Richard Grenell

Der amerikanische Botschafter in Deutschland hat mit einem Interview mit Breitbart News für Verstimmung gesorgt.

(Foto: AP)

Richard Grenell Neuer US-Botschafter sorgt mit Breitbart-Interview für Ärger

Der US-Botschafter in Deutschland will Konservative in Europa unterstützen. Die Bundesregierung und Außenpolitiker kritisieren die Äußerung.
Update: 04.06.2018 - 16:10 Uhr 2 Kommentare

Hardliner und Trump-Vertrauter – Das ist der neue US-Botschafter in Berlin

BerlinEin Interview des neuen US-Botschafters in Berlin, Richard Grenell, im rechtspopulistischen US-Nachrichtenportal Breitbart hat Irritationen in der Bundesregierung ausgelöst. „Wir haben die US-Seite um Aufklärung gebeten und ob sie tatsächlich so gefallen sind, wie sie wiedergegeben werden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Das Portal zitierte Grenell mit der Aussage, er wolle konservative Strömungen in Europa stärken. Konservative Politik würde sich zunehmend durchsetzen wegen der verfehlten Politik der Linken.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte, kommenden Mittwoch werde der Botschafter zu seinem Antrittsbesuch erwartet. Dann werde es Gelegenheit geben zu erörtern, wie die Äußerungen zu verstehen seien. Nach diplomatischen Gepflogenheiten werden Vorlieben für bestimmte politische Parteien oder Bewegungen nicht öffentlich gezeigt. Dies gilt als Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten.

Der neue Russland-Beauftragte der Bundesregierung Dirk Wiese (SPD) zeigte sich am Montag im Gespräch mit dem Handelsblatt irritiert über die Äußerungen Grenells. Er will dessen Interview mit Breitbart auch bei einem Treffen mit dem Vize-US-Botschafter am Freitag thematisieren. „Ich werde da auch ganz klar sagen, dass ich einige seiner Äußerungen nicht richtig finde“, so Wiese.

„Es wäre gut, rechtzeitig gegenüber dem US-Außenminister das Verhalten eines hochrangigen Entsandten anzusprechen“, sagte SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. „Es ist definitiv nicht die Aufgabe des Botschafters, sich in die politischen Angelegenheiten des Gastlandes einzumischen. Das sollte er schnell lernen", sagte der außenpolitische Sprecher der FDP, Bijan Djir-Sarai zu Reuters.

SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel twitterte: „Europas Bürgerinnen und Bürger lassen sich von einem Trump-Vasallen nicht sagen, wie sie wählen sollen. Ein US-Botschafter, der sich derart in demokratische Auseinandersetzungen einmischt, ist einfach fehl am Platz.“

Grenell hob in seinem Interview den österreichischen Botschafter Sebastian Kurz als positives Beispiel jüngerer konservativer Politiker hervor: „Gucken Sie, ich glaube, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin ein Fan von ihm.“ Die konservative österreichische Volkspartei (ÖVP) von Kurz ist im Wiener Parlament eine Koalition mit der populistischen Freiheitlichen Partei Österreichs eingegangen.

Laut einem Bericht des Spiegel hat Grenell Kurz zudem am 13. Juni zum Mittagessen in die US-Botschaft in Berlin eingeladen. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin bestätigte ein Botschaftssprecher die Einladung, betonte aber, dass das Treffen auf Initiative Österreichs stattfinde. Dass ein Botschafter in Berlin einen ausländischen Regierungschef zum Mittagessen in die Botschaft einlädt, ist ungewöhnlich. Auch hohe Repräsentanten der Bundesrepublik sollen eingeladen sein.

Grenell hatte der konservativen Plattform Breitbart London gesagt: „Ich denke, die Wahl von Donald Trump hat die Menschen befähigt zu sagen, dass sie es einfach nicht zulassen können, dass die politische Klasse (in Europa) vor einer Wahl entscheidet, wer diese gewinnt und wer kandidiert.“ Er fügte an, er sei von einer Reihe von Konservativen in Europa kontaktiert worden. „Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa stärken.“ Der Aufschwung konservativer Ideen sei durch ein Scheitern linker Konzepte zu erklären. Es gilt als ungewöhnlich für Diplomaten, sich so deutlich politisch zu äußern.

Auf Twitter wies Grenell jedoch später Vorwürfe zurück, er wolle Kandidaten oder Parteien direkt unterstützen. Dies sei „lächerlich“, schrieb er. Es gebe aber ein Erwachen einer stillen Mehrheit - jene, die Eliten und ihre Blase ablehnten. Trump stehe an der Spitze dieser Mehrheit.

  • rtr
  • dpa
  • dah
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2 Kommentare zu "Richard Grenell: Neuer US-Botschafter sorgt mit Breitbart-Interview für Ärger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solche Botschafter braucht Deutschland nicht!

    Dummschwätzer, m.E. ein .....

  • Laut unseres Bundespräsidenten ist Trump ein Hassprediger. Evtl. sollte man dies und andere Äußerungen unserer Bundes-"Politiker" in Anrechnung bringen.

    Da haben die Amis noch die eine oder andere Breitseite gut.

    Das Niveau ist hier wie dort gewöhnungsbedürftig, nur sind wir hier eben nicht in der Position "tit for tat" spielen zu können. Da haut uns der grosse, böse Onkel auf die Pfoten und hört das Gejaule nicht einmal.

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