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Rechte Gewalt in den USA Mit dem Attentat von Pittsburgh holt der Rechtsterror Trump im Wahlkampf ein

Gerät die Polarisierung in den USA außer Kontrolle? Rechte Gewalt erschüttert die USA, Präsident Trump sieht die Medien in der Verantwortung.
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USA: Der Rechtsterror holt Donald Trump im Wahlkampf ein Quelle: AP
Trauernde in Pittsburgh

Am Samstag eröffnete ein Mann das Feuer auf jüdische Gläubige im Morgengottesdienst.

(Foto: AP)

WashingtonDer Wahlkampf in den USA steht im Schatten entsetzlicher Hassverbrechen, doch Donald Trumps Tournee durch das Land geht vorerst weiter. „Ich möchte unser Leben nicht für jemanden ändern, der krank und böse ist”, sagte er bei einer Kundgebung in Illinois.

Der US-Präsident trat wie geplant auf die Bühne, nur wenige Stunden nach dem Attentat auf eine Synagoge in Pittsburgh. Er verurteilte die Schießerei, bei der elf Menschen gestorben sind, scharf. „Pittsburgh ist ein Angriff auf uns alle, ein Angriff auf die Menschheit”, sagte er.

Zu einem späteren Zeitpunkt will er die Synagoge „Tree of Life” besuchen, in der der 46-jährige Robert Bowers am Samstag das Feuer auf Gläubige im Morgengottesdienst eröffnet hatte. „Alle Juden müssen sterben!“, rief Bowers Zeugen zufolge.

Die New Yorker Organisation Anti-Defamation-League nannte die Attacke den „wahrscheinlich tödlichsten Angriff auf die jüdische Gemeinde in der Geschichte der USA“. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, UN-Generalsekretär António Guterres, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und Papst Franziskus zeigten sich entsetzt und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Für die USA ist die Bluttat von Pittsburgh auch ein Einschnitt in einen ungewöhnlich aufgeladenen Wahlkampf. Die Kongresswahlen am 6. November gelten als Referendum über Trump, die Stimmung ist aufgeheizt, die politischen Lager stehen sich feindselig gegenüber.

„Es war eine harte, sehr harte Woche”, sagte Trump in Illinois. Denn parallel erschüttert eine Serie von 13 Paketbomben, die an Linksliberale wie Barack Obama und Hillary Clinton verschickt worden waren, das Land. Der mutmaßliche Täter, der 56-jährige Cesar Sayoc aus Florida, ist ein Rechtsextremer und glühender Trump-Anhänger.

Die Täter eint Rassismus und der Hass

Auch der Mord an zwei Afroamerikanern in einem Supermarkt in Louisville im Bundesstaat Kentucky wird als rassistisch motiviert eingestuft. Der mutmaßliche Täter verschonte einen weißen Passanten mit den Worten: „Weiße erschießen keine Weißen.”

Die Verbrechen haben individuelle Täter und Beweggründe, doch die Opfer wurden aufgrund ihrer Rasse, Religion oder politischen Überzeugung ausgesucht. Die Serie der Gewalt wirft deshalb die Frage auf, ob die Polarisierung in den USA außer Kontrolle gerät – und inwiefern der provokante Präsident dazu beiträgt, dass Hass gedeihen kann.

Insbesondere das Attentat in Pittsburgh und die Paketbomben werfen ein Schlaglicht auf rechte Gewalt, die sich aus einer gefährlichen Melange konspirativer Theorien speist. Sowohl Bowers als auch Sayoc waren Verfechter von Verschwörungstheorien, zum Teil gezielt antisemitisch, zum Teil ultrarechts. Sayocs erste Paketbombe ging an George Soros, jüdischer Milliardär und regelmäßiges Opfer von Hetze im Internet.

Trump fordert Todesstrafe für Pittsburgh-Attentäter

Auch Trump wirft Soros vor, kritische Proteste und einen Flüchtlingstreck aus Honduras zu finanzieren. Bowers, erklärter Antisemit, startete kurz vor seiner Tat eine Online-Tirade gegen die jüdisch geführte Flüchtlings-Wohltätigkeitsorganisation HIAS. Er beschuldigte sie, „Eindringlinge zu bringen, die unser Volk töten“.

Der Pittsburgh-Mörder ist im Gegensatz zu Sayoc kein Trump-Anhänger, er kritisierte den Präsidenten im Netz dafür, „kein echter Nationalist“ zu sein.

Was beide mutmaßlichen Rechtsterroristen vereint, ist ihre starke Präsenz in einschlägigen Netzwerken. Der Pittsburgh-Attentäter war aktiv auf „Gab“, einer bei Neonazis beliebten Social-Media-Plattform.

Er veröffentlichte dort rassistische und antijüdische Beiträge wie „Juden sind die Kinder von Satan“. „Gab“ ist ein relativ kleines Netzwerk mit noch weniger Beschränkungen als Twitter und Facebook, das nach eigenen Angaben „alle Akte von Terrorismus und Gewalt” ablehnt. Paypal verbannte „Gab“ nach der Schießerei von Pittsburgh von seiner Zahlungsplattform.

Der Paketbombenbauer Sayoc teilte auf Twitter eine Flut von Hassbeiträgen gegen islamistischen Terrorismus, illegale Einwanderung und Hillary Clinton. US-Forscher wie Jonathan Albright, Forscher am Tow Center for Digital Journalism in Columbia, sprechen bereits von einer steigenden antijüdischen Stimmung im Internet.

Antisemitismus und Rechtsextremismus sind auch in der realen Welt auf dem Vormarsch: Laut einer Studie der Analyse-Seite Quartz und der Universität von Maryland wurden fast zwei Drittel der Terroranschläge in den USA im letzten Jahr von Rechtsextremisten durchgeführt, im Vergleich zu 2006 sollen sich rechte Gewalttaten verzehnfacht haben.

Präsident sendet widersprüchliche Signale

Gut eine Woche vor den Kongresswahlen sendet der Präsident widersprüchliche Signale. „Wir müssen uns als eine Nation in Frieden, Liebe und Harmonie vereinen”, sagte er. Zugleich kritisierte er Medien für ihre „ständige unfaire Berichterstattung, die nur dazu dient, Menschen auseinanderzutreiben”. Trump plädierte für eine schärfere Anwendung der Todesstrafe und mehr Sicherheitskräfte in und um Synagogen.

Trump hat es als Präsident oft versäumt, sich von rechten Kreisen abzugrenzen. Nach den gewaltsamen Ausschreitungen von Charlottesville 2017 wies Trump darauf hin, dass es auf beiden Seiten, rechts wie links, „gute Leute“ gebe. Zuletzt hatten Gruppen wie die Hooligan-ähnlichen „Proud Boys” in New York für Aufruhr gesorgt. Im Publikum von Trump-Auftritten sieht man Anhänger des Kollektivs Quanon, das in rechten Kreisen populär ist.

Der Präsident nährt Verschwörungstheorien, indem er den Justizapparat als korrupt brandmarkt und behauptet, Nahost-Terroristen mischten sich unter Flüchtlinge. „Er nennt sich Nationalist, er stachelt die Massen an, er droht George Soros”, sagte Cecilia Wang von der Denkfabrik American Civil Liberties Union der „Washington Post”. Für sie ist klar: „Es ist alles miteinander verbunden.“

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