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Regierungsberater Clément Beaune: Macrons Mann für Europa

Der Berater zieht die Fäden bei allen europäischen Initiativen des französischen Präsidenten. Und prägt Frankreichs Außenpolitik entscheidend mit.
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Der 39-Jährige bereist und bearbeitet seit fünf Jahren für Emmanuel Macron die Europäische Union. Quelle: Reuters
Clément Beaune

Der 39-Jährige bereist und bearbeitet seit fünf Jahren für Emmanuel Macron die Europäische Union.

(Foto: Reuters)

ParisDer Europaberater des französischen Staatspräsidenten zählt zu den Menschen, die von anderen gerne übersehen werden. Schreiben französische Medien über die „Mormonen“, wie Macron-Mitarbeiter der ersten Stunde genannt werden, sucht man Clément Beaune meist vergeblich. Ihm fehlt der Glamourfaktor.

Seit fünf Jahren bereist und bearbeitet der 39-Jährige für Emmanuel Macron die Europäische Union: anfangs, als der noch Wirtschaftsminister war und seit Mai 2017 im Élysée. An allen wichtigen Initiativen und Reden des Präsidenten wirkte er mit. So auch bei dessen „Brief an die Europäer“, der vor wenigen Tagen mit einigen Ideen zur Verteidigung oder Flüchtlingspolitik hohe Wellen schlug.

Direkter Vorgesetzter ist Philippe Etienne, der die Diplomatieabteilung des Élysées leitet. Etienne hat als früherer Botschafter bei der EU und danach in Berlin ein profundes Wissen über Europa und die Bundesrepublik. Dennoch lässt er Beaune, der kein Karrierediplomat und damit eine Ausnahme auf diesem Posten ist, viel Spielraum. Beide ergänzen sich: Etienne ist der Mann, der vieles weiß und wenig sagt, kultiviert, weltläufig. Etienne kann auch auf Serbokroatisch oder in perfektem Deutsch reden.

Beaune dagegen äußert sich direkter zur Sache. Stets en detail informiert, vermittelt er bei manchen Gelegenheiten den Eindruck, als verfolge er die deutsche Politik und die Medien genauer als seine deutschen Gesprächspartner. Der Absolvent der Eliteschule ENA besitzt die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge rasend schnell zu erfassen und schlüssig wiederzugeben.

Anders als seine Vorgänger will Beaune nicht Frankreich als interesselosen, ehrlichen Makler in Europa darstellen. Er sieht Europa als gleichwertige Größe neben der Nation, ein überzeugter Europäer, der sich aber Sorgen um die Zukunft des Kontinents macht.

Gehässigkeiten auf Stammtischniveau gegenüber dem Nachbarn hört man nicht selten in Diplomatenkreisen. In Deutschland genauso wie in Frankreich. Beaunes Sache sind diese rituellen Lästereien aber nicht. Eher kritisiert er schon mal das eigene Land: „Wir haben Chancen für ein Europa der Verteidigung verpasst, etwa während der Vorbereitung der deutschen Einheit.“

Ziel: Frankreich als Motor Europas

Beaune hat Macron darin bestärkt, sich zudem intensiver um die von Frankreich vernachlässigten „kleinen“ EU-Länder und um Mitteleuropa zu kümmern. Sein Interesse für die Facetten des Kontinents haben ihm die Eltern mitgegeben: Als Kind besuchte er mit ihnen jedes Jahr ein anderes europäisches Land.

„Im Sommer 1990 haben sie mich mit nach Deutschland genommen, um Berlin nach dem Mauerfall zu sehen“, sagt er. Im folgenden Jahr hätten sie Ungarn und die Tschechoslowakei bereist. Er spricht Englisch, Italienisch und ein wenig Deutsch.

Wie sein Präsident versucht er, die andere Seite zu verstehen und zu begreifen, wo Spielräume entstehen können, um in Europa voranzukommen. Dem eigenen Interesse dient er damit mehr als diejenigen, die nationale Beschlusslagen vor sich hertragen. Mit Macron will Frankreich vor allem wieder Motor in Europa werden.

Beaunes Verständnis für Deutschland ist frappierend. Sofort nach der Bundestagswahl 2017 verstand er, was das Ergebnis bedeutete: nicht etwa nur komplizierte Koalitionsverhandlungen. „Für die Deutschen beginnt eine längere politische Übergangsphase, in der sich das Land von der Ära Angela Merkel lösen und ein neues Gleichgewicht suchen wird“, analysierte er damals.

Die Offenheit für andere EU-Länder hat er auf dem Europa-Kolleg in Brügge vertieft, wo Sylvie Goulard, Vizegouverneurin der Banque de France, zu seinen Professoren zählte. Die Unternehmenswelt kennt er durch ein Intermezzo: Zwischen Wirtschaftsministerium und Élysée war er ein paar Monate im Management der Flughafengesellschaft AdP.

Ihm wurde Interesse an einer Kandidatur zum Europaparlament nachgesagt, doch nun bleibt er vorerst im Élysée. Die Arbeit dort bedeutet wenig Schlaf und Prestige, doch für Beaune könnte sie sich noch zum Sprungbrett entwickeln.

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