Regierungskrise Ägypter starten landesweite Proteste

In Ägypten haben am Freitag landesweite Proteste gegen die Regierung von Mohammed Mursi begonnen. Gleichzeitig plädierten die Oppositionsführer für friedliche Demonstrationen.
Update: 01.02.2013 - 19:59 Uhr Kommentieren
Regierungsgegner auf dem Tahrir Platz in Kairo. Am Freitag haben landesweite Proteste gegen Staatschef Mursi begonnen. Quelle: Reuters

Regierungsgegner auf dem Tahrir Platz in Kairo. Am Freitag haben landesweite Proteste gegen Staatschef Mursi begonnen.

(Foto: Reuters)

Kairo/Port SaidGegner des ägyptischen Staatschefs Mohammed Mursi haben nach einem Protestmarsch den Präsidentenpalast in Kairo angegriffen. Etliche Jugendliche warfen am Freitag bei Einbruch der Dunkelheit mehr als 20 Brandsätze auf das Gebäude und zündeten ein Feuerwerk an der Außenmauer des Geländes.

Ein Dach innerhalb des Komplexes geriet dabei in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. In mehreren Städten hatten erneut Tausende Ägypter gegen Mursi demonstriert. In Port Said am Suez-Kanal zogen Männer in schwarzen Trauergewändern durch die Straßen und skandierten: „Mursi ist der Feind Gottes.“ Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Ismailia und in Kairo gab es Protestmärsche gegen Mursi.

Seit Freitag vor einer Woche, dem zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den früheren Machthaber Husni Mubarak, wurden rund 60 Menschen bei Protesten gegen Mursi getötet. Die schwersten Ausschreitungen mit Dutzenden Toten gab es in Port Said. „Wir werden sterben so wie sie, um Gerechtigkeit zu erzwingen“, riefen die Demonstranten. Freitag war auch der Jahrestag der Fußballkrawalle von Port Said, bei denen im vergangenen Jahr 70 Menschen umkamen. Die Todesurteile gegen 21 mutmaßliche Anführer der Krawalle hatten am Samstag die Unruhen dort ausgelöst. Mursi rief daraufhin für Port Said und andere Städte den Notstand aus und verhängte nächtliche Ausgangssperren.

Neue Proteste gegen Mursi

In Kairo versammelten sich Hunderte Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in der Innenstadt. Nach den Freitagsgebeten stieg die Teilnehmerzahl weiter. Auf dem Platz kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Zusammenstößen mit Anhängern der Muslimbruderschaft gekommen.

Am Donnerstag hatten die Muslimbrüder, die Mursi unterstützen, und Oppositionsgruppen in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Doch kaum endete das Krisentreffen, zu dem der führende islamische Geistliche Scheich Ahmed al-Tajeb eingeladen hatte, kündigte die Opposition in der Nacht zu Freitag neue Kundgebungen an. „Wir haben das Mubarak-Regime mit einer friedlichen Revolution zu Fall gebracht, und wir sind entschlossen, dieselben Ziele genau so wie damals zu erreichen, ganz gleich, wie groß die Opfer oder die barbarische Unterdrückung sind“, schrieb Oppositionsführer Mohamed ElBaradei via Twitter.

Die Opposition wirft Mursi vor, die Ziele und den Geist der Revolution verraten zu haben, indem er zuviel Macht in seiner Hand und bei den Muslimbrüdern konzentriere. Diese wiederum halten der Opposition vor, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stürzen zu wollen.

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