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Rekapitalisierung Bankenrettung mit Gewinn - das amerikanische Vorbild

2008 retteten die Staaten Großbanken mit Milliarden vor der Pleite. Deutschland zögerte, Finanzgiganten zu verstaatlichen - und machte mit dieser Strategie Verluste. Die USA haben gezeigt, wie es cleverer geht.
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Proteste gegen die Banken in den USA. Quelle: AFP

Proteste gegen die Banken in den USA.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Es war ein historischer Tag: Am 14. Oktober 2008 bestellte US-Finanzminister Hank Paulson die Chefs der größten US-Geldhäuser zu sich in das Washingtoner Finanzministerium ein. Paulson, selbst einst Chef von Goldman Sachs, versammelte die Geldelite Amerikas in einem Raum. Viele der verdutzten Manager hatten zuvor vergeblich versucht, herauszufinden worum es bei dem Treffen gehen sollte. An den Märkten regierte damals immer noch die Panik, die die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst hatte. Es war also klar, dass Paulson etwas Wichtiges im Schilde führte.

Um 15 Uhr ließ Paulson die Bombe platzen: Die Regierung werde mit einem neuen Banken-Hilfsprogramm Anteile an Bank of America, Goldman Sachs, Citigroup und den anderen wichtigen US-Banken erwerben. Die Banker protestierten: Vor allem die Banken, die sich von der Krise weniger stark betroffen fühlten, wollten nicht einsehen, warum sie mit denen, die sich verzockt hatten in einen Topf geworfen werden sollten. Doch Paulson machte ihnen klar: "Wenn ihr das Geld nicht nehmt, werde ich Euch eine zweite Portion verabreichen - und die Bedingungen dürften Euch nicht gefallen".

Paulsons Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Nach Angaben des Finanzministeriums hat die US-Regierung mit ihrer Bankenrettung bislang einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar eingefahren. Finanzminister Tim Geithner überzeugte die Wallstreet-Manager im Oktober 2008 zusammen mit Paulson, die Pille zu schlucken. Heute rechnet er damit, dass weitere Rückzahlungen den Gewinn auf bis zu 20 Milliarden Dollar in die Höhe treiben werden. Vor allem die Rückzahlungen von Hilfen an den Skandalversicherer AIG und vieler kleinerer Banken sollen dazu beitragen. Deutschland hingegen hat mit seinen Hilfen für die IKB, Hypo Real Estate, Commerzbank und mehrere Landesbanken dagegen bislang einen Verlust von fast 39 Milliarden Euro eingefahren.

Die Welt steht nun vor einer neuen Bankenkrise, die sich wahrscheinlich nur mit weiteren Finanzspritzen an die Geldhäuser lösen lässt. Die Erfahrung aus dem ersten Crash sollte den Regierenden diesmal eine Lehre sein. Denn die USA waren vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie die Geldhäuser quasi teilverstaatlichten. In Deutschland sicherte sich der Staat dagegen wie bei der Commerzbank höchstens eine stille Einlage: Er durfte zahlen, aber die Geschäftspolitik nicht entscheidend mitbestimmen.

Die USA hatten Anfang Oktober 2008 den insgesamt 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsfonds Tarp ("Troubled Asset Relief Program") aufgelegt, wovon allerdings nur 245 Milliarden Dollar in die Bankenrettung gesteckt  wurden. Die größten Empfänger an der Wall Street waren die Citigroup und Bank of America mit jeweils 45 Milliarden Dollar an Stütze. Die 19 größten Kreditinstitute der USA konnten die Hilfen relativ zügig zurückzahlen.

Banken zu ihrer Rettung zwingen

Der Tarp-Rettungsfonds durfte den Banken mit dem Rest seiner 700 Milliarden Dollar ursprünglich nur faule Kredite und andere toxische Wertpapiere abkaufen, die die Bankbilanzen vergifteten - er wäre damit zu einer Art staatlicher Kreditmüllhalde auf Kosten der Steuerzahler geworden. Deshalb verlangte die US-Regierung von den Banken, die die Hilfen in Anspruch nahmen, im Gegenzug bald Beteiligungen - und konnte so die Interessen der Steuerzahler wahren. Zudem holte Geithner, der inzwischen zu Obamas Finanzminister aufgestiegen war, Anfang 2009 private Investoren für das Wertpapierkaufprogramm ins Boot und beteiligte den Finanzsektor so an den Kosten der Rettung.

In Deutschland ging die Regierung bei der Bankenrettung dagegen einen anderen Weg. Der insgesamt 480 Milliarden Euro schwere Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) wurde zwar ermächtigt, mit maximal 80 Milliarden Euro Beteiligungen an Banken zu erwerben oder ihnen faule Kredite abzukaufen. Der weitaus größere Teil des Geldes floss aber in staatliche Garantien für neue Schulden, die die angeschlagenen Finanzinstitute am Markt verkauften. Der Staat spielte damit Versicherer für die Banken und verlangte ihnen dafür eine Gebühr ab - erhielt aber keinerlei Einfluss auf die Entscheidungen der Finanzinstitute, die von Staatshilfen profitierten.

Von der Möglichkeit, sich an Banken zu beteiligen, machte der Soffin aber nur sehr zurückhaltend und inkonsequent Gebrauch: Er beteiligte sich zwar beispielsweise mit 18,2 Milliarden an der Commerzbank. Davon flossen 16 Milliarden in eine stille Einlage, mit der der Staat zwar Teileigentümer der Bank wurde, ohne dafür Einflussrechte zu bekommen. Für die großzügige Spende sollte die Commerzbank zwar eigentlich hohe Zinsen von rund neun Prozent jährlich zahlen. Das Versprechen war aber an die Vorgabe geknüpft, dass die Bank nach den deutschen Bilanzvorschriften Gewinn macht. Das konnte sie aber immer vermeiden. Erst als sie die Einlage nach einer Kapitalerhöhung weitgehend zurückzahlen konnte, leistete sie an den Staat eine Entschädigungszahlung von rund einer Milliarde Euro.

Eine Lehre kann man daraus ziehen: Wenn der Staat nun erneut die Banken rettet, muss er sie wie einst Hank Paulson zwingen, Geld anzunehmen - und zwar alle, nicht nur die, die am meisten wanken. Denn auch die Banken, denen es vergleichsweise gut geht, profitieren massiv von der Rettung ihrer schwächelnden Kollegen: Die Rettung von Pleitebanken beruhigt die Finanzmärkte insgesamt. Für diesen externen Effekt sollten alle Banken gleichermaßen bezahlen, indem sich der Staat an ihnen beteiligt. Nur so hat er die Möglichkeit, bei einer Erholung von steigenden Aktienkursen zu profitieren - und die Kosten für die Staatshilfe wieder einzuspielen.

"Wir dürfen nicht einfach Geld über die Theke schieben, sondern müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die Kapital zur Verfügung stellen, in welcher Form auch immer, sich in den Entscheidungsorganen dieser Banken  wiederfinden", sagt deshalb Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Interview mit dem Handelsblatt. Juncker hat offenbar vom US-Vorbild gelernt: "Ich bin doch nicht von ich-weiß-nicht-wem gebissen, dass ich luxemburgisches Steuergeld einzahle, und die Gewinne teilen die Herrschaften unter sich."

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17 Kommentare zu "Rekapitalisierung: Bankenrettung mit Gewinn - das amerikanische Vorbild"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was hier vom Autor behauptet wird ist schlicht NICHT WAHR! Es ist geradezu dreist, die US-Banken-"Rettung" hier als große Tat zu verkaufen. Er hätte vorher im Archiv seiner Zeitung recherchieren sollen, oder bei der Konkurrenz. Bei der "Abrechnung" hat die US-Regierung seinerzeit wesentliche Posten, nach meiner Erinnerung um die 300 Milliarden USD, einfach unter den Tisch fallen lassen. Ich habe in meinem Blog schon seit Monaten darauf hingewiesen, wie virtuos die Amerikaner mit Zahlen umgehen. Wer mir nicht glaubt, der wird bei querschuesse.de fündig. Zugegeben, mit den deutschen Zahlen wird nicht weniger getrickst (Beispiel Arbeitslosenquote), insofern äfft der Autor nur nach. Seriöser Journalismus sieht jedefalls anders aus.

  • Sie haben gut daran getan, den Artikel von der ersten Online-Seite in die unterste Versenkung zu verlegen.

    Der Artikel ist inhaltlich Schrott, Nonsens, Mumpitz ... man kann es gar nicht oft genug sagen.

  • Zutreffender Artikel! Der Inhalt dieses Beitrages entlarvt den damaligen Finanzminister Peer Steinbrück als Experten-Darsteller, als jemand, der sich gut zu inszenieren weiß, aber fachlich garnicht so viel drauf hat.
    Herr Ackermann von der Deutschen Bank lacht sich doch heute noch kaputt darüber, wie ihm Herr Steinbrück und damit die Bundesregierung die HRE vom Hals genommen hat. Auch die Commerzbank-Lösung mit lediglich einer stillen Einlage war und ist ein Witz.
    Steinbrück tut heute so als sei er einer der größten Finanzexperten auf dem Planeten, aber in Wirklichkeit ist er ein nur ein guter Selbstdarsteller.

  • 6 mrd. gewinn. das sind doch der tropfen auf dem heißen stein. die usa wären schon längst pleite, wenn die ihre staatsschuldengrenze außer kraft gesetzt hätten. also was soll dann der scheiß. und das wir jetzt verluste einfahren, hat mit den entsprechenden ratings von....yes....US-Ratingagenturen ihren Urspruck. Fuck you USA. ich hoffe, die Iraner schaffens irgendwann mit Hilfe von China und Mexiko, diesem Treiben ein Ende zu setzen.

  • In der EU dktieren doch Ackermann & Co. die Bedingungen!!
    Wie die gebaut sind, sieht die BRD doch keinen einzigen
    Cent mehr wieder, solange kein europ. Hank Paulson in
    Sicht ist!!!

  • @Der Bernd

    Gleichfalls Kokolores - wo hat den der deutsche Steuerzahler eine Sicherheitsleistung für den 120 oder 130 Mrd. EURO Kredit für die Hyporealestate erhalten?

    AIG - 180 Mrd. EURO Kredit von den USA > Sicherheitsleistung? Nicht vorhanden. Zu aktuellen Marktpreisen war die Bank damals platt

    Also erzählen Sie nicht so ein Nonsens.

    Wahrscheinlich erzählen Sie auch noch, dass die Kredite für Griechenland auch abgesichert sind.

    So ein Müll ...

  • Mann Mann Mann ... und so etwas nennt sich seriöse Berichterstattung. Sie sollten einfach Fannie Mae und Freddy Mac dazu nehmen - dann verdüstert sich die US Bilanz (bei einer Bewretung der Unterstützungsleistungen zu Marktpreisen) ganz dramatisch.

  • @Zecke
    Was für ein Unsinn, den Sie da von sich geben! Wenn ich jemandem Geld leihe, dann bestehe ich auch auf eine Sicherheit oder eben Geschäftsanteile für die ich Geld gebe. Kann ich (Staat) ja später wieder privatisieren (verkaufen). Das haben vor über 10 Jahren die Schweden schon erfolgreich vorgemacht.

    Für den Bürger und dessen Vermögen oder andere Anteilseigner spielt es dabei keine Rolle, ob der Staat Miteigentümer ist oder ein anderer Mitbewerber aus dem Markt die Bude für einen Appel und Ein schluckt. Kapitalismus kann so praktisch sein.

  • auf Kosten einer brutalen Gedschwemme ist das damals durchgeführt worden. Wieso zeigt denn der Warenkorb diese Mißstände nicht an? Weil der eben nur die Butter und die Wurscht anzeigt, und wenn jeder von uns eine Million mehr hätte, dann würden wir keine einzige Butter zusätzlich kaufen! Ergo, das zuviele Geld zeigt sich als exorbitante Verschudlung, die niemals zurückgezahlt werden kann. Welche Lösungen gibt es? Ein tranparentes Wirtschatssystem zum Beispiel. Dort können wir ganz glar erkennen, wer wieviel profitiert und gegensteuern. Wie läßt sich die Verschuldung bremsen und komplett abbauen. Das alles findet sich im Buch "Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem"

  • Verdummungspropaganda !
    Dieses Wochenende stirbt wieder eine große Bank !
    Und Edelmetalle werden wieder runtermanipuliert !
    Diesen Monat geht`s noch rund !!!!

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