nachrichtenagentur KCNA den Vorsitzenden Kim. Darüber hinaus führte der Artikel neutral die Ergebnisse des Gipfels auf: die Einigung auf eine schrittweise Denuklearisierung zum Beispiel.

Etwas mehr Raum gewährte die KCNA einem Thema, das die südkoreanischen und japanischen Verbündeten der USA unangenehm überraschte: Die Agentur informierte das Volk, Trump habe nach einer Bitte Kims seine Absicht geäußert, die US-südkoreanischen Militärmanöver für einige Zeit auszusetzen und die Sanktionen mit zunehmender Verbesserung der Beziehungen zu lockern.

Nordkorea lobte die Geste von Trumps gutem Willen. Dabei verschwieg die KCNA, dass Trump in seiner Pressekonferenz einmal die Stationierung von US-Truppen in Südkorea sogar wieder in Frage stellte.

Ganz anders, fast alarmierend, die Stimmung in Südkorea und Japan: Die südkoreanische Regierung kündigte an, erst einmal herausfinden zu wollen, was Trump mit der Einstellung der Militärmanöver eigentlich meine. Abgesprochen sei das Vorhaben jedenfalls nicht.

Deutlicher wurde Japans Regierung, die weiter auf harte Sanktionen gegen Nordkorea drängt. „Die Übungen und die Stationierung des US-Militärs in Asien spielen eine vitale Rolle in Ostasiens Sicherheitsstruktur“, mahnte der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera an. Und er hoffe, diese Sicht mit den USA und Südkorea zu teilen.

Sicherheitsexperten teilen die Sorge. „Die Absage der US-Beteiligung an den Manövern und das Gerede vom Abzug der US-Streitkräfte gefährdet die US-Südkorea-Allianz und den Nichtverbreitungsvertrag von Atomwaffen“, sagt Bruce Bennett vom US-amerikanischen Thinktank Rand Corporation gegenüber dem Handelsblatt. Denn im Falle eines Truppenabzuges könnte Südkorea zur Atombombe greifen und danach Japan. Präsident Moon dürfte daher sehr aufgebracht sein, China entzückt, meint Bennett.

Japan dränge darauf, die Sanktionen solange aufrechtzuerhalten wie die Abwicklung der Atomwaffen und Mittelstreckenraketen nicht geklärt sei, erklärt Ken Jimbo, Sicherheitsexperte am Canon Institute for Global Studies. „Japan wäre in einer schwierigen Lage, wenn die US-Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Anreize gewähren, bevor diese Anliegen geregelt sind.“

Den USA ist die Verunsicherung ihrer Verbündeten sehr wohl bewusst. US-Außenminister Mike Pompeo flog am Mittwoch nach Südkorea. Er fungiert als Chefunterhändler in den Gesprächen mit Nordkorea. Pompeo wird zunächst den Kommandeur der US-Truppen, Vincent Brooks, informieren.

Südkoreas Präsident Moon Jae In muss sich bis Donnerstag gedulden, genauso Taro Kono. Der japanische Außenminister eilt eigens nach Südkorea. Danach reist Pompeo nach China weiter, um sich mit Nordkoreas Verbündeten über die Ergebnisse des Gipfels auszutauschen.

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