Reformen wirken Troika gibt Griechenland mehr Leine

IWF, EZB und EU sehen Fortschritte beim Sparen – und wollen bei der Überprüfung der Reformen nicht mehr ganz so penibel sein. Damit sind die Bedingungen für einen weiteren Hilfskredit erfüllt.
Update: 13.05.2013 - 21:29 Uhr 24 Kommentare
Antonis Samaras kann sich über die nächste Finanzspritze der EU freuen. Seine Reformen scheinen zu funktionieren. Quelle: Reuters

Antonis Samaras kann sich über die nächste Finanzspritze der EU freuen. Seine Reformen scheinen zu funktionieren.

(Foto: Reuters)

AthenDie internationalen Geldgeber lassen Griechenland eine längere Leine. Die Troika werde die Umsetzung der Reformen nun nicht mehr quartalsweise überprüfen, kündigte Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras am Montag an. Anstatt im Juni kämen die Vertreter der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) erst im Oktober wieder. Zuvor habe die Troika dem Land gute Fortschritte bei der Bewältigung der Sparauflagen bescheinigt.

Die Europäische Kommission teilte mit, dass Griechenland seine Ziele fürs laufende und kommende Jahr erreichen wird. Um die ehrgeizigeren Vorgaben für 2015 und 2016 erfüllen zu können, seien aber weitere Einsparungen nötig. Der öffentliche Sektor müsse reformiert und der Privatisierungskurs verschärft werden. Eine Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt werde erst in einigen Jahren möglich sein, hieß es in dem Berichtsentwurf der internationalen Geldgeber. Samaras will es trotzdem früher versuchen und kündigte an, sich in der ersten Jahreshälfte 2014 wieder eigenständig am Markt frisches Geld besorgen zu wollen. Dies ist noch eher, als es Finanzminister Jannis Stournaras jüngst in Aussicht gestellt hatte. Da war von Ende 2014 die Rede gewesen.

Die Bedingungen für einen weiteren Hilfskredit hat Griechenland jedenfalls erfüllt. Die Eurogruppe habe zugestimmt, das nächste Kreditpaket von insgesamt 7,5 Milliarden Euro bis Juni auszuzahlen, erklärte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Montag nach der Sitzung der Eurogruppe in Brüssel. Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatte dem Land bescheinigt, die geforderten Spar- und Reformziele dafür umgesetzt zu haben. „Griechenland gewinnt klar an Wettbewerbsfähigkeit, baut das Haushaltsdefizit ab, die Leistungsbilanz hat sich verbessert und der Bankensektor stabilisiert“, sagte Dijsselbloem.

Das Mittelmeerland musste als erster Euro-Staat mit Krediten der anderen Euro-Länder und des IWF im Umfang von Hunderten Milliarden vor der Pleite gerettet werden. Im vergangenen Jahr stand der Verbleib des Landes in der Euro-Zone auf der Kippe, weil die führenden Parteien die im Gegenzug verlangten Reformen ablehnten. Inzwischen hat die Regierung in Athen aber ihren Kurs geändert. Insgesamt hat Griechenland seit dem ersten Rettungsprogramm 2010 bislang 200 Milliarden Euro der insgesamt gut 240 Milliarden Euro an zugesagten Hilfen bekommen. Die Gelder werden in einzelnen Tranchen ausgezahlt und das Land muss im Gegenzug Reformen umsetzen.

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24 Kommentare zu "Reformen wirken: Troika gibt Griechenland mehr Leine"

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  • Nicht mehr nachvollziehbar: erst massiv über die Verhältnisse leben, sich massiv verschulden und nachweislich mit bewußt falschen Angaben die Gläubiger betrügen. Danach diejenigen, die man betrogen hat als unsozial beschimpfen. So funktioniert also das Verständnis von Solidarität. Die Damen und Herren Politiker, die das zugelassen haben und weiterhin zulassen werden müssen alternativlos abgewählt werden, da sie großen Schaden für Ihre Bevölkerung angerichtet haben und das auch weiterhin tun werden. Zum Glück gibt es bei der nächsten Wahl eine Alternative für Deutschland.

  • Nichts steht darüber. Wir sind alle nur noch eine Nummer die noch weniger Wert ist als das Kapital an sich. Anstatt uns das Kapital zu Nutze zu machen werden wir von wenigen für das Kapital ausgenutzt. Geld und Ethik passen nicht zusammen. Dein Tod mein Leben. Und jeder, der noch keine Probleme finanzieller Art hat und sich wie ein König freut wird sich sehr bald umschauen müssen....wir sind eigentlich alles in allem sehr arme Menschen obwohl viele immer noch sehr viel Geld haben.

  • "Shit" ist die absurde Idee man könnte Griechenland durch Spardiktate (->Diktatur..) zu einer leistungsfähigen Wirtschaft verhelfen.

    Griechenland wird versklavt und das ist schon die ganze Wahrheit.

    Heute die Griechen - morgen sind wir dran.

  • Dieses Verständnis von Recht und Gerechtigkeit ist völlig abartig. Wo hat denn die Macht des Gläubigers ein Ende? Wer herrscht? Der Gläubiger oder das Volk?

    Ihnen wäre es wohl noch Recht, wenn die Griechen die Akropolis als Baumaterial verkaufen würden und danach könnte man ja noch griechische Mädchen zur Zwangsprostitution schicken? Ja, genau und wir könnten aus Dosenwurst aus Ihnen machen?

    Dieses Denken in reinen Gelddimensionen ist eines Menschen nicht würdig!

    Der STAAT, als Stellvertreter des Volkes, muss dem gierigen Griff der Gläubiger Einhalt gebieten.

  • WER ist "Wir"?

  • Merkt eigentlich jemand wie ABARTIG diese Titelzeile ist?

    Der Köter bekommt vomm Herrn mehr Leine. Guter Herr.

    Wie weit ist es noch bis zur Zwangssklaverei?

    Was steht noch über der Kapitalforderung?

  • Nächste Überprüfung in Griechenland durch die Troika erst im Herbst? Könnte da vielleicht ein Zusammenhang mit der Bundestagswahl in Deutschland bestehen? Ein Grund mehr eine Partei zu wählen, deren Ziel es ist, dass Deutschland dem Euro den Rücken kehrt. Denn der Bruch aller Verträge, welche im Vorfeld bezüglich einer Gemeinschaftswährung gefasst wurden, wird sich auch in Zukunft fortsetzen.

  • @ Wolf - jepp
    nur eine Frage der Zeit, bis "neue Zeit" mit neuem Geld gekauft wird.

    Ich befürchte,
    dass Löcher, ungedeckte Zusagen, anstehende Bankenpleiten, Zusammenbruch mit Chaos und Unruhen, zu (Fehl-)Entscheidungen unserer Regierung(en) führen, die nur noch vor dem Hintergrund von Angst und Panik getroffen werden.

    Sollte es so sein, dann sind all die vergeblichen Rettungsversuche zwar ehrenhaft, aber gleichzeitig verwerflich und unverzeihlich. Sie verzögern und vergrößern damit den Schaden für alle, möglicherweise irreparabel über Generationen hinweg.

    Shit happens!

  • Wenn bisher 200 Mrd von 240 Mrd Hilfe geflossen sind
    dann ist ja zumindest klar wann das Haus zusammenfällt, alle bisherigen "Reformbemühungen" eingestellt werden und ganz überraschend neue Hilfe beantragt wird.

  • Wenn man dem Ganzen was positives abgewinnen möchte: Auf diese Weise werden wenigstens Reisekosten für dieses Versagerkollektiv gespart

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