Rettungsprogramm Deutschland will schnelle Zypern-Hilfe

Deutschland und Frankreich drängen nach der Wahl in Zypern auf ein schnelles Rettungsprogramm. Der neue Präsident Anastasides fordert Hilfe für die Banken. Doch Finanzminister Schäuble „lässt sich nicht drängeln“.
Update: 25.02.2013 - 20:21 Uhr 27 Kommentare
Der neue Präsident Zyperns Nicos Anastasiades nach seinem Wahlsieg. Quelle: dpa

Der neue Präsident Zyperns Nicos Anastasiades nach seinem Wahlsieg.

(Foto: dpa)

Brüssel/BerlinNach der Wahl in Zypern dringen Deutschland und Frankreich auf den raschen Abschluss eines Rettungsprogramms für das angeschlagene Euro-Land. „Die Diskussionen sollten in Kürze wieder aufgenommen und eine Einigung vor Ende März angestrebt werden“, hieß es am Montag in einer Erklärung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinem Kollegen Pierre Moscovici.

Das Wahlergebnis ermögliche die Bildung einer Regierung, die schnell die Verhandlungen über finanzielle Hilfe fortsetzen könne. Schäubles Sprecher ergänzte später, man werde sich jedoch nicht zu einer Entscheidung drängen lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von schwierigen Fragen, die noch zu klären seien.

Der Konservative Nikos Anastasides hatte nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl am Sonntag umgehende Verhandlungen angekündigt. Der Zeitung „Bild“ (Dienstagausgabe) sagte er laut Vorabbericht, es gebe eine „dringende Notwendigkeit, unseren Bankensektor zu rekapitalisieren“. Die langfristigen Aussichten für sein Land seien hervorragend, denn man habe sich zu allen Strukturreformen verpflichten. „Wir brauchen nur jetzt eine helfende Hand.“ Zypern benötigt ein Paket über rund 17 Milliarden Euro.

Schäubles Sprecher verwies in Berlin auf Hindernisse, die überwunden werden müssten. Dazu gehöre die Frage der Geldwäsche, der Steuern und in wie weit eine Pleite Zyperns das Gesamtgefüge in Europa bedrohen würde. „Der Minister lässt sich nicht drängeln“, sagte er zu Forderungen nach einer schnellen Entscheidung. Man könne aber gleichwohl „anstreben, dass man so schnell wie möglich arbeitet“. Merkel erklärte, man werde in den kommenden Wochen sicher mit schwierigen Fragen beschäftigt sein.

Aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, die Mitgliedsstaaten seien sich über das Vorgehen bei dem Rettungspaket uneinig. Deutschland, die Niederlande und Finnland forderten wie einige weitere Staaten, dass auch die Aktionäre und Sparer der zyprischen Banken einen Teil der Last tragen sollten, sagten Insider. Allerdings gebe es die Sorge, dass ein solcher „bail-in“ zu einem sofortigen und massiven Ansturm auf die Banken führen würde, der Folgen für die ganze Euro-Zone haben und die Schuldenkrise wieder verschärfen könnte. „Dieses Risiko muss berücksichtigt werden“, sagte ein Vertreter eines Euro-Staates, der noch nicht Position bezogen hat.

Die Finanzminister der Euro-Zone treffen sich am 4. März in Brüssel. Kreisen zufolge werden allerdings keine Entscheidungen erwartet. Damit dürfte ein zweiter Gipfel notwendig werden.

Erste neue Minister bereits ernannt

Anastasides tritt derweil bei der Regierungsbildung aufs Gas. Nur einen Tag nach seinem Wahlsieg ernannte er am Montag den zyprisch-britischen Nobelpreisträger Christofer Pissarides zum Chef des neugegründeten Nationalen Wirtschaftsrates. „Ich werde den Präsidenten beraten. Wir haben schwierige Arbeit vor uns“, sagte Pissarides nach seiner Ernennung im zyprischen Fernsehen. Er hatte 2010 zusammen mit zwei weiteren Ökonomen den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

Sarris neuer Finanzminister
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27 Kommentare zu "Rettungsprogramm: Deutschland und Frankreich für schnelle Zypern-Hilfe"

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  • der Schäuble wollte Zypern überhaupt nicht helfen um jetzt doch für schnelle Hilfe zu sein? das nenne ich rettungsroutine.

  • Richtig. Eine weitere Information, die ins Bild paßt: "Sarris hatte bis 2004 für die Weltbank gearbeitet." - Wer ist die Weltbank und wer hat dort wirklich das Sagen? Aus 2008 aber immer noch aktuell: http://www.youtube.com/watch?v=99l_q8cJ8GA

  • Also bis Ende März sollen die russischen Oligarchen warten bis sie ihre Schwarzgeldmilliarden gewaschen aus Brüssel zurück bekommmen.
    Also das geht nun wirklich nicht, die müssen schließlich auch noch Ostergeschenke kaufen.

    Ich bin dafür so schnell wie möglich die 17,5 Milliarden auszuzahlen, ist schließlich alles systemrelevant/alternativlos und einen Sache von Krieg und Frieden.

  • Die gut 800.000 Einwohnern werden in eine Art "Schuldhaftung" genommen, obwohl sie wirklich nichts für die Gier nach Rendite können. Nicht die "Gierkunden der Banken" müssen haften, sondern die Bevölkerung. Das ist fast nicht zu ertragen ... dass das Geschäftsmodell so einfach "fast schon brutal" funktioniert.

    Zypern hätte einfach pleite gehen müssen; der Bankenspuk wäre dann einfach mal beendet gewesen und hätte nicht die getroffen, die nichts dafür können.

    So aber werden die über 17 Milliarden Euro als "Start" in ds korrupte System hineingepunmpt und wirkungslos abgezogen. Es bleibt dann ein "Schuldenloch", welches nach weiteren Refinanzierungsschulden rufen wird.

    Die EU "hat`s" ja üppig. Italien klappt nun wieder an eine wundersame Geldmehrung durch weniger Sparen und mehr Schulden. Zypern an üppige Superkredite für Wenige usw.
    Eigentlich müsste der EURO einen Inflationssparung vornehmen, wenn all die wundersamen Geldmengenvermehrungen getätigt werden. Bin gespannt, wann die EZB wieder "Sonderbankenkredite" und "Staatspapieraufkäufe" in Milliardenhöhe tätigen wird.

    Geht doch - denn nur wer "Hyperschulden" anhäuft, kann auf weiteres Geld hoffen. Geld durch "anfassbare Leistung" zu erhalten war Gestern - heute ist "spekulatives Denken" angesagt. Giermodelle vor Sparsamkeit.

    Zypern zeigt, dass auch kleine Staaten mit wenig Bürgern und vielen Banken, auch spekulativ mitmischen dürfen. Geht es schief .... erfinden sich Ausgleichszahlungen mit positiven Worthülsen wie "Hilfskredite".

    Es darf Mitgelitten werden für die wenigen GIER-Anlegern, die nun brav auf Ausgleichszahlungen warten, damit sie schnell ihre Konten räumen können. Übrig bleiben staatl. zwangsverschuldete Einwohner, die erst noch aufwachen müssen, um das Drama zu begreifen. Aber ... dann wird sicher eine Folgemilliardentranche aus der EU greifen, von der aber heute besser noch nicht gesprochen wird. Das würde nur das derzeitige Klima stören.

  • Deutschland und Frankreich für schnelle Zypern-Hilfe, die schnelle Hilfe gaben wir den Griechen. Die traurige Nachricht lautet, das griechische Wirtschaftwachstum schrumpft weiter. Lügen nichts als Lügen werden propagiert um den Griechen weitere Milliarden zu geben.

    Genau so schlimm sieht das Euro-Schneeballsystem in Zypern aus. Hier wandern die Milliarden über die Banken direkt zu den organisierten Schwerverbrechern. Es ist unerträglich, dass Deutschland permanent Geld in aller Welt verteilt, obwohl Deutschland über 2 Billionen € Schulden hat.

    Wir brauchen uns in Deutschland nur die Straßen anzusehen, hier erkennen wir einen gewaltigen Reparaturstau. Das liegt daran, dass Deutschland kein Geld dafür hat.

    Aber für Griechenland, Zypern und weis Gott für welches Land noch, ist Geld vorhanden. Nach Schulden mit noch mehr Schulden folgt die Insolvenz. Wenn das anders wäre, hätten wir die vielen Anträge auf Privatinsolvenz in Deutschland nicht.

    Dieser verfluchte Euro zerstört Europa.

  • Also ich für meinen Teil habe die Konsequenzen weitestgehend gezogen (und auch an der Wahlurne).

    Jetzt noch die Türkei in die EUDSSR, die Bulgaren als Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, Hartz 4 für die ganze EUDSSR.

    Zypern gerade mal so nebenbei gerettet (Bank-Maffia).

    Habe fertig!

  • Liebe Merkel, Hollande und Schäuble, in diesem ist es Zeit NEIN zu sagen.
    Zypern ist ein einziges Steuersparmodell, allerdings illegal, doch nicht nur für für Russen und Anverwandte, dort gibt's auch Peinlichkeiten für andere, auch für Europäer. Die zyprischen Banken hatten ja kein Schild an der Tür nach dem Motto "Wir machen alle Schweinereien, aber nur für Russen".
    Im übrigen werden die 15-17 Milliarden die man dort hineinschießen möchte, lichtschnell wieder von den bösen Burschen heraustransferiert, und dann kann das selbe Spielchen wiederholt werden. Was kann man also tun?
    Die Anzahl der native Zyprier könnten unter Vorlage Ihres Passes pauschal bis zu 20.000 Euronen entschädigt werden. Die historisierten Bankdaten müssen ebenfalls offengelegt werden, da sonst die illegalen Schwarzgeldkonten an willige Zyprier aufgeteilt werden Damit hat man schon mal einen Großteil der Fälle vom Tisch. Alles was über 100.000 € ist wird erst mal abgelehnt und für den Bereich 20.000-100.000 macht man eine genaue Überprüfung.
    Das ganze Verfahren sollte ausschließlich über den ESM laufen.
    Es ist anzunehmen, dass solche Vorschläge nicht bei allen auf Begeisterung stoßen, den es wird sicherlich auch manche europäische Banken geben, die dort ihre gichtigen Finger im Spiel haben und da unauffällig rauskommen wollen.

  • Das ganze Gezeter nützt nichts. Die Kreuzchen auf dem Wahlzettel werden sich dadurch nicht ändern. Die meisten interessiert nur täglich Fresschen und DSDS. Also kann man sagen Deutschland wollte das. Es bekommt das, was es gewählt hat.

  • Zyperns neuer Finanzminister: "Michalis Sarris gilt als der Architekt des Beitrittes Zyperns in die EU (2004) und dem Euroland (2008). Der 65-Jährige Ökonom war Mitglied des Vorstandes der Notenbank Zyperns und zwischen 2005 und 2008 Finanzminister."

    D.h. also: Derjenige, der Zypern mit betrügerischen Konstrukten in die EU und insbesondere in den Euro gebracht hat und der maßgeblich mitverantwortlich ist für den Aufbau bzw. die Nicht-Regulierung des verbrecherischen zypriotischen Bankensystems, dessen Geschäftsmodell die Unterstützung der organisierten Kriminalität ist, verhandelt jetzt über die sogenannte "Rettung" eben dieser Verbrecherbanken.

    Ich kann einfach nicht mehr so schnell kotz... wie diese Nachrichten über die immer absurdere Euro-Verbrecher-Rettung eingehen. Früher oder später werden Merkel und Schäuble "alternativlos" 17 Milliarden an diese Betrüger überweisen und damit das "systemrelevante" Vermögen reicher Kleptokraten "retten".

    Dafür soll ich also arbeiten und Steuern zahlen!? Ich will diesen Mist nicht mehr!

    Von 17 Milliarden könnte man in Deutschland 17 Universitäten komplett neu bauen. DAS wäre eine Zukunftsinvestition! Geldausgeben für Zypern ist ein Verbrechen am deutschen Steuerzahler und insbesondere an der deutschen Jugend! Für die Politiker, die das alles zu verantworten haben, sollte die Todesstrafe wieder eingeführt werden, aber bitte mit Vierteilen und siedendem Öl! Es reicht!

  • Merkel hat dem deutschen Bürger viel Leid gebracht, besonders den Arbeitnehmern und Rentnern. Jetzt werden wieder einmal mafiose Banken gerettet, weil diese Zocker- Gebilde systemrelevant sein sollen - ein Witz. Wie lange kann diese Dame, für immer dem Osten verpflichtet, ihr schändliches Handwerk noch ausführen können? Wo sind unsere Aufpasser?

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