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Reisen in der Krise Tourismusbranche erwartet den „schlimmsten Einbruch seit den 50er-Jahren“

Die Welttourismusorganisation der Uno rechnet in diesem Jahr mit 70 Prozent weniger international Reisenden und neuen Prioritäten. Weltweit seien 110 Millionen Jobs gefährdet.
28.05.2020 - 12:10 Uhr Kommentieren
Die Welttourismusorganisation rechnet damit, dass Reisende in diesem Sommer eher Urlaub auf dem Land als am Strand machen wollen. Quelle: dpa
Strand auf Mallorca

Die Welttourismusorganisation rechnet damit, dass Reisende in diesem Sommer eher Urlaub auf dem Land als am Strand machen wollen.

(Foto: dpa)

Madrid Zurab Pololikashvili, Chef der Welttourismusorganisation UNWTO, zeichnet für die globale Reisebranche ein düsteres Bild in diesem Jahr. Seine Organisation hat drei Szenarien entworfen, in denen die Zahl der internationalen Touristen zwischen 58 und 78 Prozent einbricht – je nachdem, wann die Länder ihre Grenzen öffnen.

„Ich halte einen Rückgang um 70 Prozent derzeit für die wahrscheinlichste Variante“, sagt Pololikashvili dem Handelsblatt. „Das ist der größte Einbruch des internationalen Tourismus seit Beginn der Aufzeichnungen in den 50er-Jahren.“ Weltweit wären 110 Millionen Jobs in dem Sektor gefährdet.

Der erwartete Einbruch um 70 Prozent basiert auf der Annahme, dass die Länder ihre Grenzen ab August wieder öffnen. In Europa, dem größten Touristenmarkt der Welt, lassen viele Staaten mit dem Beginn der Sommersaison zwar schon wieder Reisende ins Land. In Südamerika dagegen steigt die Zahl der Infektionen noch rasant, und auch in den USA ist kein Ende des Einreiseverbots absehbar.

„Wir werden diesen Sommer mehr Reisende sehen, die im eigenen Land bleiben – allein schon, weil die Airlines erst ab Ende Juli, Anfang August wieder ihre vollen Kapazitäten einsetzen“, sagt der gebürtige Georgier. Bei der Wahl von Auslandszielen hätten die Urlauber zudem neue Prioritäten. „Sie werden stark darauf achten, wie gut die Gesundheitsversorgung vor Ort ist“, erwartet er.

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    Einen weiteren Trend in diesem Jahr sieht Pololikashvili in Zielen abseits des Massentourismus mit Sonne und Strand. „Es wird einen Boom bei Reisen in ländliche Gebiete geben. Spanien hat bereits 70 Prozent aller Reservierungen für Destinationen auf dem Land erhalten“, sagt Pololikashvili, der in engem Kontakt mit der Regierung in Madrid steht.

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    Weiter sagt er: „Das ist eine sehr positive Entwicklung, weil es den oft von Landflucht betroffenen Gegenden neue Einnahmen bietet. Wir sind überzeugt, dass dies ein langfristiger Trend ist, den die Coronakrise jetzt zusätzlich anschiebt.“ Reisen in die Berge und in Dörfer würden in den kommenden zwei bis fünf Jahren zunehmen und sich zu einem neuen Angebot entwickeln. Gerade in Europa existiere dafür viel Potenzial. Der Städtetourismus dagegen werde zunächst sinken.

    In diesem Sommer boomen Reisen aufs Land

    Die Organisation hatte schon vor der Coronakrise den Tourismus auf dem Land als Thema für dieses Jahr ausgerufen. Dahinter stand auch die Überlegung, Abhilfe für ein Problem zu schaffen, das in der Coronakrise wie aus einer anderen Welt wirkt: das Phänomen des Overtourism. Die Reiseindustrie ist in den vergangenen Jahren mit dem Entstehen einer neuen Mittelschicht in Ländern wie China derart stark gewachsen, dass beliebte Reiseziele überlaufen und Anwohner wie Urlauber genervt waren.

    Die UNWTO hat mit der Weltgesundheitsorganisation, Verbänden aus der Luft- und Kreuzfahrt sowie der Tourismusindustrie einen Krisenstab gebildet, der regelmäßig über das Vorgehen der Branche berät. Er hat nun Empfehlungen entwickelt, wie Urlaubsländer sich in diesem Jahr auf die Saison vorbereiten sollten. Diese Ratschläge veröffentlicht die UNWTO am heutigen Donnerstagnachmittag.

    Dazu gehört ein möglichst kontaktloser und auf mobilen Apps basierender Prozess von der Einreisekontrolle bis zum Check-in im Hotel. Destinationen sollten Gäste bei der Einreise ermuntern, eine App zu benutzen, über die sich mögliche Kontakte mit Corona-Infizierten zurückverfolgen lassen. Hotels rät die Organisation unter anderem, Extrazimmer für mögliche Quarantänefälle vorzuhalten. „Auch Tests an der Grenze oder ein Gesundheitspass, der auf eine Immunität gegen das Coronavirus hinweist, können das Risiko reduzieren, dass Reisende das Virus einschleppen“, sagt Pololikashvili.

    Eine Ausgrenzung bestimmter Länder bei den Grenzöffnungen in Europa hält er jedoch für unangebracht. Die skandinavischen Länder etwa erwägen, keine Schweden einreisen zu lassen, weil das Land in der Pandemiebekämpfung auf einen Lockdown verzichtet hat. „Wir setzen uns dafür ein, ganz Europa und nicht nur die EU-Mitgliedstaaten für den Tourismus zu öffnen – und dabei kein Land zu diskriminieren“, sagt Pololikashvili. So sei die Türkei zwar kein EU-Mitglied, aber ein wichtiges Urlaubsziel und habe kaum Infizierte gehabt.

    In der Vergangenheit hat der Tourismus sich selbst nach Terroranschlägen relativ schnell wieder erholt, und die betroffenen Ziele haben meist innerhalb eines Jahres wieder ihre üblichen Besucherzahlen erreicht. „Die Branche ist sehr widerstandsfähig. Allerdings wird es eine Weile dauern, bis wir wieder die Rekorde der vergangenen Jahre erreichen werden“, meint der UNWTO-Chef. Eine Prognose für 2021 wagt er noch nicht.

    Mehr: An Nord- und Ostsee werden die Angebote knapp.

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